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Meister der Perlen

Die österreichischen Winzer sorgen für eine große Vielfalt am heimischen Sektmarkt. An der Erarbeitung der Qualitätspyramide des österreichischen Sekts waren sie maßgeblich beteiligt.

 

Im ersten Moment wirkt der Begriff „Winzersekt“ wie eine überflüssige Sinnverdopplung. Kommt der Sekt nicht immer von einem Winzer? Immerhin gibt es ohne Wein keinen Sekt. Tatsächlich mussten sich die österreichischen Winzer die Sektproduktion aber erst erkämpfen, denn für den Gesetzgeber sind Sekt und Wein in der Herstellung zwei verschiedene Paar Schuhe. Daher war die Veredelung von Weinen lange Zeit ausschließlich einigen wenigen Sektkellereien vorbehalten. In den 1970er-Jahren rebellierten dann vereinzelt Winzer, indem sie ihren Weinen quasi illegal Hefe für die traditionelle Flaschengärung beifügten, was schließlich dazu führte, dass der „Winzersekt“ gesetzlich legitimiert wurde. Heute führen viele Weingüter einen eigenen Sekt in ihrem Sortiment, dementsprechend groß ist mittlerweile die Vielfalt.

Elegante Österreicher

 

Immer mehr Weingüter legen Wert darauf, ihre Schaumweine im eigenen Haus zu produzieren – vor allem dann, wenn sie auf die traditionelle Flaschengärung setzen, wie etwa das Weingut Schloss Gobelsburg. Orientiert man sich dort bei den Stillweinen stilistisch am Burgund, so weist der Brut Reserve mit seinen feinen Briochenoten einen traditionellen Bezug zur Champagne auf. Und doch ist dieser Sekt, in dessen Grundwein der Riesling neben Pinot Noir und Grünem Veltliner für ein besonders fruchtiges Bouquet sorgt, ganz klar ein heimischer Vertreter. Den Spagat aus Frucht und Eleganz schafft auch das Weingut Erich & Walter Polz in der Südsteiermark ganz hervorragend. Dort rüttelt, degorgiert und dosiert man die Flaschen auf dem Gut Pössnitzberg. Das Ergebnis schmeckt freilich ganz anders als jenes aus Niederös terreich, was nicht zuletzt auf einen unterschiedlichen Rebsortenmix zurückzuführen ist (ausschließlich Chardonnay beim Weißen, Pinot Noir und Zweigelt beim Rosé).

Würzige Überraschung

 

Ein verblüffendes Ergebnis liefert zudem Stefan Potzinger mit seinem Brut 1860. Der Südsteirer lässt seinen Grundwein in der Nähe des Weinguts versekten, um bürokratische Hürden zu umgehen, was seinem Sekt aber keineswegs schadet. Im Gegenteil: Seinen Brut könnte man als idealtypischen österreichischen Sekt bezeichnen – fruchtig riecht er, und fruchtig schmeckt er. Das Perlenspiel ist angenehm fein, die Frucht ist nicht überbordend, er hinterlässt ein erfrischendes Mundgefühl. Und doch hat er einen ganz individuellen Charakter, punktet mit viel Würze und einer feinen Mineralik. Auch grüne Paprika vermeint man herauszuschmecken, was vielleicht auf den in der Südsteiermark weit verbreiteten Sauvignon Blanc als Teil der Grundcuvée tippen lässt. Doch weit gefehlt: Der Potzinger Brut 1860 ist ein reiner Chardonnay, dessen Trauben auf sehr kalkhaltigen Böden gewachsen sind. Einen gänzlich anderen Weg geht wiederum Karl Steininger. Für den Winzer aus Langenlois stellt ein Schaumwein die veredelte Variante eines fertigen Stillweins dar. Will heißen: Anders als in der Sektproduktion allgemein üblich, verwendet Steininger vergleichsweise reife Trauben für seine Grundcuvées. Das Ergebnis sind besonders breite, weinig-cremige Sekte. Aber nicht immer produzieren die Winzer ihre Schaumweine selbst: Der White Sparkling von Josef Dockner wird beispielsweise von einer Sektkellerei im Weinviertel versektet, als Grundwein dafür liefert das Weingut eine Cuvée aus Grünem Veltliner, Riesling und Muskateller. Das Ergebnis ist ein frisch-fruchtiger Schaumwein mit merklicher Extraktsüße, die von einer schönen Säurestruktur in Bann gehalten wird. Der günstige Preis erklärt sich nicht zuletzt aus den vergleichsweise niedrigen Herstellungskosten durch das Tankgärverfahren (auch „Charmat-Methode“ genannt).

Qualitätspyramide

 

Während man den Konsumenten in den vergangenen Jahrzehnten über den Stillwein gut informiert hat, habe man das beim Sekt vergessen, ist Steininger überzeugt. „Früher galt der Sekt als wertvoller als der Stillwein, dort sollten wir wieder hin.“ Steininger bildet einen gewichtigen Teil des Österreichischen Sektkomitees, jener Vernetzung von Sektproduzenten, die ein dreistufiges Qualitätskonzept entwickelte, das vor zwei Jahren als „Qualitätspyramide Österreichischer Sekt g.U.“ in den Gesetzesrang gehoben wurde. Die Abkürzung „g.U.“ steht für „geschützte Ursprungsbezeichnung“. Sekte in den Kategorien „Klassik“ und „Reserve“ sind seit dem vergangenen Herbst erhältlich, die oberste Qualitätsstufe „Große Reserve“ kommt am 22. Oktober, dem Tag des österreichischen Sekts, auf den Markt. Eine Große Reserve darf ausschließlich mittels traditioneller Flaschengärung hergestellt werden und muss zudem 30 Monate auf der Hefe gelegen sein. Der Konsument darf sich in dieser Kategorie auf besonders druckvolle, fein moussierende Sekte freuen. Steininger zeigt sich mit dem Ergebnis der Sektpyramide überaus zufrieden: „Da sind viele Ideen von mir drinnen.“ Dementsprechend wenig ändert sich für ihn bei der Produktion, die meisten seiner Sekte sind nun automatisch als Reserve klassifiziert, einige wenige, wie sein Riesling-Jahrgangssekt Heiligenstein, werden ab Herbst als Große Reserve etikettiert. Unabhängig davon kann die große Vielfalt der österreichischen Sekte als Indiz dafür gewertet werden, dass sich der Schaumwein mittlerweile einen festen Platz im alltäglichen Genussverhalten der Österreicher gesichert hat. Das Qualitätsbewusstsein der heimischen Winzer hatte daran sicherlich einen großen Anteil.

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Schaumwein- und Champagnerexperte Florian Sperl empfiehlt

 

Stefan Potzinger erzeugt seinen Sekt mittels der traditionellen Flaschengärmethode, die Trauben dafür werden allesamt in steirischen Spitzenlagen gelesen. Das prickelnde Ergebnis duftet intensiv nach Golden Delicious, Wiesenkräutern und weißen Blüten. Am Gaumen zeigt er ein feines, anhaltendes Mousseux, eine saftige Säure und gute Komplexität. Der Sekt klingt lange und mit einem feinen Birnentouch nach. Mein Tipp: Genießen Sie diesen steirischen Schaumwein als Aperitif oder zu feinen Fischvorspeisen, zu Sushi oder Räucherlachs.

Mag. Stephan Burianek ist freier Fachjournalist für Reise, Kultur- und Genussthemen.

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