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Weingut Stift Göttweig

Zwischen Barock & Purismus

Am östlichen Rand der Wachau liegt das wunderschöne Benediktinerstift Göttweig, und das erhaben am Göttweiger Berg. Wer dort oben steht, schwebt förmlich über dem Donautal und erkennt bei klarer Fernsicht sogar die Alpen. Es ist der imposante Arbeitsplatz von Fritz Miesbauer. Vor 20 Jahren hat er die Weingärten des Stiftes gepachtet, verantwortet seither 30 Hektar in den besten Lagen. „Ich habe eine Riesenfreude mit dieser Aufgabe, bin ja auch in der Nähe geboren und aufgewachsen“, erzählt der Winzer, der sich dem Zauber des architektonischen Juwels nicht entziehen kann. Wer kann das schon! „Die Kaiserstiege des Stiftes ist etwas ganz Besonderes. Sie hat ein 300 Quadratmeter großes barockes Deckenfresko, das in nur 45 Tagen gemalt wurde. Was für eine unglaubliche Leistung!“ Die Weine des Weingutes brauchen bedeutend länger, um zu wachsen und zu reifen. Statt Tage nämlich Jahre. Und genau darin liegt ihre Größe.

Seit 1083 – so lange existiert auch das Benediktinerstift – wird hier Weinbau betrieben. 1983 und damit exakt 900 Jahre später hat Patrick Schöder das Licht der Welt erblickt. Er ist der Abt des Klosters, also der oberste Geistliche. „Ich bin in Südafrika aufgewachsen, einer Region, die für ihre Weinberge bekannt ist. Dort habe ich gelernt, wie sehr Landschaft, Klima und menschliche Hingabe zusammenwirken, um etwas Kostbares hervorzubringen“, lässt er wissen. Göttweig habe für ihn eine ähnliche Ausstrahlung: hoch über der Donau gelegen ist es ein Ort, an dem Geschichte, Tradition, Natur und Glauben miteinander verschmelzen.

 

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Kommen wir wieder zurück auf die Erde. In der wachsen vor allem der Grüne Veltliner und der Riesling, Chardonnay und Pinot Noir findet man hier ebenfalls. Wer sich noch nie eine Flasche des Weingutes vergönnt hat, möge einen Furth Grüner Veltliner Kremstal DAC probieren – empfiehlt Fritz, der von Falstaff 2020 zum Winzer des Jahres gekürt wurde und sich darüber hinaus regelmäßig über ausgezeichnete Bewertungen freut. „Der ist leicht und hat trotzdem Charakter, erinnert an einen frischen gelben Apfel, ein bisschen Ringlotte und zart nach Birne. Wie kommuniziert ein Weingut, dessen Historie auf tausend Jahren fußt, dass Tradition und Moderne kein Widerspruch sind? Wie leicht fällt es, innovativ zu sein, in die Zukunft zu schauen und nicht bloß die Asche anzubeten? „Ich respektiere diese wunderbare Geschichte, wir pflegen sie auch. Aber wir leben in einer anderen Zeit. Schau dir nur unsere Flaschen an!“ Wer eine solche in die Hand nimmt, hält nicht nur ein Stück Weinbaukunst, sondern auch ein Fragment des Stiftes: Das barocke Deckenfresko ziert die Kapsel. Gleichzeitig bleibt das Etikett zurückhaltend. Das ergibt ein gelungenes Zusammenspiel von Opulenz und Reduktion, von historischer Identität und den Anforderungen moderner Produktästhetik. Die Weine selbst sind ebenfalls nicht im Gestern geblieben, manche Rieslinge Zeugnisse von Purismus in seiner schönsten Form. Schön und zeitgemäß sind auch das Presshaus und der Keller, in dem die per Hand gelesenen Trauben landen.

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Welcher Wein könnte die Visitenkarte des Herrn Abtes sein, wo sieht er seine eigene Persönlichkeit repräsentiert? „Mir fällt da spontan der Riesling ein“, verrät der Gefragte. „Der ist klar strukturiert und doch voller lebendiger Nuancen. So ein Riesling hat Kraft, Frische und eine Tiefe, die sich erst im Laufe der Zeit entfaltet – wie es auch im geistlichen Leben ist. Als Benediktiner lernst du, Geduld zu haben und das Reifen zuzulassen.“

Region: Kremstal

Was können eure Weine, wie gut seid ihr?
"Die sind frisch und sehr bekömmlich, sie zu trinken ist – ganz ehrlich! – eine Freude. Unser Wein hält in der Wachau auch allen Vergleichen stand. Das weiß ich, weil wir seit vielen Jahren mit absoluten Top-Leuten aus Österreich und der ganzen Welt blinde Vergleichsverkostungen machen. Da weiß man dann eben, wo man steht."

Bei den jüngeren Konsumenten geht der Trend hin zu alkoholarmen oder alkoholfreien Weinen. Eure Reaktion darauf
"Wir leben und pflegen eine sehr schöne, jahrhundertalte kulturelle Tradition, werden auch in Zukunft nicht auf alkoholfreie Weine setzen. Wir bemühen uns in unserer nachhaltigen Weingartenbewirtschaftung allerdings um angenehme, leichte und gut bekömmliche Weine."

 

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Jesus hat aus Wasser Wein gemacht. Das schaffst du vermutlich nicht. Erzähl doch bitte etwas über den aktuellen Jahrgang, die Ernte.
"Bis in den Sommer hinein hatten wir echtes Glück mit dem Wetter, da war die Versorgung der Pflanzen optimal. Der Herbst war durchwachsen, der brachte viel Regen. Der Riesling ist eine Diva, da mussten wir bei der Ernte sehr selektiv vorgehen. Was im Keller gelandet ist, hat allerdings eine super Qualität. Der Veltliner ist wiederum robust, der verträgt so ein Wetter weit besser. Knackig, frisch, duftig: Hier erwarten wir uns einen großartigen Jahrgang! Einen, bei dem der Gusto aufs zweite Glaserl groß sein wird."

 

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