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Was sind Botanicals?

Kleine Zutaten, große Wirkung

 

Das englische Wort “Botanicals” bezeichnet auch im deutschen Sprachgebrauch pflanzliche Zutaten, die zur Aromatisierung von Getränken eingesetzt werden. Insbesondere bei Gin sind sie essentiell für Aromen und Charakter, aber auch andere Drinks wie Wermut wären ohne Botanicals nicht wiederzuerkennen. Worum genau es sich dabei handelt, wie sie hergestellt werden und mehr erfahren Sie hier!

Welche Botanicals gibt es?

Im Grunde kann jeder genießbare Teil einer Pflanze zu einem Botanical verarbeitet werden. Von Kräutern und Gewürzen über Samen, Früchte, Wurzeln, Blüten, Pilzen, Algen und Rinde können aus allem die natürlichen Aromen extrahiert und anschließend einer Spirituose hinzugefügt werden.

 

Zu den klassischen Botanicals gehören Koriandersamen, Zimt, Kardamom, Zitronen- oder Orangenschalen, Angelikawurzel, Ingwer, Lavendel und natürlich Wacholderbeeren. Sie sorgen für frische, würzige oder florale Noten und bilden die geschmackliche Grundlage vieler Spirituosen. Dabei ist der Einsatz von Botanicals keineswegs global einheitlich – vielmehr prägt die regionale Herkunft die Auswahl der Zutaten. So können Spirituosen aus verschiedenen Ländern sehr unterschiedliche Aromenprofile aufweisen. In japanischen Destillaten etwa trifft man häufig auf Sencha-Tee, Hibiskusblüten oder Ume, eine typisch japanische Marillenart. Diese regionalen Botanicals verleihen den Produkten ihren unverwechselbaren Charakter und machen sie zu spannenden Entdeckungen für Genießer:innen. Ob mediterrane Kräuter, asiatische Zitrusfrüchte oder alpine Wurzeln – die Welt der Botanicals ist so vielfältig wie ihre Geschmäcker selbst.

Gruppen von Botanicals im Überblick

 

  • Kategorie: Samen & Körner
    Beispiele: Koriander, Kardamom, Paradieskörner, Kümmel, Muskat, Kubebenpfeffer

  • Kategorie: Wurzeln & Rinden
    Beispiele: Angelika, Iris, Süßholz, Ingwer, Zimt, Sandelholz, Blutwurz, Cassia

  • Kategorie: Kräuter & Blätter
    Beispiele:
    Basilikum, Zitronenmelisse, Zitronenthymian, Lorbeer, Rosmarin

  • Kategorie: Früchte & Beeren
    Beispiele:
    Zitrone, Orange, Limette, Apfel, Gurke, rote Beeren, Bergamotte
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Wie werden Botanicals hergestellt?

Damit Botanicals ihren vollen Charakter entfalten, durchlaufen sie je nach Produktart und gewünschtem Aromaprofil unterschiedliche Verarbeitungsprozesse. Die gängigsten Methoden zur Aromagewinnung sind Mazeration, Digestion, Perkolation und Destillation – jede mit ihren spezifischen Vorzügen und Wirkungen:

  • Bei der Mazeration werden die zerkleinerten Botanicals in neutralem Alkohol eingelegt. In dieser ruhenden Phase – die je nach Rohstoff und gewünschtem Ergebnis Stunden bis Tage dauern kann – lösen sich Aroma- und Farbstoffe sanft aus dem Pflanzenmaterial. Oft werden einzelne Zutaten separat mazeriert, um die Kontrolle über die Aromabalance zu behalten. Eine zu lange Einweichzeit kann allerdings zu unerwünschten Bitter- oder Holznoten führen.

  • Die Digestion ist eine Variante der Mazeration, mit dem Unterschied, dass der Alkohol schonend erwärmt wird. Dadurch wird die Extraktion ätherischer Öle und flüchtiger Aromen beschleunigt, ohne sie zu zerstören – ideal für besonders feine Botanicals, deren Essenzen sich nur schwer lösen lassen, wie z.B. Angelikawurzel, Baldrianwurzel oder Kamillenblüte.

  • Bei der Perkolation durchströmt heißer Alkoholdampf in der Destille hängende Aromakörbe mit getrockneten oder frischen Botanicals und nimmt dabei deren Aromen sanft auf. Diese Technik ist äußerst schonend und bewahrt selbst zarte, leicht flüchtige Duftstoffe. Sie kommt besonders bei hochwertigen Spirituosen zum Einsatz, bei denen feine Nuancen im Vordergrund stehen sollen.

