Deutschland

Wein aus Deutschland: Europas Musterschüler

 

Sei es für ein Gläschen zwischendurch oder die kulinarische Begleitung zum Galadinner – wer ein Fan von feinen Weinen ist, sollte einen Blick nach Deutschland werfen. Das Land gilt wie kaum ein anderes als eine der Top-Adressen für Weinbau in Europa. Und das aus gutem Grund: Einerseits blickt Deutschland auf eine lange Weinbautradition zurück (schon die Kelten sollen hier Reben angepflanzt haben), andererseits steht die Nation für eine einzigartige Vielfalt an Böden, Witterungs- und Anbaubedingungen, die auf dem übrigen Kontinent ihresgleichen sucht – und Jahr für Jahr exzellente Tropfen hervorbringt.

 

Weinbau in Deutschland in Zahlen:

  • Gesamte Rebfläche: ca. 103.000 Hektar
  • Weinproduktion/Jahr: ca. 7,75 Mio. hl/Jahr
  • Weinexport: ca. 1,1 Millionen hl/Jahr
  • Pro-Kopf-Verbrauch: ca. 24,5 l/Jahr

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Zwar steht der deutsche Weinbau heute für absolute Spitzenprodukte, doch das war nicht immer so. Denn die Branche hat in den letzten Jahrzehnten einen echten Imagewandel hingelegt: Lange Zeit waren unsere Nachbarn nämlich hauptsächlich für billigen “Fusel” bekannt, der eher für Kopfschmerzen als Genussmomente sorgte. Erst, als in den 1990er-Jahren eine junge, kreative Winzer:innengeneration das Ruder in den Weingärten und Kellern übernahm, setzte eine Trendwende ein – die Sorten wurden vielfältiger, die Techniken professioneller und die Qualität der Weine merklich besser. Heute genießt der deutsche Weinbau einen hervorragenden Ruf und ist bekannt für vielfältige, aromatische Bouteillen, die von Weinkenner:innen aus aller Welt genossen werden.

Weinregionen in Deutschland: Qualität von Ahr bis Württemberg

Deutschland zählt 13 offizielle Weinregionen, in denen auch der Großteil des heimischen Weines angebaut wird. Diese sind hauptsächlich im Südwesten des Landes angesiedelt, wo der Rhein und seine Nebenflüsse für nährstoffreiche Böden und gute Witterungsbedingungen sorgen. Hier und da finden sich aber auch etwas weiter östlich einige Regionen, die spannende Tropfen hervorbringen:

 

Pfalz

Die berühmtesten “Pfalzweine” aus dem Südwesten Deutschlands stammen aus den entlang der deutschen Weinstraße gelegenen Orten Wachenheim, Forst, Deidesheim und Ruppertsberg. Die wichtigste Weißweinsorten sind Riesling und Müller Thurgau. Zu empfehlen sind die regionstypischen Rieslinge von Dönhoff oder Kartäuserhof. Bei den Rotweinsorten dominieren Dornfelder, Portugieser und Spätburgunder.

 

Mosel

Auf den extrem steilen und spektakulären Hängen des Schiefergebirges entlang des Flusslaufs der Mosel wachsen hier die renommiertesten deutschen Weine. Die filigranen, mineralischen und unglaublich ausdrucksstarken Rieslinge zählen zu den besten der Welt. Probieren Sie unbedingt die großen Rieslinge von Dr. Loosen, Fritz Haag oder Heymann Löwenstein.

 

Rheingau

Im Rheingau spielt der Riesling die Hauptrolle und bedeckt hier etwa 80% der Rebflächen. In dem im Norden durch den Taunus geschützten Gebiet herrschen ideale Bedingungen für die Traubenreife. Die besten Erzeugnisse der Region stammen von den Hanglagen an den Ufern des Rheins rund um die Weinbauorte Rüdesheim, Geisenheim, Oestrich-Winkel und Eltville.

 

Rheinhessen

In Rheinhessen dominiert die Rebsorte Müller-Thurgau vor Dornfelder, Riesling und Silvaner. Aber auch hier hat es wie allerorts in Deutschland vorwiegend die junge Winzer:innengeneration geschafft, das Image zu verbessern. Ein Beispiel dafür ist die Familie Flick, die mit hervorragenden Rieslingen Rheinhessen wieder auf die Qualitätswein-Landkarte setzte.

 

Baden

Baden ist die Rotwein-Hochburg Deutschlands. Mehr als drei Viertel der Gesamtfläche ist mit roten Rebsorten bestockt ist. Die meist angebaute Sorte ist der Pinot Noir. Insbesondere am Kaiserstuhl, der wärmsten Region Deutschlands entstehen sehr gute Qualitäten.

