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Weihnachten bei den Winzern

Wer schmückt den Baum, wer glaubt noch ans Christkind? Wir waren in Niederösterreich und im Burgenland unterwegs, haben bei Rudi Rabl auf den Busch geklopft, ans Tor von Schloss Gobelsburg und bei Mads an die Türe.

Rudi-Rabl_600x600.jpg "Was man mir am besten schenkt? Eine schöne Flasche Wein." Rudi Rabl vom Weingut Rabl © Angi Huber

Weingut Rudi Rabl

Wenn es alle Jahre wieder glei dumpa wird, der See still und starr ruht und Schneeflöckchen gemeinsam mit Weißröckchen den Himmel rockt, dann steht möglicherweise Weihnachten vor der Tür. Wobei die Sache mit dem Schnee längst keine gmahde Wiesn mehr ist. „Als Bub bin ich mit den Ski durch die Kellergassen gerutscht. Heute liegt dort nur noch alle paar Jahre ein bisschen Schnee.“ Karriere als Skifahrer hat Rudi Rabl keine gemacht – als Winzer wohl. Bei den diesjährigen Decanter World Wine Awards hat der Langenloiser die Platin-Trophy für den besten Grünen Veltliner und den besten Riesling nach Hause geholt. Falstaff war mit 94 Punkten ebenfalls spendabel. Zwei Landessieger, drei Salonweine: Verdiente (Weihnachts-) Geschenke gab’s heuer schon früh.

Ihr Kinderlein, kommet


An früher erinnert sich der Weinmacher gerne, vor allem an den Christtag, der bei der Großmutter zum Showdown wurde. „Alle Cousinen, Cousins, Onkel und Tanten haben sich dort getroffen. Das waren dann knapp 30 Leute, die sich auf 30 Quadratmeter gedrängt und in Etappen gegessen haben. Der Christbaum – er war höchstens einen Meter hoch, vollbehangen mit Zuckerln und Papierln – hat regelmäßig gebrannt. Der wurde aber nie gleich gelöscht. Erst wollten alle ihre Fotos machen“, erzählt Rudi Rabl lachend. Die Tanne aus dem eigenen Wald, die es heutzutage ins Wohnzimmer der Rabls schafft, misst über vier Meter. Anstelle auf Zuckerln und Papierln setzt man auf Eleganz in Bicolor. Und das nicht erst am 24.: Der Baum wird schon ein paar Tage vor dem Heiligen Abend behübscht. Schließlich sollen sich auch die Freunde, für die man Jahr für Jahr groß aufkocht, optisch daran laben. Zu hohen Festtagen greift man im Hause Rabl gerne zu gereiften Lagerweinen aus der Vinothek. Auch Tropfen von anderswo werden eingeschenkt. „Ich will ja meinen Horizont erweitern. Wenn ich immer nur meinen eigenen Wein trinke, wird das kaum passieren“, meint Rudi Rabl, der heuer seine 31. Ernte eingebracht hat. Wie es der Winzer mit dem Konsum von Keksen hält? „Bei uns dauert die Ernte zwei Monate, da purzeln meine Kilos! Das neutralisiert sich bis Weihnachten. Am besten schmecken mir die Schokoladekrapferl meiner Schwiegermutter und die Kekse mit der Punschglasur!“

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Schloss Gobelsburg


Für die einen kommt Weihnachten (grundsätzlich) überraschend. Eva Moosbrugger gehört zu den anderen, den Organisierten. „Ich überlege das ganze Jahr, welche Geschenke Freude machen könnten, führe Listen.“ Eva Moosbrugger führt aber nicht nur Listen, sondern seit fast 22 Jahren gemeinsam mit ihrem Mann Michael das „WeinKulturErbe“ Schloss Gobelsburg. Naheliegend war das nicht: Michael Moosbrugger kommt aus einer der bekanntesten Hoteliersfamilien, ist im „Hotel Gasthof Post“ in Lech am Arlberg aufgewachsen. Dort trinkt man zwar auch gerne guten Wein, angebaut wird er aber selten: 10 Hektar misst die Rebfläche im Ländle. Am Heiligen Abend darf die Kulinarik bei den Moosbruggers nicht zu kurz kommen. Als Aperitif wird der hauseigene Schloss Gobelsburg Sekt Brut Reserve entkorkt. Während zum Fest gerne Kalbsbrust ser viert wird, bevorzugen die Gobelsburger neben ihren reifen Lagenweinen, die auf den Toprieden Heiligenstein, Gaisberg oder Renner groß geworden sind, auch Weine von befreundeten Winzern aus dem Douro oder dem Burgund. Obwohl man die Franzosen schätzt, darf in den eigenen Fässern aber keine Kopie davon entstehen. Im Schloss hält man vielmehr autochthone Sorten wie den Grünen Veltliner oder den Zweigelt hoch. Sie sollen den Charakter des Terroirs – also das Stück Land, auf dem der Wein wächst – widerspiegeln.

