Griechenland

Griechische Weine: Vielfalt von Thessaloniki bis Kreta

 

Eines muss man Udo Jürgens lassen: Er hatte schon recht, als er in seinem Hit von 1974 den griechischen Wein als das “Blut der Erde” besang. Denn es gibt wohl kaum eine andere Gegend im Mittelmeerraum, die in puncto Weinbau so viel zu bieten hat. Von gebirgigen Höhen auf dem Festland bis zu den mediterranen Inseln im Süden überzeugt das Land mit einer breiten Palette an Böden, Witterungsbedingungen und Rebsorten, die Jahr für Jahr für exzellente Tropfen sorgen – und Griechenland absolut zurecht zu seinem Status als kleinen Geheimtipp unter Weinkenner:innen verholfen haben.

 

Weinbau in Griechenland in Zahlen:

  • Gesamte Rebfläche: ca. 92.000 Hektar
  • Weinproduktion/Jahr: ca. 1,4 Mio. hl/Jahr
  • Weinexport: ca. 20 Mio hl/Jahr
  • Pro-Kopf-Verbrauch: ca. ca. 15 l/Jahr

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Der Weinbau in Griechenland blickt auf eine lange, aber auch sehr bewegte Geschichte zurück. Zwar waren die alten Griechen eines der ersten Völker, das professionellen Weinbau betrieb, doch Kriege, Reblaus-Plagen, politische und wirtschaftliche Krisen machten der Branche in der jüngeren Vergangenheit gehörig zu schaffen. So sehr, dass sich Griechenland vom einstigen Vorreiter immer weiter zum Underdog entwickelte.

 

Erst, als 1974 die griechische Militärdiktatur endete, erlebte die Branche einen Aufschwung. Das Land wurde wieder zu einer Demokratie, die Menschen hatten mehr Freiheiten – und nutzten diese unter anderem, um dem Weinbau neues Leben einzuhauchen. Es entstand eine junge, aufstrebende Winzer:innen-Generation, die verstaubte Methoden aus Weingärten und Kellern verbannte, Neues ausprobierte und dem Weinbau in Griechenland zu neuem Glanz verhalf. Ein Aufwand, der sich mehr als gelohnt hat: Heute bietet der griechische Weinbau von frischen Weißweinen über fruchtige Rosés bis zu kräftigen Rotweinen jede Menge genussvolle Vielfalt, die sowohl alleine als auch als Speisenbegleitung für wunderbare Abwechslung am Gaumen sorgt.

Weinregionen in Griechenland: Qualität von Nord bis Süd

Griechenland zählt 9 offizielle Weinregionen, welche sich – ähnlich wie in Spanien – in rund 25 Subregionen, die sogenannten OPAPs, teilen. Geographisch sind sie quer über das Festland und die Inseln verstreut, der Großteil liegt direkt oder zumindest in der Nähe der Mittelmeerküste. Aber auch im gebirgigen Landesinneren sind einige spannende Regionen zu finden:

 

Makedonien und Thrakien

Die beiden großen Weinregionen im Norden sind vor allem für ihre Rotweine aus der Rebsorte Xinomavro bekannt. In Naoussa, der ersten Stadt, die den Status eines OPAP-Gebietes erlangte, entstehen reinsortige Rotweine aus dieser Traube, die dort traditionell in alten Fässern reifen dürfen. Das Anbaugebiet Amyndeo entwickelt sich gerade in eine der vielversprechendsten Weinregionen des Landes. Dank modernen Weingütern wird die Region wohl zum neuen Olymp des griechischen Weinbaus.


Griechische Wein-Inseln

Griechenland verwaltet über 3000 Inseln im Mittelmeer und auf hunderten davon wird Wein angebaut. Auf einigen dieser Inseln findet man auch die ältesten Rebstöcke des Landes, die von der Reblaus verschont blieben. Santorin ist bekannt für Ihre feinen, mineralischen Weißweine aus der Assyrtiko-Traube. Von den Kykladen kommt der Paros, ein wuchtiger, tanninbetonter Rotwein. Auch die Insel Rhodos kann auf eine lange Weinbautradition zurückblicken. Hier werden Weiß-, Rot- sowie Likörweine aus vielfältigen einheimischen Rebsorten produziert. Einer der berühmtesten Weine Griechenlands entsteht auf den Ägäischen Inseln: Der Muskateller von Samos, der in verschiedenen Stilistiken auf den Markt kommt. Er zeichnet sich durch sein unverwechselbares Bouquet nach Orangen und Gewürzen aus.