  • Die Destillation erfolgt meist nach einer Mazeration: Das mit Aromen angereicherte Alkohol-Wasser-Gemisch wird erhitzt, wobei sich die flüchtigen Stoffe abtrennen und im Destillat konzentrieren. Je nach Ausrüstung und Stilistik kommen klassische Pot-Still-Brennblasen, Kolonnen oder sogar Vakuumdestillation zum Einsatz. Letztere ermöglicht die Extraktion bei niedrigen Temperaturen und schont so empfindliche Inhaltsstoffe.


Nach der Aromatisierung wird das fertige Destillat mit Wasser auf Trinkstärke eingestellt, häufig sanft filtriert und schließlich abgefüllt. Je nach Produkt kann auch eine Ruhephase vor dem Abfüllen vorgesehen sein, damit sich die Aromen harmonisch verbinden. Entscheidend für die Qualität der Botanicals ist nicht nur die Methode, sondern auch der Rohstoff selbst: Nur pflanzliche Zutaten in Lebensmittelqualität – ob frisch, getrocknet oder gefroren – kommen bei hochwertigen Produkten zum Einsatz. Moderne Hersteller achten dabei außerdem zunehmend auf Herkunft, Nachhaltigkeit und Rückverfolgbarkeit ihrer Botanicals.

 

Übrigens: Viele Botanicals haben längst auch außerhalb der Spirituosenwelt ihren Platz gefunden – etwa in Teemischungen, Parfums, Kosmetika, Nahrungsergänzungsmitteln oder Kräuterextrakten. Ihre sorgfältige Verarbeitung bleibt dabei essentiell: Temperatur, Zeit und Technik entscheiden darüber, welche Bestandteile extrahiert werden, und wie sich der Charakter des Endprodukts entfaltet.

Welche Botanicals enthält Gin?

Was Gin so faszinierend macht, ist seine geschmackliche Vielfalt – und die entsteht durch die gezielte Auswahl und Kombination von Botanicals. Während Wacholderbeeren gesetzlich vorgeschrieben und damit unverzichtbar für jeden Gin sind, ergibt sich das restliche Aromaprofil aus einer Vielzahl an pflanzlichen Zutaten. Viele Hersteller setzen dabei auf traditionelle Klassiker, andere auf moderne, teils überraschende Aromen. Hier ein Überblick über häufig verwendete Botanicals im Gin:

  • Wacholderbeeren – Die unverwechselbare Basis jedes Gins: Harzig, waldig, mit einer leicht bitteren, trockenen Note.

  • Koriandersamen – Würzig und zitrusartig, oft die zweitwichtigste Zutat nach Wacholder.

  • Angelikawurzel – Erdiger, trockener Ton; stabilisiert das Aroma und sorgt für Tiefe.

  • Iriswurzel (Orriswurzel) – Fein blumig und leicht pudrig; wirkt als natürlicher Emulgator und verbindet die Aromen.

  • Süßholz (Lakritzwurzel) – Milde Süße, rundet den Geschmack ab und verleiht einen weichen Abgang.

  • Zitrusschalen – Von Zitrone, Orange, Limette oder Grapefruit; sorgen für Frische, Fruchtigkeit und spritzige Leichtigkeit.

  • Kardamom – Intensiv aromatisch, süßlich-scharf mit exotischer Note.

  • Lavendel – Blumig, elegant, oft in floralen Gins zu finden.

  • Pfefferarten – Schwarzer, weißer, Kubeben- oder Szechuan-Pfeffer bringen Schärfe, Würze und Spannung.

  • Fenchel – Leicht süßlich und anisartig, besonders in kräuterbetonten Gins.

  • Ingwer – Frisch, pikant und wärmend; ideal für würzige, komplexe Gins.

  • Kümmel – Würzig, erdig, mit dezent bitterer Note.

  • Muskat – Warm, nussig und leicht süßlich; selten, aber aromatisch wirkungsvoll.

  • Hopfen & Malz – Vor allem in Craft-Gins als Hommage an die Bierkultur: Getreidig, leicht herb.

  • Beeren & Früchte – Von roten Beeren über Apfel, Bergamotte und Mandeln bis hin zu Spreewaldgurken oder exotischen Zutaten wie Ume oder Yuzu – sie verleihen modernen Gins ihre kreative Signatur


Zu den exotischen Botanicals, die in Gin vorkommen können, gehören zum Beispiel Hibiskusblüte, Sternanis, Paradieskörner, Lotuswurzel, Sandelholz, Kamille oder Zitronenmelisse.


