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Österreichische Traditionsweingüter

Es war einmal vor langer Zeit, als ein kleiner Kreis von Winzern aus dem Krems- und dem Kamptal zusammenkam, um über den Wein zu diskutieren. Ihre Gespräche drehten sich vor allem um die Lagen und um die Identität des Weines. Irgendwann hatten die Winzer genug vom vielen Reden: 1992 hoben sie die „Österreichischen Traditionsweingüter“ (kurz: ÖTW) aus der Taufe und damit einen Verein, der heute 62 Mitglieder in Niederösterreich und Wien umfasst.

Irgendwann hatten die Winzer genug vom vielen Reden: 1992 hoben sie die „Österreichischen Traditionsweingüter“ (kurz: ÖTW) aus der Taufe und damit einen Verein, der heute 62 Mitglieder in Niederösterreich und Wien umfasst. „Wir haben rund 5.000 Weingärten in Österreich, die alle einen Namen tragen. Der bloße Umstand, dass der am Etikett steht, bedeutet primär einmal gar nichts.“ Damit umreißt Michael Moosbrugger, seit 2006 Obmann der Österreichischen Traditionsweingüter, auch schon das Ziel des Vereins: Der ÖTW habe mithilfe objektivierbarer wissenschaftlicher Kriterien ein System aufgebaut, das die Bedeutung eines Weingartens misst – den Weinliebhaber also erkennen lässt, ob das, was unterm Korken schlummert, besonders ist oder nicht. Man konzentriert sich dabei auf die Herkunft des Weins, fokussiert die Lage, auf der er wächst. Beurteilt wird nur die Bedeutung eines Weingartens, nicht seine Qualität. Wurde er schon in alten Dokumenten angeführt? Das ist eine der vielen Fragen, die sich die Winzer stellen müssen. Neben historischen spielen auch geologische Fakten eine Rolle.

Die guten Lagen finden

„Wir haben vor rund zehn Jahren begonnen, unsere Böden zu analysieren, sind die einzelnen Parzellen mit Widerstandsmessern abgefahren, haben die Zusammensetzung visualisiert.“ Das erzählt Gerhard Markowitsch. Als Winzer kenne man natürlich seine Gärten, wisse, wo die guten Lagen liegen. Ein wissenschaftliches Fundament zu legen, Bodenstruktur, Niederschlagsmenge, Luftströmungen oder die Temperaturentwicklung zu eruieren, objektiviere die Sache allerdings. Trotzdem muss aus vermeintlich guten Lagen noch lange nicht der beste Wein werden. Um herauszufinden, was der Wein kann, findet in Grafenegg jährlich eine Verkostung der ÖTW-Weine statt. Nationale und internationale Experten (darunter Anne Thysell von der INTERSPAR weinwelt) geben dort ihr Urteil ab. Auch ihre Ergebnisse fließen in den Bewertungsprozess ein. Freilich: Die Lagenweine machen nur einen kleinen Teil im Sortiment der Winzer aus – wie Markowitsch erklärt. „Bei uns fallen bestenfalls 20 Prozent der Gesamtfläche auf den klassifizierten Lagenwein.“ Den Geyerhof gibt’s seit 1135, Josef Maier noch nicht ganz so lang. An der Mitgliedschaft, die seit 20 Jahren besteht, schätzt er vor allem den Austausch unter den Kollegen. „Alle haben dasselbe Ziel vor Augen, alle ticken gleich. Das gibt eine gute Gesprächsbasis!“ Die Klassifikation der Weingärten sei komplex, Unterschiede zwischen den einzelnen Lagen für den Laien seien oft kaum erkennbar, so der Winzer, der die Riede Kirchensteig (deklariert als Erste Lage) als Beispiel bringt. Die sei nur einen Hauch höher als der Sprinzenberg, was sich aber vor allem im Frühling als Vorteil erweist: „Am Kirchensteig treiben die Reben früher aus. Im Gegensatz zum Sprinzenberg ist er auch nicht frostgefährdet.“

