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Prickelnde Leitkultur

Die norditalienischen Schaumweine können sich schmecken lassen, das weiß man in Österreich längst. Prosecco hat sich mittlerweile zum Synonym für schäumende Weine gemausert, der einzige Schaumwein aus unserem Lieblingsnachbarland ist er aber keinesfalls.

 

Kürzlich in einem Pausenraum der Wiener Staatsoper: Vor der dichtbedrängten Bar steht ein Herr und bestellt zwei Gläser Prosecco. Die Dame an der Schank verliert nicht viele Worte, nickt und greift zu einer Flasche österreichischem Sekt. Der Herr zahlt, greift nach seinen zwei prickelnden Getränken und bahnt sich den Weg zurück zu seiner wartenden Begleitung. Alle sind zufrieden. Was diese Szene verdeutlichen soll: Prosecco ist der neue Champagner, zumindest in Bezug auf den allgemeinen Wortgebrauch. Die Franzosen haben uns Europäer in den letzten Jahrzehnten recht erfolgreich darüber aufgeklärt, dass ihr Champagner nicht mit den restlichen Schaumweinen dieser Welt in einen Topf geworfen werden darf. Die Italiener scheinen in dieser Hinsicht weniger sensibel zu sein, und so hat sich der Begriff „Prosecco“ in den Köpfen vieler Konsumenten zu einem Synonym für schäumende Weine gemausert. Was den österreichischen Sektproduzenten freilich ein Dorn im Auge ist, aber das ist eine andere Geschichte.

Zuerst Rebsorte, dann Gebiet

Der Ruhm des Prosecco begann mit seiner Popularität in den beliebten Badeorten an der Adriaküste. Heute umfasst er zumeist hervorragende Schaumweine zu fairen Preisen. „Prosecco“ hieß ursprünglich lediglich die Rebsorte, die sowohl Stillweine lieferte als auch Schaumweine in der Form von Frizzante (weniger Druck auf den Korken) oder Spumante (mehr Druck). Das Verbreitungsgebiet der Rebsorte erstreckte sich von Vicenza bis Triest, wobei die malerische Hügellandschaft zwischen Valdobbiadene und Conegliano als Kerngebiet galt. Prosecco war eine konkurrenzlose Angelegenheit. Was aber, wenn Produzenten außerhalb der Region auf die Idee kämen, diese Rebsorte ebenfalls anzupflanzen, oder gar Winzer außerhalb Italiens? Erste Fälle gab es bereits. Man reagierte und benannte die Rebsorte einfach um: Seit Anfang 2010 trägt sie den Namen „Glera“, und nur wer diese Rebsorte innerhalb eines bestimmten Gebiets in den nordostitalienischen Regionen Venetien und Friaul – Julisch Venetien anbaut, der darf sein Produkt „Prosecco“ nennen. In dieser Hinsicht zeigen sich die Italiener übrigens ähnlich unnachgiebig wie die Franzosen.

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Wie der Champagner ist der Prosecco nun also eine Herkunftsbezeichnung und weist daher am Etikett stets den Zusatz „DOC“ oder „DOCG“ auf. Der im Vergleich zum Champagner deutlich günstigere Preis liegt nicht zuletzt im weniger kostenintensiven Herstellungsverfahren begründet: So gut wie immer gelangt die Charmat-Methode (italienisch auch „Metodo Martinotti“) zur Anwendung, bei der die zweite Gärung nicht in der Flasche erfolgt, sondern in drucksicheren Stahltanks. Und mehr noch als die Lage, auf die man in der Champagne aufgrund der raren Kreideböden zu Recht stolz ist, betont man im Prosecco-Gebiet die aromatische Frucht der Trauben – auch wenn es mit dem Cartizze nahe Valdobbiadene immerhin eine Lage gibt, die als besonders herausragend gilt. Ein Prosecco muss übrigens nicht zur Gänze reinsortig sein, es dürfen in geringem Ausmaß andere Rebsorten hinzugefügt werden. Und nach wie vor gibt es Prosecco zudem als Stillwein, den Prosecco Tranquillo, aber der schafft es selten über die Staatsgrenze, dafür muss man folglich nach Norditalien reisen. Was übrigens eine gute Idee ist, denn vor allem das hügelige Kernland zwischen Valdobbiadene und Conegliano ist traumhaft schön. Auch Kulturfreunde kommen auf ihre Kosten, immerhin ist die nahe venezianische Ebene reich an historischen Palästen, die weit weniger überlaufen sind als deren Mutterstadt Venedig, wie beispielsweise das Castello di Roncade bei Treviso oder, etwas weiter weg, die Villa Manin in Passariano.