 

Peloponnes

Die südliche Halbinsel beherbergt die meisten Qualitätsweine Griechenlands und ist landschaftlich geradezu prädestiniert für den Weinbau. Fast jede vierte Flasche stammt aus dieser Region! Peloponnes hat sich in jüngster Vergangenheit einen hervorragenden Ruf erarbeitet und kann mit einigen der besten Tropfen Griechenlands aufwarten. Die Winzer:innen zeigen auf, wohin es mit dem griechischen Weinbau auch in Zukunft noch gehen kann. Die bekanntesten Weine der Region sind Rotweine aus der Rebsorte Agiorgitiko mit der Herkunftsbezeichung Nemea sowie die Weine aus Patras.

 

Epirus

Epirus liegt im Nordwesten des Landes, an der Grenze zu Albanien. Die Region ist äußerst gebirgig mit kalten Wintern, viel Niederschlag und wenig fruchtbaren Böden, was die heimischen Winzer:innen anfangs vor beachtliche Herausforderungen stellte. Doch irgendwann arrangierte man sich mit den schwierigen Bedingungen und setzt seither hauptsächlich auf robuste Trauben, die damit bestens zurechtkommen. Das Ergebnis: Fruchtig-würzige Rotweine und prickelnde Schaumweine, welche von Epirus aus in die ganze Welt exportiert werden.

 

Thessalien

Die Weinregion Thessalien befindet sich wortwörtlich mitten in Griechenland, zwischen der Mittelmeerküste im Westen und dem Olympiagebirge im Osten. Die Sommer sind heiß und trocken, die Winter kalt und niederschlagsreich. Charakteristisch sind auch hohe Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, die für eine breite Aromenvielfalt sorgen – von vielschichtigen Rotweinen mit feinen Tanninen bis zu blumigen Weißweinen ist für jeden Geschmack etwas dabei.

 

Zentralgriechenland

Zentralgriechenland ist eine der wichtigsten Weinbauregionen des Landes, rund ein Drittel aller Weine wird hier angebaut. Das Klima ist ganzjährig warm und trocken, was einerseits für gute Anbaubedingungen, andererseits aber für weniger Abwechslung als in anderen Regionen sorgt. Deswegen spezialisierte sich die Region lange auf Landweine, in der jüngeren Vergangenheit gab es aber auch immer wieder hochwertige Rot- und Weißweine aus Zentralgriechenland zu verkosten.

 

Kreta

Kreta ist nicht nur die größte der griechischen Inseln, sondern auch eines der bedeutendsten Weinbaugebiete. Der Großteil der Weingärten befindet sich im Osten der Insel, wo die Reben von zahlreichen Sonnenstunden und erfrischenden Meeresbrisen profitieren. Lange Zeit wurde auf Kreta nur einfache Massenware hergestellt, erst seit der Renaissance des griechischen Weinbaus am Ende des 20. Jahrhunderts setzen Winzer:innen auch auf raffiniertere Tropfen und verwenden dafür einen Mix aus landestypischen und internationalen Rebsorten. Das Ergebnis: eine breite Auswahl von leichten Weißweinen über erfrischende Rosés bis zu kräftigen Rotweinen.

Welche Rebsorten gibt es in Griechenland?

Was Rebsorten betrifft, ist Griechenland ein echter Rekordhalter: Das Land zählt über 300 landestypische Rebsorten, die teilweise schon in der Antike kultiviert wurden und nach wie vor feste Größen im heimischen Weinbau sind. Hier einige der bekanntesten im Überblick:

 

Rote Rebsorten

  • Agiorgitiko: Fruchtig-mild mit sanften Tanninen, sorgt oft für samtige, weiche Weine.

  • Limniona: Elegante Sorte mit feiner Säure, im Ausbau oft fruchtig.

  • Mavrodaphne: Dunkle, süße Rebsorte, die besonders gern für Likörweine verwendet wird.

  • Liatiko: Eine alte Rebe aus Kreta, die besonders würzige Weine hervorbringt.

  • Xinomavro: Eine anspruchsvolle, tanninreiche Sorte, die viel Zeit zum Reifen benötigt. Typisch für Nordgriechenland.

  • Agiannidis: Weich und fruchtig, ideal für unkomplizierte Rotweine.

  • Limnio: Historische Sorte aus der Antike, wird bis heute für kräftige und würzige Weine verwendet.

  • Fokiano: Intensive, süßliche Trauben, typischerweise die Basis für Dessertweine.

  • Avgoustiatis: Dunkle, früh reifende Trauben, die besonders häufig auf den Ionischen Inseln angebaut werden.

  • Kotsifali: Die bekannteste Sorte Kretas, wird oft für Cuvées mit internationalen Sorten verwendet.

 

Weiße Rebsorten

  • Assyrtiko: Das Aushängeschild der Insel Santorin, im Geschmack frisch, mineralisch und zitronig.