 

Ahr

Die Ahr ist eines der kleinsten, aber ältesten Weinbaugebiete Deutschlands, bereits die Römer nutzten die Steilhänge entlang des gleichnamigen Flusses zum Weinbau. Das gebirgige Terrain macht die Arbeit im Weingarten nicht einfach, weswegen viele Schritte noch heute per Hand erledigt werden müssen. Ein Aufwand, den man schmeckt – die Gegend ist besonders für ihre exzellenten Rotweine bekannt.

 

Franken

Nahe der Städte Bamberg und Aschaffenburg, entlang des malerischen Mainufers, erstreckt sich das Weinbaugebiet Franken. Hier werden vor allem kräftige Weißweine angebaut, die von zahlreichen Sonnenstunden und fruchtbaren Lehm-, Löss- und Muschelkalkböden profitieren. Fast genauso bekannt wie die Weine aus Franken sind übrigens auch die besonderen Weinflaschen – die flache, kreisrunde Flasche, auch bekannt als “Bocksbeutel” ist eines der Markenzeichen der Region.

 

Hessische Bergstraße

Man könnte die Hessische Bergstraße fast als Newcomer unter den Weinregionen bezeichnen, denn sie ist nämlich erst seit den 1970er-Jahren Teil der 13 offiziellen Weinbaugebiete. In den sanften Hügeln südlich von Frankfurt am Main werden hauptsächlich elegante Weißweine angebaut, die durch das besonders milde Klima und die geschützte Lage inmitten von Bäumen und Hängen prächtig gedeihen.

 

Mittelrhein

Mitten in Nordrhein-Westfalen, unweit von Bonn, beginnt mit der Region Mittelrhein eines der spektakulärsten Weinbaugebiete Europas. Hier wachsen die Reben an steilen Schieferterrassen, teils in extremen Schieflagen, direkt am Rhein. Die Nähe zum Fluss sorgt für ein ausgeglichenes Klima, was den hier angebauten Weißweinen ihre charakteristische Frische und Leichtigkeit verleiht. Aber auch die eine oder andere Rotweinsorte fühlt sich hier wohl.

 

Nahe

Die Weinbauregion Nahe ist eine verhältnismäßig kleine Gegend, die zwischen den bekannten Regionen Rheingau und Mosel liegt. Charakteristisch sind die vielfältigen Böden – von kargem Schiefer bis zu fruchtbarem Lehm und Löss ist nahezu alles dabei. Entsprechend breit ist auch die Palette der hier angebauten Weiß- und Rotweine, die je nach Herkunft und Boden mineralisch-spritzig bis kräftig-würzig ausfallen.

 

Saale-Unstrut

Die Region Saale-Unstrut in Sachsen-Anhalt blickt auf über 1.000 Jahre Weinbaugeschichte zurück, schon seit dem Mittelalter wird hier Wein angebaut. Benannt ist sie nach den beiden Flüssen, zwischen denen die zahlreichen Weinberge mit ihren charakteristischen Kalksteinterrassen verlaufen. Saale-Unstrut ist die nördlichste der deutschen Weinbauregionen und dadurch klimatisch etwas kühler, was für fruchtige, spritzige Weißweine und besonders aromatische Rotweine sorgt.

 

Sachsen

Wein aus Sachsen ist eine kleine Rarität, denn mit nur rund 500 Hektar Anbaufläche haben Winzer:innen verhältnismäßig wenig Platz, um ihn anzubauen. Umso mehr Wert wird auf Qualität gelegt – von den steilen Hängen entlang der Elbe kommen immer wieder absolute Spitzenjahrgänge. In erster Linie werden Weißweinsorten angebaut, die mit dem trockenen Herbst und milden Wintern in Sachsen optimale Bedingungen vorfinden. Aber auch Rotweine aus Sachsen können sich sehen lassen und überzeugen am Gaumen oft mit fruchtig-würzigen Noten nach Beeren, Zitrus oder Leder.

 

Württemberg

Wer gerne mal ein Gläschen exzellenten Rotwein genießt, sollte einen Abstecher nach Süddeutschland machen. Denn hier liegt, eingebettet zwischen Franken und Baden, das Zentrum der deutschen Rotweinproduktion. Zwar werden in Württemberg auch Weißweine angebaut, rund 70 % der Rebflächen sind allerdings mit roten Sorten bepflanzt. Diese finden hier optimale Bedingungen vor – die Sommer sind heiß, die Böden nährstoffreich und die zahlreichen Flüsse in der Region sorgen für ausreichend Feuchtigkeit. Das Ergebnis: Fruchtige Rotweine, die am Gaumen mit besonders lieblichen bis floralen Noten überzeugen.

Welche Rebsorten gibt es in Deutschland?

Deutschland zählt über 140 zugelassene Rebsorten, der Schwerpunkt liegt dabei auf Weißwein – und einem großen Star: dem Riesling. Diese vielschichtige Rebsorte hat ihren Ursprung im Rheingau und von dort das ganze Land erobert. Durch das gemäßigte und ausreichend niederschlagsreiche Klima in Deutschland bieten sich dem facettenreichen Klassiker beste Voraussetzungen, um vielfältige Stile und Aromen zu entwickeln. Es ist daher nicht überraschend, wenn eine Flasche Riesling mit fein-mineralischen Aromen überzeugt, die nächste wiederum mit fruchtig-spritzigen Noten begeistert.