Gut, besser, Franciacorta

Im italienischen Pendant zur Wiener Staatsoper, in der Mailänder Scala, bestellt übrigens niemand Prosecco. So beliebt Prosecco in Italien auch sein mag, noch stolzer ist man im wichtigsten Opernhaus des Landes auf Franciacorta. Das Franciacorta-Gebiet liegt nicht allzu weit von Mailand entfernt, zwischen dem Iseosee und der Stadt Brescia, in der Lombardei. Zur anerkannten Weinregion ist dessen hügelige Moränenlandschaft erst relativ spät aufgestiegen, allzu mächtig waren die Gewächse aus dem Piemont und der Toskana. Bis ein junger Önologe am historischen Gutshof von Guido Berlucchi im kleinen Borgonato eine zündende Idee hatte: „Wie wäre es, wenn wir hier Schaumweine nach französischem Vorbild machen würden?“ Das war Ende der 1950er-Jahre. Heute können Touristen den Geburtsort des Franciacorta gegen Voranmeldung besichtigen. Sie werden in jene Kellergewölbe aus dem 17. Jahrhundert geführt, wo im Jahr 1961 die ersten 3.000 Schaumweinflaschen unter der Bezeichnung „Pinot de Franciacorta“ hergestellt wurden. Und sie spazieren durch die Kellerzubauten, die wegen der großen Nachfrage irgendwann einmal notwendig wurden. Bei Guido Berlucchi lagern mehrere Millionen Flaschen.

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Andiamo!

Trotz des steilen Aufstiegs im eigenen Land hat sich die vom Ausland noch weitgehend unentdeckte Region bislang eine erfrischende Ursprünglichkeit bewahrt. Mit einer Weinfläche von derzeit 2.800 Hektar (in der Wachau sind es zum Vergleich 1.350 Hektar) ist das Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft. Die meisten Lagen sind, wie in der Champagne, mit Chardonnay und Pinot Noir bestockt. Weißburgunder fließt ebenfalls in den Franciacorta ein, wenn auch nur zu maximal fünfzig Prozent. Als „Franciacorta“ dürfen nur Schaumweine bezeichnet werden, die mittels traditioneller Flaschengärung hergestellt wurden. Mehr als hundert Franciacorta- Produzenten gibt es, und es werden stetig mehr. Zwischen den Verkostungsterminen bieten sich Besuche in historischen Klöstern an. Bereits im 10. Jahrhundert gründeten die Kluniazenser eine Art Duty-free-Zone, die der Region vermutlich ihren Namen gab („francia curta“ = „freier Hof“). Besonders sehenswert sind die reichen Fresken der Abtei San Nicola in Rodengo Saiano und des Klosters San Pietro in Lamosa. Der Klosterkomplex Santa Giulia in Brescia wird von der UNESCO zudem als Weltkulturerbe gelistet. Als Einstimmung auf eine Reise könnte der „Imperiale Brut“ vom Pionierweingut Berlucchi dienen, er ist der in Italien am häufigsten verkaufte Franciacorta. Wer aber bereits daheim erfahren möchte, wozu Franciacorta im besten Fall fähig ist, der sollte zu einer Jahrgangsflasche der Ca‘ del Bosco greifen, etwa zur Cuvée Prestige 2016. So reich das Bouquet nach reifen Äpfeln und Pfirsichen duftet, so elegant und harmonisch ist der Abgang. Wer diesen Franciacorta trinkt, der wird vielleicht verstehen, warum in der Franciacorta-Region das Wort „Spumante“ vermieden wird, sondern stattdessen stets von feinen, kleinen Bläschen – den „Bollicine“ gesprochen wird.

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Meine Empfehlung

Franciacorta ist eine noch recht junge Weinbauregion in der Lombardei. Auf mineralreichen Böden nahe dem Lago d’Iseo reifen die Trauben bei mildem Klima heran. Angebaut werden Chardonnay und Pinot Noir, der hier in der Region Pinot Nero genannt wird. Franciacorta wird wie Champagner im Flaschengärverfahren hergestellt. Mit Champagner scheut er auch keinen Vergleich, was Aroma, Perlage und Persönlichkeit betrifft. Mit einem Namen ist der Franciacorta seit jeher verknüpft: Guido Berlucchi. Dort wurde erstmals 1961 der Schaumwein gekeltert. Seither begeistert der feine Italiener mit seinen reichen Aromen nach Brioche, Nüssen und Blüten Genießer aus der ganzen Welt.

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