  • Malagousia: Eine sehr alte Rebsorte, die in den letzten Jahren eine kleine Renaissance erlebte. Ergibt blumige, aromatische Weine.

  • Moschofilero: Duftige Rebe mit Muskatnoten und lebhafter Säure, die leichte und frische Weine hervorbringt.

  • Robola: Typisch für die Insel Kefalonia, wächst gut auf kargen Böden und ergibt feine, zitronige Weißweine.

  • Aidani: Ebenfalls auf Santorin zuhause. Geschmacklich blumig und fruchtig, wird für mehr Tiefe oft mit Assyrtiko-Trauben verschnitten.

  • Goustolidi: Eine seltene Sorte, die besonders auf den Ionischen Inseln angebaut wird. Überzeugt mit fruchtigen Aromen und leichten Kräuternoten.

  • Sideritis: Spät reifende Sorte mit roséfarbenem Fruchtfleisch , die bevorzugt auf dem Festland wächst und mit fruchtigem, frischem Geschmack bestechen.

  • Viliana: Früh reifende Trauben, die typisch für Kreta sind. Oft die Basis für leichte, fruchtbetonte Weine.

  • Roditis: Vielseitig und erfrischend, Grundlage vieler griechischer Alltagsweine.

  • Vidiano: Eine edle Sorte aus Kreta, die besonders im Qualitätsweinbau zunehmend an Bedeutung gewinnt. Intensiv im Geschmack und eine gern genutzte Basis für trockene Weine mit mineralischen Noten.

Schon gewusst? Griechische Weinbäuer:innen können zwar aus einer schwer zu überbietenden Auswahl an heimischen Rebsorten wählen, beschränken sich aber nicht nur darauf. Für mehr Geschmacksvielfalt und spannende Kontraste werden landestypische Sorten daher gerne mit internationalen Klassikern gekreuzt, die sich im Land der Helenen ebenfalls wohlfühlen. Zu den beliebtesten zählen Cabernet Sauvignon, Merlot, Chardonnay oder Sauvignon Blanc.

Qualitätsstufen griechischer Weine im Überblick

Weine werden in Griechenland zwar schon seit vielen Tausenden von Jahren hergestellt, zentrale Regelungen für ihre Qualität folgten aber erst 1934, als das erste nationale Weingesetz beschlossen wurde. Dieses wurde in den 70er-Jahren überarbeitet und lieferte die Grundlage für das heute gültige Stufensystem, das mit den Richtlinien in Frankreich und Italien vergleichbar ist:

Wein (Oinos, früher Epitrapezios Oinos)

Die Sammelbezeichnung für griechischen Tafelwein ohne nähere Herkunftsbezeichnung. Meistens handelt es sich dabei um Verschnitte aus unterschiedlichen Sorten. Man sollte die Kategorie aber nicht unterschätzen, denn sie bringt immer wieder ausgezeichnete Tropfen hervor, die aus diversen Gründen nicht für höhere Qualitätsstufen zugelassen sind – etwa, weil sie internationale Rebsorten enthalten.

Landwein (PGE, Topikos Oinos)

Weine aus einem abgegrenzten geografischen Gebiet, dies kann eine Region, ein Bezirk oder auch eine Gemeinde sein. Es sind ausschließlich bestimmte Rebsorten zugelassen und es gibt klare Regelungen zu erlaubten Produktionsmethoden.

Qualitätswein (POP - Prostatevomenis Onomasías Proelefsis)

Die höchste Qualitätsstufe für griechischen Wein. Vertreter dieser Kategorie stammen aus genau definierten Anbaugebieten, müssen aus bestimmten Rebsorten hergestellt werden und strengen Produktionsvorschriften folgen, etwa hinsichtlich Ausbau, Ertragsmenge und Alkoholgehalt. Die Kategorie POP gibt es erst seit dem Inkrafttreten des EU-Weingesetzes von 2009. Sie ist die Nachfolgerin der beiden bis dahin gültigen Bezeichnungen für Qualitätswein, welche aber weiterhin verwendet werden dürfen und durchaus gängig sind:

  • OPAP (Onomasía Proelefséos Anotéras Piótitos): Trockene Qualitätsweine aus einer der rund 25 OPAP-Regionen, also einer offiziellen Subregion der 9 nationalen Weinbaugebiete. Es gelten klare Bestimmungen zu Rebsorten, Ausbaumethoden und Co. Sind diese erfüllt, wird der Wein mit einer roten Banderole am Korken gekennzeichnet.

OPE (Onomasía Proelefséos Eleghoméni): Eine separate Bezeichnung für Süßweine, die denselben Kriterien wie OPAP folgt. Einzige Ausnahme: Zusätzliche Bestimmungen zum Zuckergehalt. Weine dieser Kategorie werden mit einer grünen Banderole gekennzeichnet.

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