 

Neben dem Riesling hat der deutsche Weinbau aber noch zahlreiche andere Sorten zu bieten, die wichtigsten gibt’s hier im Überblick:

 

Rote Rebsorten

  • Spätburgunder
  • Dornfelder
  • Blauer Portugieser
  • Trollinger
  • Pinot Meunier

 

Weiße Rebsorten

  • Riesling
  • Müller-Thurgau
  • Silvaner
  • Grauburgunder
  • Weißer Burgunder

Qualitätsstufen deutscher Weine im Überblick

Qualität und Herkunftsmerkmale für Weine sind im deutschen Weingesetz geregelt. Dieses unterscheidet – ähnlich wie in Österreich, Frankreich und Italien – vier Qualitätsstufen, die aufeinander aufbauen:

Deutscher Wein

Deutscher Wein (früher auch als Tafelwein bekannt) muss in Deutschland und ausschließlich aus dort zugelassenen Rebsorten hergestellt werden. Konkretere Bestimmungen zu Anbaugebieten, Verarbeitung und Co. gibt es nicht.

Landwein

Unter Landwein versteht man Weine, die aus einer von 26 deklarierten und geografisch geschützten Landweinregionen stammen. Diese liegen größtenteils, aber nicht zwingend, innerhalb der 13 offiziellen Weinregionen. Damit ein Landwein den Namen einer Region tragen darf, müssen mindestens 85 % der verwendeten Trauben aus der jeweiligen Gegend stammen. Geschmacklich sind die meisten Landweine trocken bis halbtrocken, aber auch liebliche Sorten kommen vor. Häufig ist ihr Alkoholgehalt auch etwas höher als bei Tafelweinen.

Qualitätswein

Deutsche Qualitätsweine müssen zu 100 % aus einem der 13 offiziellen Anbaugebiete stammen und aus dort zugelassenen Rebsorten hergestellt werden. Zudem gibt es klare Bestimmungen zu Anbau, Lese und Ausbau. Passende Kandidaten für diese Stufe werden einer umfassenden Prüfung unterzogen, bei der Merkmale wie Farbe, Geruch und Geschmack von einer Fachjury bewertet werden. Nach Bestehen dieser Prüfung erhält der Wein eine amtliche Prüfnummer und darf offiziell als Qualitätswein bezeichnet werden.

Prädikatswein (früher Qualitätswein mit Prädikat)

Prädikatsweine erfüllen grundsätzlich alle Kriterien für Qualitätswein, zusätzlich gibt es aber noch einige strengere Bestimmungen – etwa ist das Anreichern des Weins mit Zucker, um den Alkoholgehalt zu erhöhen, streng verboten. Weine, die diese Regelungen erfüllen,  werden je nach Reifegrad und Erzeugung mit einem von sechs Prädikaten ausgezeichnet, die auf dem Etikett ausgewiesen werden dürfen:

  • Kabinett: Leichte Weine aus reifen Trauben mit geringem Alkoholgehalt.
  • Spätlese: Gehaltvolle Weine aus vollreifen Trauben, die etwas später gelesen werden, meistens rund eine Woche nach der eigentlichen Lese.
  • Auslese: Weine, die ausschließlich aus vollreifen Trauben hergestellt werden – unreife oder kranke Exemplare werden per Hand aussortiert.
  • Beerenauslese: Süße, füllige Weine aus überreifem, edelfaulem Traubenmaterial – also Trauben, die mit einem gutartigen Schimmelpilz befallen sind, welcher die Süße noch weiter erhöht.
  • Eiswein: Wein aus überreifen Trauben, die bei Temperaturen von unter -7°C geerntet werden. Bei der Lese müssen die Trauben vollständig gefroren und dürfen nicht von Edelschimmel befallen sein.

Trockenbeerenauslese: Sehr süße, hochkonzentrierte Weine aus edelfaulen Trauben, die extrem spät gelesen werden, meistens im Spätherbst. Zu diesem Zeitpunkt sind sie bereits stark eingetrocknet und erinnern mehr an Rosinen als an Trauben – daher der Name.

Süßer Genuss: Raritäten aus Deutschland

Übrigens: Neben den offiziellen Qualitätsstufen gibt es für die Crème de la Crème unter den deutschen Weinen noch eine weitere Auszeichnung: die VDP-Klassifikation. Diese kennzeichnet Tropfen aus besonders edlen Lagen und wird vom Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter ausgegeben, welchem rund 200 Top-Weingüter angehören. Die Klassifizierung ist nicht verpflichtend – für Weinfans aber ein hilfreicher Hinweis, der besonders feine Bouteillen auszeichnet.

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