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ALTE TRADITIONEN IN DER NEUEN WELT

Wie neue Weinstile aus altbekannten Rebsorten die Weinwelt eroberten.

 

Wenn es um Weine jenseits von Europa geht, gibt es hierzulande immer noch eine gewisse Überheblichkeit. Schließlich versteht man sich auf dem alten Kontinent als Wiege der Weinkultur. Über Jahrhunderte hinweg haben sich Rebsorten in bestimmten Regionen etabliert. Wie beispielsweise der Chardonnay im Burgund, der zweifellos für unverwechselbare Weine sorgt. Wer allerdings denkt, das gäbe es nur bei uns in Europa, der täuscht sich gewaltig. Längst haben europäische Rebsorten von Südamerika bis Down Under neue Regionen erobert und liefern fantastische Weine, die ihresgleichen suchen. Zeit, den mittlerweile traditionsreichen Weinen aus der Neuen Welt mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Balanceakt Barossa

Aus dem warmen, mediterranen Klima im australischen Barossa Valley kommen seit jeher mit die besten Weine des Landes. Berühmt geworden sind nicht nur die voluminösen Rotweine aus Shiraz oder Grenache von über 100 Jahre alten Reben, die zum nationalen Kulturerbe gezählt werden. Auch Cabernet Sauvignon sorgt für Furore. Vor allem wenn er wie der Corryton Park vom Spitzenweingut Grant Burge aus den höchstgelegenen und kühleren Lagen der Region stammt. Ein Wein, der mit seinen komplexen Aromen von Cassis, reifen Kirschen, Minze, Zigarrenkiste und Lakritze fasziniert sowie durch seinen kraftvollen Körper, seine Struktur und sein enormes Reifepotenzial. Barossa ist nun einmal eine der wenigen Regionen, die zeigen, dass mühelose Balance auch bei einem höheren Alkoholgehalt möglich ist.

Neue_Welt_Malbec_Teaser_400x300.jpg Bekannt für Malbec, der ursprünglich aus Frankreich stammt: Mendoza in Argentinien.

Malbec - vom Mittelmeer aus in die Anden

Cahors im französischen Südwesten war bislang die angestammte Heimat der roten Rebsorte Malbec. Doch mittlerweile verbindet man mit Malbec wohl eher Argentinien. Denn die Bergausläufer im Regenschatten der Anden bieten die optimalen Bedingungen für die besonders dickschaligen Trauben. Das Thermometer erreicht tagsüber bis zu 40 °C, um nachts durch die kühle Luft der Anden auf 10 °C abzukühlen. Dieses einzigartige Klima ermöglicht es dem gewaltigen Tanningerüst des Malbecs, zur Reife zu gelangen, während die nächtliche Abkühlung die Aromen nicht marmeladig werden und den Trauben die nötige Säure lässt. So entsteht ein unverwechselbarer Rotweintypus, der sich wie der Tango und die fleischlastige Küche zum argentinischen Markenzeichen entwickelt hat. Tiefdunkel und mit violetten Reflexen laufen diese Weine ins Glas. Typisch sind Aromen von vollreifen Maulbeeren, Brombeeren, Mokka, schwarzem Pfeffer und Tabak. Argentinischer Malbec startet am Gaumen stets mit einem maskulinen Auftritt, um sich im Finish in fruchtbetontes Wohlgefallen aufzulösen. Es sind jene genialen, kräftigen Weine wie die vom Spitzenweingut Trapiche, die man verkostet haben sollte. Vor allem Weingenießer, die gerne kräftig gegrilltes Rindfleisch essen und wie die Argentinier nach dem Motto leben: „Fleisch ist mein Gemüse.“

Weinbau in Chile

Chile, der westliche Nachbar Argentiniens, wird in der Weinwelt gerne als Weinbauparadies bezeichnet. Umrahmt von Pazifik, Anden und Atacama-Wüste, ist das Land so isoliert, dass es die Reblaus bis heute nicht geschafft hat, dorthin zu gelangen. Zudem entstehen in dem trockenen Klima erst gar keine Pilzkrankheiten, mit denen man vor allem im nördlichen Europa zu kämpfen hat. Kein Wunder, dass sich in Chile mit Emiliana eines der größten Bio-zertifizierten Weingüter der Welt befindet. Mit über 1.500 Hektar,verteilt über die besten Weinregionen des Landes, gehört Emiliana zu den absoluten Spitzenbetrieben. Besonders zu empfehlen ist der Novas aus den Rebsorten Carménère und Cabernet Sauvignon. Die Reben für diesen Wein stammen aus dem Colchagua Valley: Hier ist es die gute Mischung aus warmem, trockenem Klima und kühler Meeresbrise, die vor allem dem Carménère guttut. Die Rebsorte besticht durch ihre unwiderstehlichen Aromen von reifen roten Himbeeren, Pflaumen, Paprika, Tabakblättern, Pfeffer und süßen Gewürzen wie Zimt, Anis und Vanille. Aus ihr werden kraftvolle Weine gekeltert, mit tiefdunkler, violetter Farbe und kräftigem Tanningerüst – auch gut geeignet, um noch ein paar Jahre im Keller zu reifen.

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Weine vom Kap

In Südafrika fällt das mediterrane Klima etwas kühler aus. Denn die meisten Weinbaugebiete sind beeinflusst von zwei Weltmeeren: dem Indischen Ozean und dem Atlantik. Gekühlt wird Südafrika zusätzlich vom Benguelastrom, einer Meeresströmung aus der Antarktis. Im Zusammenspiel mit abwechslungsreicher Topographie und variierenden Bodenarten entstehen hier Weine, die mit ihrer perfekten Balance zwischen Reife und Säure begeistern. Neben Rebsorten wie Chenin Blanc, Pinotage und Cabernet Sauvignon gilt mittlerweile auch der Shiraz als typischer Vertreter südafrikanischer Weine. Der Fish Hoek Shiraz vom Western Cape ist mit seiner saftigen Frucht in Kombination mit würzigen Pfeffernoten ein besonders typisches Beispiel dafür. Es gibt mittlerweile unzählige Weine aus der Neuen Welt, die mit ihrer geschmacklichen Einzigartigkeit und Qualität ein perfektes Zusammenspiel von Rebsorte und Terroir verraten. „Die Erzeugung von Wein ist wirklich ein einfaches Geschäft. Nur die ersten 200 Jahre sind schwierig“, erzählte Baronesse Philippine de Rothschild ihren Besuchern auf ihrem Château Mouton-Rothschild in Bordeaux einmal. Es scheint ganz so, als wäre man in der Neuen Welt schneller gewesen.

Neue_Welt_Kap_Teaser_400x300.jpg Südafrika beherbergt wunderbare Weinberge, hier am Western Cape.

Von Romana Echensperger, MW (ist Master of Wine und schreibt und berät in Sachen Wein)