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DIE NÄCHSTEN, BITTE!

 

Da gibt es die einen: die, denen das Nachdenken über die eigene Nachfolge keinen Spaß macht. Schließlich kommt nichts Besseres nach! Besucht haben wir die anderen: in Gols vier Nittnäuse, in Neckenmarkt das Wellanschitz-Quartett und die Maiers am Geyerhof.

Weingut Nittnaus


Hans Nittnaus ist 60 Jahre alt und ein umtriebiger, zu Späßen aufgelegter Winzer aus Gols. Auf 63 Hektar angewachsen ist jenes Familien-Weingut, das er mit seiner Christine seit über 30 Jahren bewirtschaftet. Mit Andreas und Hans Michael steht die nächste Generation in den Startlöchern. Die Betriebsübergabe ist bei Nittnaus ein Prozess, der nicht bloß passiert. „Wir reden schon seit Jahren darüber. Da werden Aufgaben bewusst zurückgelegt, anders verteilt“, erzählt Andreas, der so wie sein Bruder („zuhause bin ich nur der Michi – offiziell kommt der Hans davor.“) längst auf den Geschmack gekommen ist. Die vier produzieren Weiß-, Rot- und Süß-wein, tigern sich überall gleichermaßen hinein, wollen auf nichts verzichten. Die Zeit der Lese ist daher entsprechend lang, beginnt Ende August mit den ersten Muskattrauben und dauert bis zur Eisweinlese im Jänner. Die wichtigste Sorte ist dabei der Zweigelt – und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

Die-nächsten-Bitte-1.jpg ⒸFranz Helmreich

Ungehorsam erwünscht

 

Was sich ändern wird in Zukunft? Nach Aussage der beiden Söhne jedenfalls nichts, was der Außenstehende als Revolution begreift. „Das Sortiment werden wir nicht umwerfen. Wir möchten, auch wenn das ein Stehsatz ist, im Detail besser werden.“ Seinen fixen Platz bekommen hat mit Andreas Nittnaus jedenfalls schon der reinsortige Pinot Noir. Anspruchsvoll ist die Sorte, im Weingarten genauso wie im Keller, und vielleicht gerade deswegen eine Herzensangelegenheit des 26-Jährigen. „Wenn man frisch anfängt, will man sich gleich beweisen“, lacht der. In der Weinwelt von INTERSPAR gibt es (daher) seit Kurzem ein neues Burgunder-Pärchen aus Gols: besagten Pinot Noir und eine Chardonnay Reserve. Das Etikett: hip(per), obwohl es die Hausmarke mit ihrer Traube nicht verleugnet.

„Das ist ja die große Gefahr in einem Familienverband: dass einer dasselbe sagt wie der andere und kein Input von außen kommt.“ Hans Nittnaus erwartet sich Ungehorsam, hat mit Christine schon bisher die Kultur des Redens gepflegt. Jeder möge sich einbringen, seinen Senf dazugeben – auch wenn das manchmal anstrengend ist und man lieber seine Ruhe hätte. Nicht egal ist den zwei jungen Winzern ihre Umwelt. Ressourcenschonend, landschaftserhaltend, sozial: Mit dem Siegel „Nachhaltig Austria“ tragen ab jetzt alle Weine des Weinguts Nittnaus eine offizielle Bestätigung dieses seit vielen Jahrzehnten gelebten Gedankens.

Die-nächsten-Bitte-2---Wellanschitz.jpg ⒸAngi Huber

Weingut Wellanschitz


Im burgenländischen Neckenmarkt sind die Wellanschitz’ am Werken. Während ihre Reben, die im schweren Lehmboden des Mittelburgenlands wurzeln, kräftige und voluminöse Weine bringen, liefern Kalk, Gneis und Schiefer des Ödenburger Gebirges filigrane Well-Weine mit mineralischen Noten. Stefan David, 26 Jahre jung, ist seit drei Jahren im Betrieb. Ach nein – eigentlich ist er das schon sein ganzes Leben lang. Gerne erinnert er sich, im Rückblick romantisch verklärt, an seine Kindheit und die Zeit(en) der Lese. „Ich habe Trester hin- und hergeschaufelt, fand es schön, eine Aufgabe zu haben. Ob die Arbeit Sinn gemacht hat, ist eine andere Frage“, lacht der Winzer, der fünf Jahre lang die Bänke der Weinbauschule Klosterneuburg gewetzt hat. Danach ist dem Burgenländer erst mal gar nicht nach Neckenmarkt zumute. Etwas von der Welt sehen und eine Antwort auf die Frage finden, wie man das eigene Flaggschiff – den Blaufränkisch – eben dort bekannter machen kann: Stefan David Wellanschitz, ein bedachter Typ und gar kein Schreier, will es wissen. Auch, ob der bisherige Weg, den seine Eltern und der Onkel eingeschlagen haben, der richtige ist. Die Mama erwartet sich auch gar nichts anderes vom Filius: „Wir wollen keinen kleinen Soldaten, der hinter uns nachläuft und alles klasse findet. Wir brauchen einen Häuptling! Alles andere wäre ein Rückschritt.“ Christine Wellanschitz ist stolz auf ihren Sohn, schätzt die Diskussionen, in der keiner das letzte Wort hat.

