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Provence und Bordeaux im Vergleich

Süden ist nicht gleich Süden

Gott soll in Frankreich wohnen, heißt es. Vielleicht, weil er dieses Land mit so ziemlich allem versorgt hat, was Gourmets zum Glücklichsein brauchen. Zum Beispiel Frankreichs Süden: Rund um die Stadt Bordeaux entsteht perfekter Rotwein, und in der Provence locken herrliche Roséweine. Vor Ort schmecken sie freilich besonders gut. Wenn es darum geht, aus der Not eine Tugend zu machen, sind die Franzosen ganz vorne mit dabei – zumindest im Weinbau: Ist die Gegend zu kühl für vollreifes Traubenmaterial, dann erfinden sie den Champagner. Und ist sie zu heiß und zu trocken für tiefkomplexe Gewächse, dann machen sie eben großartige Roséweine.


Von Stephan Burianek

Inspiration

Davon kann man sich beispielsweise in der Provence im Château Gassier überzeugen. Erst im Jahr 1982 wurde das Bioweingut am südlichen Fuße der Montagne Sainte- Victoire, wenige Kilometer östlich der Stadt Aix-en-Provence, gegründet. Legendär wurde die imposante Kalksteinformation nicht zuletzt durch Paul Cézanne – der berühmte Impressionist verewigte sie auf mehr als 60 Bildern. Das Gebiet mit den niedrigen Eichenwäldern und seinen für die Provence typischen Lavendelfeldern gilt als Paradies für Wanderer, allerdings nicht in den heißen Monaten: Wegen der Waldbrandgefahr sind von Juli bis September die meisten Wanderwege gesperrt. Nicht so der drei Kilometer lange Rundgang durch die pittoreske Weingartenlandschaft von Château Gassier. Schautafeln erläutern u. a. die lokale Flora, Fauna und Geologie eines außergewöhnlichen Terroirs (eine Broschüre mit englischsprachiger Übersetzung ist bei der ersten Station erhältlich). Ins Auge stechend ist die rote Tonerde, auf der die meisten Reben hier wachsen. Grenache, Syrah, Cinsault, Cabernet Sauvignon. Aber auch weiße Sorten, wie Rolle (Vermentino) und Ugni Blanc (Trebbiano) finden ihren Weg in den Rosé. Man sollte unmittelbar vor Ort die Probe aufs Exempel machen, denn das Weingut bietet Gourmet-Picknickkörbe an. Wer sich beispielsweise eine Flasche Pas du Moine hineinlegen lässt, der hat einen perfekten Einstieg in die wunderbare Welt der Rosés: Blaubeerig-duftig umschmeichelt er zunächst die Nase und dann mit einer angenehm balancierten Säure den Gaumen. Er ist frisch und weinig zugleich – ein perfekter Speisenbegleiter der berühmten, mit lokalen Kräutern veredelten provenzalischen Küche. Vor allem im Sommer! Beim Picknicken wird man dann nicht nur den Gesang der Zikaden hören, sondern vielleicht auch den Mistral spüren, der vom Rhonetal kommend zum Mittelmeer zieht. Er hält die Reben trocken und begünstigt den biologischen Anbau – viele Weingüter in der Provence sind biozertifiziert.

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Berühmt & Gut

Wer tiefer in das provenzalische Rosé-Universum eintauchen möchte, der kann entlang der römisch-antiken Via Aurelia nach Fréjus weiterfahren. Nördlich von Brignoles haben sich Brad Pitt und Angelina Jolie – als sie noch Hollywoods Traumpaar waren – mit dem Château de Miraval ein Weingut gekauft, das einen überaus schmackhaften Rosé produziert. Leider ist es nicht für Verkostungen geöffnet. Dafür bleibt dann vielleicht mehr Zeit im Château d‘Esclans (nördlich von Le Muy), das einige der weltbesten Rosés produziert (Reservierung erforderlich). Dieses Weingut hat einen maßgeblichen Anteil daran, dass der Genuss von Roséweinen im Nobelküstenort St. Tropez heute zum guten Stil gehört. Der Unternehmer, der es 2006 übernommen hat, stammt aus Bordeaux. Es mussten offenbar erst Menschen aus anderen Regionen in die Provence kommen, damit den dortigen Rosés zu neuem Ruhm verholfen wurde. Womöglich wusste man in der südöstlichen Provinz lange gar nicht, auf welchem potenziellen Schatz man saß – und schaute stattdessen neidisch auf den Südwesten des Landes, auf eine Weinregion, die mit vermeintlich besseren klimatischen Bedingungen gesegnet war: das Bordeaux. Gegen seine fülligen, tiefkomplexen Weine kamen Winzer in anderen Regionen lange Zeit nur schwer an.

