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Ein Hoch auf den Zweigelt

Er ist ein Wein ohne Allüren, bringt erstaunliche Qualitäten hervor und spielt im Neusiedlersee DAC die Hauptrolle: der Zweigelt. Von Angi Huber*


Mit der Einführung des sogenannten Herkunftsvermarktungssystems – besser bekannt als DAC – wurde in Österreich erstmals die Herkunft eines Weins über die Rebsorte gestellt und für einzelne Regionen ein gebietstypisches Geschmacksprofil definiert. Der Kunde sollte den Trunk unter dem Stoppel auch ohne Blick aufs Etikett zuordnen, den „typischen“ Weinviertler vom typischen Kremstaler oder einem Mittelburgenländer unterscheiden können. Wer hinter einem DACWein einen uniformen Tropfen erwartet, vermutet, dass eine Region immer gleich zu schmecken habe, der täuscht sich freilich. Trotz gleicher Herkunftsbezeichnung schmecken die Weine doch unterschiedlich, schließlich hat jeder Winzer seine eigene Handschrift und jedes Mikroklima einen Einfluss auf das Ergebnis. Die Frage, was einen Neusiedlersee DAC ausmacht, kann jedenfalls mit „fruchtig, würzig, harmonisch und immer ein Zweigelt“ beantwortet werden. Sein Spektrum reicht von jung zu trinkenden, klassisch ausgebauten Weinen bis zu kraftvollen Gewächsen aus dem kleinen Holzfass.

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"DER NEUSIEDLERSEE DAC AUS UNSEREM HAUS IST LEICHT, SÜFFIG, MACHT SPASS. ÜBER DEN MUSS MAN NICHT STUNDENLANG PHILOSOPHIEREN."


- Erich Scheiblhofer

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Gegründet wurde der Verein Neusiedlersee DAC im Jahr 2012. Sich auf einen Wein(stil) zu einigen, der stellvertretend für die Region um den Neusiedler See steht, war nicht einfach. „Frag fünf Winzer, und du hast fünf verschiedene Meinungen. Zehn Jahre haben wir diskutiert!“ Das erfahre ich von Erich Scheiblhofer, damals Obmann der Weinregion. „Der Verein kam gleichzeitig mit meinem Sohn auf die Welt. Während meine Frau in den Wehen lag, hat bei mir dauernd das Telefon geläutet. Da waren wir in der Finalphase des DAC-Finding.“ Nachdem der Zweigelt die Hauptsorte der Region ist, sich im Osten des Neusiedler Sees besonders wohlfühlt, fiel die Entscheidung auf ihn. Scheiblhofer vergleicht den Roten mit einem Sportwagen: schnell (reif) und verlässlich sei er, (wenn gewünscht auch) dicht und kraftvoll, d. h. mit viel PS. Spaßfaktor: hoch!

Keine Punktlandung


„Für mich ist ein Neusiedlersee DAC ein unkomplizierter, fruchtiger, saftiger Rotweintyp. Ein Alle- Tage-Wein im besten Sinn.“ Hannes Reeh hält nichts von allzu strikten Weinbeschreibungen. Es gehe um eine Richtung, nicht um eine Punktlandung. Die Trauben müssen grundsätzlich aus dem Gebiet Neusiedlersee und damit aus einer der zertifizierten Gemeinden stammen. Ist das der Fall, kann der Wein zur Prüfnummer eingereicht werden. Eine Kommission aus geschulten Winzern der Region stellt dann fest, ob der Wein dem Geschmacksbild entspricht. Wessen Kind dabei verkostet wird, wissen die Damen und Herren freilich nicht. Gebietstypisch ist nicht nur der DAC, das sind auch die Menschen, die den Wein machen. Dabei hat für Reeh jede Ortschaft ihren eigenen Charakter. „Ich will mich ja nicht selber loben – aber die Andauer sind grundsätzlich sehr fleißige Leute. Da ist eine sehr positive Stimmung, von der man mitgezogen wird.“

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"WENN ICH ZURÜCKBLICKE AUF DIE LETZTEN JAHRE, GIBT ES NICHTS, WAS ICH ANDERS MACHEN WÜRDE."