Eine logische Konsequenz


„Wir bewegen uns immer weiter weg vom konventionellen Weinbau hin zum biologisch-organischen“, erzählt Stefan David. „Das ist für mich eine logische Konsequenz und dem Klima geschuldet.“ Auch in seiner Einstellung zur Weinstilistik folgt er einer anderen Spur: Weniger konzentriert soll der Wein sein, weniger alkoholreich, weniger wuchtig und damit: weniger französisch. Auch den französischen Eichen-Barriques schiebt der junge Wellanschitz den Riegel vor, pocht stattdessen auf österreichische Fassbinder, heimische Eichen und ebensolche Akazien. Beide wachsen praktischerweise im eigenen Wald. Das Ende der Fahnenstange, die die Abkehr vom Bisherigen markiert, ist damit noch nicht erreicht. „Seitdem ich im Betrieb bin, greifen wir vieles von dem auf, was mein Großvater schon von seinem gelernt hat: Wir nehmen uns im Keller zurück, machen den Wein nicht, sondern lassen ihn entstehen.“ Fehler ist das keiner: A la Carte ist voll des Lobes für den Wein von Wellanschitz, kürt den Blaufränkisch Klassik 2015 im Weinführer 2017 zum Sortensieger. „Es ist schön, wenn man für einen ehrlich produzierten 7,50-Euro-Wein eine solche Auszeichnung erhält.“

Weingut Geyerhof


Der Geyerhof in Oberfucha nahe Göttweig ist ein Biobetrieb der ersten Stunde – entstanden im Fahrwasser der aufkommenden Umweltschutzbewegung, in der engagierte Bürger um Auen gerungen und gegen die Atomkraft mobil gemacht haben. Ilse Maier, die das Weingut 1986 von ihren Eltern übernimmt und fortan auf Bio setzt, war in ihrem Engagement nahezu auf sich allein gestellt. Die Winzerin lernt dabei nicht primär aus Büchern (einschlägige Literatur ist kaum vorhanden), sondern von den Gesetzen der Natur. Bestes Bioweingut International, 19 Punkte von Gault Millau: Viel falsch machen die Maiers heute nicht mehr. „Am schönsten ist es, wenn man morgens die E-Mails öffnet und darin gelobt wird für seinen Wein. Oder wenn abends um halb zehn das Telefon klingelt und uns ein Kunde wissen lässt, dass er noch nie einen so guten Riesling getrunken habe wie gerade eben.“ Das erzählt uns Maria, die Frau von Josef. Der ist wiederum Ilses Sohn und seit zwei Jahren fix mit von der Weingutspartie. Der 28-Jährige, der an der BOKU Ökologische Landwirtschaft studiert hat, zieht den Hut vor der Frau Mama. Die setze schon seit vielen Jahren das um, was heute propagiert wird. Und das meint in erster Linie: möglichst wenig einzugreifen. „Das ist ein Lernprozess, bei dem man sich jedes Jahr weiter vortastet, ein gewisses Grundvertrauen entwickeln und auch Geduld üben muss.“

Die-nöchsten-bitte-3---Geyerhof.jpg ⒸStefan Knittel

In sich stimmig


Seit Josef und Maria am Hof mitmischen, summt und brummt es in Oberfucha: Acht Bienenvölker sind bei den Maiers eingezogen, außerdem sechs Weiderinder. Für gefährdete Tier- und Pflanzenarten wie Wiedehopf und Laubfrosch sowie schützenswerte Landschaftselemente werfen sich die beiden außerdem in die Bresche. Menschen buchstäblich näherbringen, nicht nur auf den Export zu setzen, sondern auf das eigene Land zu fokussieren, die guten Tropfen in Österreich stärker propagieren: Die Ideen gehen Josef und Maria nicht aus. „Ich vertraue den beiden, die machen ihre Sache super.“ Meint Ilse. Dass man sich am Geyerhof blendend versteht, ist offensichtlich. Herausfordernder ist da schon das Zeitmanagement. Mit Einsetzen des Frühlings geht es Schlag auf Schlag: Schnitt, Bodenbearbeitung, Verkostung, Abfüllung, Präsentation der neuen Weine: Im März beginnt die intensive Zeit. Und jedes Jahr kommt die Arbeit „völlig überraschend – so überraschend wie der Schnee in Wien eben …“

 Von Angi Huber (Journalistin und Fotografin in Salzburg).

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