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Biodynamischer Weinbau

Mit der Natur verwurzelt

Ein Paradebeispiel für biologisch-dynamische Landwirtschaft findet sich in Pamhagen im burgenländischen Seewinkel. Die Familie Michlits betreibt seit rund 20 Jahren ihren Hof nach der Demeter- Philosophie. Unabhängigkeit, Harmonie, Vielfalt und Ganzheitlichkeit sind die Eckpfeiler und Prinzipien der biologischdynamischen Landwirtschaft. Biodynamie ist derzeit stark im Aufwind, und immer mehr Winzer stellen nun ihre Bewirtschaftung um. Dabei schließen sich moderne Technik und die ganzheitliche Anschauung nicht aus. Am Demeter-Hof der Familie Michlits wird ganz dem Kreislauf der Natur gefolgt. Neben Wein werden auch Obst, Gemüse und Getreide angebaut. Die Großfamilie züchtet zudem Rinder, Mangalitza-Schweine, Schafe und Hühner. Es gilt, ein gesundes Gleichgewicht von Fauna, Flora und Mensch herzustellen. Die Gräser, Luzerne und der Klee zwischen den Rebzeilen ernähren die Tiere am Hof. Der Mist der Tiere düngt den Boden. Ein nährstoffreicher, gesunder Boden bringt gesunde Weinstöcke. Die Weinstöcke erbringen dann wiederum das Traubengut, das schließlich mit viel Hingabe und Handarbeit zu biologisch-dynamischen Weinen gekeltert wird.

Im Interview mit Werner Michlits...

...haben wir über seine Philosophie und seinen Zugang zur biodynamischen Arbeitsweise gesprochen.

 

Welche Arbeiten stehen jetzt im Juni auf dem Hof und in den Weingärten gerade an?

WERNER MICHLITS:
Wir sind mitten in der Grünarbeit – die wachsenden Triebe müssen versorgt und angebunden werden, so dass sie nicht vom Wind abgebrochen werden. Dann warten wir gespannt auf die Blüte. Es ist einer der sensibelsten Zeitpunkte im ganzen Jahr, der einen maßgeblichen Einfluss auf die Ernte hat. Ist die Blüte perfekt, sind mehr Samenkörner in der Beere, und die Reife ist wiederum besser. Man sieht hier auch wieder, wie in der Natur alles eng miteinander zusammenhängt und verwoben ist.

Auf euren Etiketten prangt eine Kuh. Wie beeinflusst euch eure Rinderherde beim Weinmachen?

WERNER MICHLITS:
Die Kuh ist das Symbol für Fruchtbarkeit schlechthin. Durch ihre ausgeprägte Verdauungstätigkeit meditiert sie ganz viel Lebendigkeit und Gedanken in den daraus resultierenden Mist hinein. Wir können damit einen hochqualitativen natürlichen Dünger erzeugen, der den Humusgehalt in den Böden aufbaut. Für unsere Weingärten haben wir damit eine eigene Düngerquelle am Hof und sind von betriebsfremden, synthetischen Eingriffen unabhängig. Darüber hinaus sind unsere Kühe der tierische Impuls, der dem Hofleben und der ganzen Stimmung einen liebevollen Rahmen gibt

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Was steht bei eurem Zugang zu Biodynamie im Mittelpunkt?

WERNER MICHLITS: Die Ganzheitlichkeit. Vom geschlossenen Hofkreislauf bis hin zur Gründung einer Waldorfschule, damit auch die nächste Generation mit einem tiefen Grundverständnis über Naturzusammenhänge und voller Willenskraft und Tatendrang unsere Umwelt gestaltet.

Was bedeutet diese Ganzheitlichkeit in Bezug auf den Weinbau?

WERNER MICHLITS: Für den Bereich des Weinbaus sind es die eigenen Hefen aus dem Weingarten in der Vergärung, der biologische Säureausbau aus sich selbst heraus, die Reben im Beziehungsfeld zwischen Himmel und Erde – zwischen den kosmischen und irdischen Einwirkungen. All diese einzigartigen Eindrücke erzählen uns die Weine auf subtile Art und Weise. Die Biodynamie ist vergleichbar mit einem Spinnennetz, das aus unzählig vielen dünnen Fäden gesponnen ist. In der Gesamtheit ist es ein funktionierendes Kunstwerk. Jeder einzelne Eckpunkt oder Aspekt ist mit dem anderen verwoben und in Verbindung, die Natureinflüsse hängen alle zusammen und beeinflussen einander. In so ein Schöpfungsverständnis tiefer einzutauchen ist eine großartige Bereicherung.

Aus Weinplantagen sollen Weingärten werden. Ihr habt dafür zum Beispiel richtige Ökoinseln geschaffen. Was wollt ihr in naher Zukunft in euren Weingärten verändern, was sind die nächsten Schritte auf eurem Weg?

WERNER MICHLITS: Wir bringen damit ganz viel Biodiversität in die Monokulturen, wie wir sie aus den letzten Jahrzehnten kennen. Wir wollen noch mehr darauf achten, welche Pflanzengemeinschaften sich gegenseitig im Ökosystem positiv beeinflussen. So wie wir Menschen kommunizieren und reden, so machen das auch die Pflanzen durch ihren Hormonhaushalt, durch Phytohormone, Duftstoffe und Wurzelausscheidungen. Sie locken Insekten damit an, reagieren auf Wachstumsbedingungen und stärken sich in der Gruppe. Das alles weiter auszubauen und den Weingarten zu einem Ökosystem zu machen ist eine große Aufgabe, ein Lebensprojekt.

So schmeckt Biodynamisch

Wer Wein aus biodynamischem Anbau probieren möchte, findet in der INTERSPAR weinwelt aktuell eine Auswahl von 52 Biodynamischen Weinen von neun Winzern (Stand April 2019)

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