- Hannes Reeh

Aus Andau kommt auch Jacqueline Klein, eine der wenigen Frauen der Branche. 2010 übernimmt sie den traubenproduzierenden Betrieb der Eltern, füllt erstmals selbst Wein in Flaschen ab. Wohl fühlt sich die ehemalige Fußballspielerin (rechts außen, stürmend), die heute dem FC Andau die Daumen hält und regelmäßig auf der Tribüne sitzt, im männerdominierten Weinbau jedenfalls. Kleins Leidenschaft ist, abgesehen vom runden Leder, der Zweigelt. Der lässt sich – so viel wissen wir nun schon – klassisch leicht ausbauen oder kräftig im Barrique. Klein setzt auf die Opulenz, zieht die kräftige Linie der leichten Note vor, auch beim klassischen DAC. „Der Zweigelt ist für jeden zugänglich. Ich habe kaum Kunden, die mir sagen, dass sie ihn nicht mögen.“ Was Klein mag, ist vor allem auch die Gemeinschaft der DACWinzer, von denen es mittlerweile rund 90 gibt. Der gemeinsame Auftritt bei Messen, die Werbung: Das mache schon einiges her.

Die Ostseite des Neusiedler Sees verbucht österreichweit die meisten Sonnenstunden. Während es im Westen vom Himmel tropft, ist es hinterm Neusiedler See nicht nur heiß, sondern auch recht trocken – der See wirkt wie ein Schirm, außerdem: wie ein Puffer, der nachts die Temperaturen nicht allzu weit nach unten purzeln lässt. Kalk im Boden, viel Schotter: Das alles gefällt dem Zweigelt.

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"DASS DER NEUSIEDLERSEE DAC BEI JEDEM WINZER EINE EIGENE NOTE BEKOMMT, IST KLAR. ES WÄRE JA LANGWEILIG, WENN ER BEI JEDEM GLEICH SCHMECKEN WÜRDE."


- Jacqueline Klein

Aus Prinzip


„Beim Neusiedlersee DAC konzentrieren wir uns auf die Reserve-Kategorie. Obwohl hier eine Cuvée zugelassen wäre, fahren wir reinsortig, setzen aus Prinzip nur auf den Zweigelt.“ Das erzählt mir der Golser Winzer Andreas Nittnaus. Auch dass Reduktion das A und O ist: Wer in die Oberklasse vorstoßen will, muss den Ertrag niedrig halten, Saft und Kraft des Rebstockes auf wenige Trauben verteilen. „Wenn man nicht ausreichend dahinter ist mit dem Ausdünnen Ende Juli oder Anfang August, dann erhält man nicht die Qualitäten. Dann gibt’s nicht den tollen Körper, die Vollmundigkeit, die Fülle am Gaumen, nicht die intensive Kirsche. Bei der Reserve- Kategorie ist das besonders entscheidend.“ Erfinden musste die Familie Nittnaus ihren DAC nicht. Den „Luckenwald“, der das Siegel trägt, gibt es schon seit 18 Jahren. Und weil der perfekt ins Profil einer DAC Reserve passt, wurde auch eine daraus.

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DAC-7.jpg ⒸWeingut Hans und Christine Nittnaus

"DER WEIN IST EINE LEBENSBEREICH ÜBERGREIFENDE BEREICHERUNG. ER IST MEIN BERUF, SCHWAPPT ABER GLEICHZEITIG ANGENEHM HINÜBER INS PRIVATLEBEN."


- Andreas Nittnaus

Dass der Sommer nicht nur die Zeit der Weißen ist, sondern auch der Rote seine Berechtigung hat, macht Michael Allacher klar. Man kühle – so sein Tipp – einen klassischen, nicht zu kräftigen Zweigelt auf etwa 12 Grad ab, serviere ihn im warmen Glas. „Der explodiert förmlich in der Nase, zeigt eine extreme Kirschfrucht.“ Das wollen wir dem Golser Winzer gerne glauben. Auch dass der beste Erntezeitpunkt für den klassischen Zweigelt um den 10. September herum ist. Dann hat die Traube eine schöne Frucht und noch nicht allzu viel Alkohol. „Der Zweigelt ist eine Ausnahmeerscheinung. Früher war er ein Massenträger, hatte ein schlechtes Image. Irgendwann ist man draufgekommen, was er für tolle Qualitäten bringt – wenn man ihn im Ertrag reduziert, es bei sechs bis acht Trauben am Stock belässt.“

DAC-8.jpg ⒸStudeny Nadine

"DER ZWEIGELT MACHT EINFACH SPASS, MIT DEM KANNST DU ALLES MACHEN! DEN KANNST DU AUCH IMMER TRINKEN, DA BRAUCHT’S KEINEN SPEZIELLEN ANLASS."


- Michael Allacher

* Mag. Angelika Huber ist Journalistin und Fotografin in Salzburg.

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