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DEUX MILLE QUINZE

Der Bordeaux-Jahrgang 2015

 

Die Erwartungen an den Jahrgang bis zur kürzlichen Auslieferung waren hoch – 2015 wurde seit den ersten Primeur-Verkostungen im Frühjahr 2016 schließlich in einem Atemzug mit Top-Jahrgängen wie 2009, 2005 oder 1995 genannt. Nach dem Öffnen der ersten Flaschen lässt sich nun sagen: Der 2015er kann sich auf seinen geernteten Vorschusslorbeeren gemütlich ausruhen.


Das Erntejahr 2015 war geprägt von einem ganz speziellen Witterungsverlauf. „Ein Jahr des Wetters“, nannte es Weinkritiker René Gabriel. Nach der Blütezeit konnten sich die Trauben einen heißen Sommer lang gleichmäßig entwickeln. Ein Bilderbuchherbst während der Lese ermöglichte in praktisch allen Weingärten optimal ausgereiftes Traubenmaterial und eine stressfreie Ernte desselben. Für einen exzellenten Bordeaux- Jahrgang war somit alles angerichtet.

Chateau_Teaser2_400x300.jpg Château Margaux zählt zu den traditionsreichsten Weingütern von Margaux.

Rechts oder links

In großen Jahrgängen gibt es zumeist an beiden Ufern Weine in Spitzenqualitäten. Sowohl am linken Ufer, vom Médoc über Margaux bis runter ins Graves, als auch am rechten Ufer, in Saint-Émilion, Fronsac oder Pomerol, feiern die Châteaux das, was da bis vor kurzem in ihren Barriques reifen durfte. Etwas mehr Regen im Norden, von Saint-Julien aufwärts, ließ die von Cabernet Sauvignon dominierten Weine etwas nobler, leichtfüßiger und graziler ausfallen. Am rechten Ufer hingegen bekommt man die volle Kraft, Frucht und Reife. Die außerordentlichen Qualitäten an beiden Ufern der Gironde scheuen tatsächlich keinen Vergleich mit Spitzen-Vintages wie der von 2005, mit dem der Jahrgang 2015 viele Parallelen aufweist. Die Appellationen Margaux im Médoc und Saint-Émilion stehen dabei in diesem Paradejahr im Mittelpunkt.

Die Jahrgangsbesten

Mit Château Figeac, Château Margaux, Château Canon sowie Château Pontet-Canet bietet die INTERSPAR weinwelt unter anderem die echten Musterschüler des Jahrgangs zum Verkauf. Robert Parkers „The Wine Advocate“ verlieh bei der ersten Verkostung dem Château Canon sogar Höchstwerte von 98 – 100 Punkten. Dem dank Michel Rolland erstarkten Figeac sowie dem Château Margaux schrieb man 97 – 99 Punkte zu. René Gabriel hielt sich mit Bestnoten ebenfalls nicht zurück. Der Bordeaux-Spezialist attestierte Margaux und Canon 19/20 Punkte und damit absolute Spitzenqualität. Bei Falstaff-Verkoster Peter Moser lagen Margaux (96 – 98 Punkte) und Pontet-Canet (95 – 97 Punkte) ganz weit vorne in dessen Gunst.

Bordeaux ist nicht nur rot

Auch die Süßweine profitierten von dem ganz speziellen Witterungsverlauf des Erntejahres. Die Botrytis konnte dank des warmen Herbstes und ausreichend Feuchtigkeit ihre Arbeit tun und die Grundlage für ausgezeichnete edelsüße Weine in den Gemeinden Sauternes und Barsac schaffen. Einen guten Einstieg in die Welt der edlen Süßweine bietet Château de Myrat – ein eleganter, saftiger und eher leichter Sauternes. Es lohnt sich, bei diesem Jahrgang genauer hinzusehen. In den Jahrgängen 2009 oder 2010 brauchte man das vielleicht nicht so sehr – da war einfach alles überdurchschnittlich. Beim Jahrgang 2015 liefern einzelne Weingüter vielleicht sogar noch bessere Weine als damals ab, andere Prestige-Châteaux blieben dafür etwas unter den Erwartungen. Neben den ganz großen Gewächsen können auch vergleichbar leistbare Rotweine wie jene vom Château d’Issan oder Santem mit kompetitiver Qualität glänzen. Ein homogener Jahrgang war 2015 damit auf keinen Fall, auf alle Fälle aber ein exzellenter.

Chateau_Teaser1_400x300.jpg Modern und authentisch: Das Château Palmer ist eines der renommiertesten Weingüter der Welt.

  Von Michael Hrobath (Weinexperte und freier Autor).