Herkunft im Fokus

„Wie soll ich das jetzt sagen, ohne dass es arrogant klingt.” Markus Huber ringt auf die Frage, wie er Mitglied geworden ist, mit den Worten. Der 39-Jährige hat vor 19 Jahren seine erste Ernte eingebracht, war vom Start weg „überdurchschnittlich erfolgreich“. Michael Moosbrugger ist das nicht entgangen, auch nicht der Umstand, dass Huber ins gleiche Horn bläst, die Herkunft in den Fokus rückt. „2008 hat er mich gefragt, ob ich dem Verein beitreten möchte. Ich hab mich extrem darüber gefreut. Ich komm ja von einem ganz kleinen Weinbaubetrieb, habe zu den Weingütern, die im ÖTW sind, immer aufgeschaut. Und plötzlich bin ich selber dabei.“ Neu im ÖTW-Gefüge ist das Weingut Wien Cobenzl, alt der Weinbau in der Region: Archäologische Funde beweisen, dass hier schon 750 v. Chr. Wein angebaut wurde. Als dann die Soldaten des römischen Imperiums vor 2.000 Jahren einen Platz für ihre Grenzfestung an der Donau suchten, fiel die Wahl auf das keltische Dörfchen Vindobona und seine gepflegten Weingärten. Dass die Cobenzl-Rieden Steinberg, Preussen und Seidenhaus als „Erste Lage“ klassifiziert wurden, freut Betriebsleiter Thomas Podsednik, wundert ihn aber nicht. „Bei uns wachsen Spitzengewächse.“

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Empfehlung von Anne J. Thysell

Der „Grüne Veltliner Tradition“ ist etwas ganz Besonderes für mich! Zum einen zählt er zu meinen absoluten Lieblingsweinen und zum anderen ist die Weinbereitung sehr außergewöhnlich. Die „Traditions“-Weine werden wie vor 200 Jahren vinifiziert: Wein muss wie wir Menschen eine Entwicklung durchleben, welche man als „Schulung“ bezeichnet. Kurz gesagt bedeutet dies, dass der Wein lange in großen Fässern ausgebaut wird und viel „Pflege“ erhält, wodurch er noch mehr an Komplexität gewinnt. Er begeistert mit einer vielschichtigen Nase nach gelben Tropenfrüchten, Grapefruit, Orangen und Wiesenkräutern. Am Gaumen präsentiert er sich saftig, elegant, mit langem, würzigem Finale. Geben Sie ihm vor dem Genuss ausreichend Luft, um sein volles Potenzial genießen zu können. Ein absoluter Kultwein, der solo oder zu gutem Käse und zu feinen Fischgerichten wie Hummer oder Seeteufel garantiert viel Trinkvergnügen bereitet.

Tipp: Decken Sie sich mit diesem fantastischen Grünen Veltliner ein – er besitzt großes Lagerpotenzial und wird mit den Jahren noch besser!

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Im Gespräch mit Michael Moosbrugger, Obmann der ÖTW

Bei einem „Traditionsweingut“ denkt man an ein Weingut mit langer Geschichte. Ist das ein Aufnahmekriterium?
MICHAEL MOOSBRUGGER: Es geht uns weniger um die langfristige Existenz eines Weingutes. Der Begriff der Tradition bezieht sich vielmehr auf Werte, an denen wir uns orientieren. Das wird tatsächlich oft missverstanden.

Viele der Mitglieder sind sehr renommiert. Wie exklusiv ist der Verein?
MICHAEL MOOSBRUGGER: Wir wollen keine „Elite“ darstellen, das war nie unser Ziel. Es wäre ohnehin schwierig, sich selbst als solche zu definieren. Was macht eine Elite aus? Uns geht’s im Wesentlichen um die Herkunft der Weine und die Herkunftsvermarktung.

Wird den Winzern die Mitgliedschaft angetragen, oder kann man sich bewerben?
MICHAEL MOOSBRUGGER: Beides ist möglich. Wir wollen den Kreis der Mitglieder kontinuierlich ausweiten, eine nationale Bewegung daraus machen. Ausgeschlossen wird niemand, solange er unsere Ideale teilt, die Herkunft in den Fokus rückt. Uns geht es nicht um Rebsortenvermarktung oder um Marken.

Ihr Logo ziert der Kompass als Symbol. Musste der Verein seit seiner Gründung den Kurs ändern?
MICHAEL MOOSBRUGGER: Das würde ich so nicht sagen. Als wir 1992 die Gründungsstatuten definiert haben und klar war, dass wir eine Lagenklassifikation durchführen, standen wir vor einem Problem: Es gab keine Literatur, die erklärt hätte, wie man so etwas macht. Die ersten 15 Jahre haben wir also damit verbracht, eine Systematik zu entwickeln, Grundlagenforschung zu betreiben. Und wir haben die Erkenntnis gewonnen, dass ein solches Projekt Jahrzehnte braucht, um realisiert zu werden.

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* Mag. Angelika Huber ist Journalistin und Fotografin in Salzburg

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