Je nach Stilrichtung entscheiden sich Hersteller individuell für eine Mischung aus klassischen und/oder ausgefallenen Botanicals. Während London Dry Gins zum Beispiel meist puristisch und wacholderbetont sind, setzen New Western Gins oft auf ausgefallene Aromen wie Gurke, Hibiskus, Rosmarin oder Tee.

Wie viele Botanicals sind in Gin?

Neben reduzierten und bewusst minimalistisch gehaltenen Gins mit nur drei bis fünf Zutaten gibt es auch sogenannte „Botanical-Bomben“ mit über 40 Komponenten – etwa der bekannte Monkey 47, der aus dem Schwarzwald stammt und genau 47 Botanicals vereint.

 

Allerdings gilt: Mehr ist nicht automatisch besser. Denn mit zunehmender Anzahl an Zutaten steigt auch die Herausforderung, ein harmonisches Gesamtbild zu schaffen. Erfahrene Brenner:innen wissen, dass ein gutes Aromadesign weniger von der Menge als von der Komposition, Dosierung und Verarbeitung der Botanicals abhängt. Ein weiterer Aspekt: Manche Botanicals sind in der fertigen Spirituose nur in sehr kleinen Mengen vertreten, etwa als dezenter Hintergrundton, während andere den Hauptcharakter prägen. Die Reihenfolge der Zugabe, die Mazerationszeit und die Temperatur beim Brennvorgang haben dabei maßgeblichen Einfluss auf das finale Profil.

Welche Botanicals enthält Wermut?

Wermut oder “Vermouth” ist ein aromatisierter Wein, der mit Alkohol aufgespritet und mit einer Vielzahl an Botanicals verfeinert wird. Diese Pflanzenextrakte verleihen ihm sein typisches bitter-herbes, zugleich würzig-komplexes Aroma. Die wichtigste Zutat ist das Wermutkraut (Artemisia), das nicht nur namensgebend ist, sondern auch für die charakteristische Bitternote sorgt. Dabei kommen je nach Rezeptur oft mehr als 30 verschiedene Botanicals zum Einsatz – ein wahres Aromenspektrum, das von Hersteller zu Hersteller variiert und den Stil maßgeblich beeinflusst. Typische Bestandteile sind:

  • Wermutkraut (Artemisia absinthium, pontica oder maritima) – Liefert die unverwechselbare Bitternote und ist gesetzlich vorgeschrieben.

  • Zitrusfrüchte – Etwa Zitronenschale, Bitterorange oder Bergamotte für Frische und Lebendigkeit.

  • Kräuter – Z. B. Salbei, Wacholder, Lavendel oder Rosmarin, die je nach Menge beruhigend, balsamisch oder würzig wirken.

  • Gewürze – Kardamom, Zimt, Nelken oder Sternanis bringen Wärme und Tiefe ins Aromabild.

  • Wurzeln – Etwa Enzianwurzel (bitter), Angelikawurzel (erdig) oder Iriswurzel (aromatisch verbindend).

  • Rinden – Z. B. Chinarinde (enthält natürliches Chinin) oder Sandelholz (harzig-warm).

  • Früchte – Manchmal ergänzen Beeren oder getrocknete Fruchtstücke das Aromenspiel.

 

Ob als Aperitif pur, auf Eis oder als Bestandteil klassischer Cocktails wie Negroni oder Manhattan – Wermut verdankt seinen unverwechselbaren Charakter dem Zusammenspiel fein abgestimmter Botanicals, das ihn von anderen weinhaltigen Spirituosen klar abhebt. Regionale Unterschiede, Produktionsmethoden und das handwerkliche Geschick der Hersteller machen ihn zu einer der facettenreichsten Zutaten in der Barwelt.

Aromatisierte Spirituosen & Weine in der INTERSPAR weinwelt

Die Welt der Botanicals ist bunt und geschmackvoll – genau wie die Auswahl an aromatisierten Spirituosen und Weinen, die mit ihrer Hilfe entstehen. Im Sortiment der INTERSPAR weinwelt erwarten Sie neben Gin und Wermut aus aller Welt auch geschmackvolle Kräuterbitter & -liköre, Anisbrände wie Ouzo und Raki, Aquavit, Spiced Rum, süße Fruchtliköre und mehr. Den Wissensdurst während der Verkostung stillt unsere ausführliche Wein- & Spirituosenkunde – hier erfahren Sie zum Beispiel alles über Cocktail Bitters, die Kunst der Mixologie, welches Eis in welchen Drink gehört und vieles mehr. Weil ein guter Tropfen mit dem richtigen Hintergrundwissen gleich noch ein kleines bisschen besser schmeckt.

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