O Tannenbaum

Heute ist der Wein „nach den Kindern“ das Wichtigste im Leben der Moosbruggers. So schildert es Eva – und sie spricht auch für ihren Mann. Der ist, sofern er nicht gerade im Weingarten steht oder im Keller werkt, auf der ganzen Welt unterwegs, präsentiert dort die österreichische Weinkultur. Am 24. Dezember darf sich Michael Moosbrugger jedenfalls zurücklehnen. Das Schmücken des Christbaums übernimmt nämlich ein anderer. „So lange ich denken kann, hat das mein Vater gemacht.“ Johannes (17), Anna (16) und Luise (13) gehen dem Großvater brav zur Hand. Zu tun gibt es genug.

Gobelsburg_600x600.jpg "Neujahrsvorsätze gibt's bei uns nicht. Was wir ändern wollen, ändern wir gleich." Eva Mossbrugger vom Weingut Schloss Gobelsburg © Angi Huber
Weingut-Mad_600x600.jpg Sebastian und Tobias Siess vom Weingut Mad © Angi Huber

Weingut Mad

Das Weingut Mad im burgenländischen Oggau ist ein Familienbetrieb im besten Sinn. Onkel, Tante, Söhne und Schwiegersöhne, Töchter, Eltern und die Großeltern: Hier finden sich diverse Verwandtschaftsbeziehungen. Die Brüder Sebastian und Tobias Siess sind zwei aus dieser Schar. Während sich der eine ums Marketing kümmert, hält der andere im Weingarten und im Keller die Stellung. Seit vielen Generationen setzt man bei Mad schon auf den Wein. Und trotzdem gab’s ihn, den Plan B. Zumindest bei Sebastian, der auch die Uniform des Polizisten angezogen hätte. Tatsächlich trägt er die der Freiwilligen Feuerwehr. So wie sein Bruder. Dass die beiden auf einer Welle schwimmen, ist offensichtlich.

Alle Jahre wieder


Anspruchsvolle Weine zu produzieren, die Freude machen: Das ist das Credo bei Mad. Woraus sich diese Freude speist? „Wenn ich einen Welschriesling habe, der nach Gelber Muskateller schmeckt, ist das zwar interessant, aber eben kein Welschriesling. Wir wollen sortentypische Weine machen und damit die Erwartungen erfüllen.“ Hoch sind auch die Erwartungen an den 24. Dezember, groß ist die Freude im Vorfeld. Der Heilige Abend beginnt bei Mads schon in der Früh: Um 9 Uhr trifft man sich am Bootshaus der Feuerwehr, brät Speck am Lagerfeuer, wärmt sich mit Glühwein. Nachmittags geht es weiter zu den Schwiegereltern, wo Geselchtes und Geschenke warten. Abends kehrt man bei den Eltern ein. Es wird gebetet, an die Verstorbenen erinnert und über das Glück sinniert. Danach stehen die Großeltern am Programm. Damit ist der Abend aber noch längst nicht gelaufen! „Gegen 22 Uhr gehen wir alle zu den Eltern meiner Freundin, schauen uns den Baum an, trinken ein Schnapserl“, erzählt Tobias. Mittlerweile ist die Gruppe auf 16 Personen angewachsen. Die finden auch in der kleinen Wohnung von Tobias und Freundin Anna Platz. „Es ist eng bei uns, aber gemütlich.“ Nach diesem Einkehrschwung trennen sich die Wege: Während die einen die Christmette besuchen, treffen sich die anderen noch mit Freunden und feiern bis in die Morgenstunden. Grund zum Feiern hatte man bei Mad 2017 nicht immer. „Was uns wirklich zugesetzt hat, war der fehlende Niederschlag. Darum ist auch wenig Saft in den Trauben. Auf die Qualität hat das freilich keine Auswirkung.“


Von Mag. Angelika Huber (Journalistin und Fotografin in Salzburg)

 

 

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