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Traditionell Gut

Bis heute gilt das Bordeaux als einflussreichste Weinregion überhaupt. Zu verdanken hat sie ihre außergewöhnliche Stellung nicht zuletzt dem Atlantik, der für milde Winter und warme Sommer sorgt. Natürlich greift eine solche Erklärung zu kurz, sie müsste auch die unterschiedlichen Böden berücksichtigen: Kies beispielsweise in den Gebieten Graves und Médoc oder Ton in Pomerol. Aber der Boden in den einzelnen Appellationen ändert sich von Schritt zu Schritt. Die Beschäftigung mit Bordeauxweinen ist eine Wissenschaft für sich, auch wenn die Lagenklassifizierung weniger komplex ist als etwa im Burgund. Für einführende Informationen empfiehlt sich der Besuch des vor drei Jahren eröffneten Weinmuseums Cité du Vin, das sich in der Form einer Weinkaraffe am linken Garonne- Ufer der Stadt Bordeaux ikonisch in den Himmel streckt. Auch wenn es Wein eher allgemein und niederschwellig thematisiert, bietet es doch einen ersten Überblick über das Weinbaugebiet. 

Danach hat man hoffentlich viel Zeit, um in all die Orte, Appellationen und zu jenen Weingütern zu fahren, deren Namen dem Connaisseur unweigerlich den Mund wässrig machen: Saint-Émilion, Haut-Médoc, Château Palmer, Pauillac, um nur ein kleines Feuerwerk zu zünden. Fast neun von zehn Bordeauxweinen sind übrigens rot, wobei die klassische Cuvée aus Cabernet Sauvignon und Merlot weltweit Nachahmer findet. Das Bordeaux ist zweifellos mehr als ein Weinbaugebiet. Es ist ein Mythos, seine Geschichte atmet praktisch in jeder Ecke. Und seine Weine schmecken mitunter phantastisch. Zumindest einmal in seinem Leben sollte man diese Referenzregion besucht haben.

Der Bordeaux Jahrgang 2016

Es ist das Glück der Tüchtigen, das die Bordelaiser mit dem Jahrgang 2016 ereilt hat. Das Frühjahr war nass, was in den Weingärten viel Arbeit verursachte, und im Sommer setzte eine bis in den Herbst hinein andauernde Dürre sowohl die Reben als auch die Kellermeister unter Stress. Trotzdem berichteten Fachjournalisten bereits unmittelbar nach der „En Primeur“-Verkostung der Jungweine vor zwei Jahren von einem ganz großen Rotweinjahrgang, dem wahrscheinlich besten in diesem Jahrhundert (also womöglich noch besser als der 2010er). Von einem „Wunder“ und einem „Jahrgang der Superlative“ war zu lesen, von besonders kraftvollen, fruchtigen und gleichermaßen eleganten Weinen, noch dazu homogen auf die gesamte Region verteilt. Nach der üblichen Reifephase in den traditionellen Barriquefässern ist dieses Wunder nun im Handel erhältlich.

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Empfehlung von Anne J. Thysell

Der Pontet-Canet ist für mich ein ganz besonderer Wein aus Bordeaux. Egal welcher Jahrgang, er zählt stets zu meinen Favoriten aus der Bordeaux. Ich hatte sogar schon die Ehre an einer Verkostung mit älteren Jahrgängen teilzunehmen. Der Jahrgang 1921 war ein absoluter Traum. Das Weingut selbst, der Keller und die Menschen dort sind definitiv einen Besuch wert, ich bin jedes Mal wieder überwältigt. Der Jahrgang 2016 vom Pontet-Canet verführt mit wunderschönen, intensiven Noten nach schwarzen Johannisbeeren. Am Gaumen präsentiert er sich komplex und füllig mit toll eingebundenen Holznoten. Er schafft es Kraft mit Eleganz zu verbinden, ohne dabei zu schwer zu werden. Viele feine Tannine und der lange, vollmundige Abgang runden den Wein perfekt ab.

Mein Tipp: Ein absoluter Topwein der schon jetzt sehr viel Trinkvergnügen bereitet. Sein volles Potential beginnt er in 5 – 7 Jahren zu entfalten und wird dann bei richtiger Lagerung von Jahr zu Jahr besser.

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