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ÖSTERREICHS BIONIERE

Bio kann mehr

Im Bioweinbau gibt es zwei grundlegende Philosophien, die organisch-biologische und die biodynamische. Trotz der Unterschiede eint sie jedoch ein Ziel: höchste Qualität und Schutz der natürlichen Ressourcen.

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Der biologische Weinbau in Österreich gewinnt immer mehr an Bedeutung. Die zertifizierte Fläche hat sich in den vergangenen zehn Jahren praktisch verdoppelt. Mittlerweile werden gut 13 Prozent der rund 45.500 Hektar an heimischen Rebgärten organisch-biologisch oder biodynamisch bewirtschaftet – Tendenz steigend. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Bioschulen. Die Biodynamie orientiert sich an den Lehren des Anthroposophen Rudolf Steiner und sieht die Lebensvorgänge in größeren Zusammenhängen. Es werden kosmische Kräfte in das Arbeitsleben einbezogen, und der Betrieb wird als sich selbst erhaltende Kreislaufwirtschaft gesehen. Der organisch-biologische Landbau hat einen mehrheitlich naturwissenschaftlichen Ansatz. Er stützt sich auf die Erkenntnisse des Begründers, des Schweizers Dr. Hans Müller. Eines der wichtigen Ziele ist die Steigerung der Aktivität des Bodens durch angepasste Begrünung und vielfältige Fruchtfolge. Die Mehrzahl der Ökobetriebe arbeitet nach dieser Methode. Biowein hat heute sein Stigma als esoterische Spinnerei bei minderer Qualität völlig verloren. Vielmehr handelt es sich um Weine von bester Güte mit Spannung und Tiefgang.

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Bio kann mehr

 

Am Geyerhof im Kremstaler Oberfucha wird nach organisch-biologischen Grundsätzen gewirtschaftet. Und das seit mittlerweile fast 30 Jahren. „Für uns wurde das im Laufe der Jahre selbstverständlich. Meine Eltern haben Ende der 1980er-Jahre den Betrieb übernommen und sofort auf Bio umgestellt. Durch die intensive Auseinandersetzung mit den einzelnen Lagen konnten wir deren Stärken und Schwächen genau kennenlernen und nun sehr individuell reagieren“, sagt Josef Maier, Juniorchef am Weingut. Wichtig ist es der Familie vor allem, die Bodenvitalität zu unterstützen. Im Laufe der Zeit kristallisierte sich zusätzlich die Wichtigkeit der Diversität im Betrieb heraus. So entstand das Projekt wildwux. Es zeigt, dass Bio weit mehr ist als das Weglassen von Chemie. Im Zuge von wildwux leisten die Maiers, gemeinsam mit ihrer burgenländischen Kollegin Birgit Braunstein, gezielte Naturschutzmaßnahmen auf den Flächen und somit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt und zur Renaturierung von wertvollen Lebensräumen gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. So konnten vielfach durch die konventionelle Landwirtschaft verdrängte Tiere wie Wiedehopf, Gottesanbeterin, Laubfrosch oder Ziesel wieder einen Platz finden.

Weinbau im Rhythmus mit der Natur

 

Das Weingut Meinklang im Seewinkler Ort Pamhagen steht beispielhaft für einen biodynamischen Betrieb. Man ist Mitglied im Verband Demeter. Für Werner Michlits und seine Familie steht die Landwirtschaft mit ihrer individuellen Pflanzen- und Tierwelt im Mittelpunkt des Schaffens. Oberste Prämisse ist die Erhaltung eines vitalen Hoforganismus. Dazu gehören: Tierhaltung, eigenes Saatgut und Futter sowie der selbstkompostierte, natürliche Dünger. Es gibt eine Rinderherde am Betrieb, die den natürlichen Humusaufbau fördert. Das Weingut umfasst 70 Hektar Rebfläche. Wie ihre Winzerkollegen, die nach Rudolf Steiners Lehren arbeiten, verwenden die Michlits unter anderem Präparate aus Brennnessel, Schafgarbe, Kamille, Eichenrinde, Löwenzahn und Baldrian. Diese werden zu einer bestimmten Jahreszeit in Tierhüllen wie zum Beispiel Stierhörnern im Boden vergraben, nach einer Weile zurückgeholt und in der Regel dem Kompost beigegeben. Auszüge der Präparate können auch mit Quarz versetzt und in der Kultur versprüht werden. All dies stärkt die Kraft der Pflanzen. Neben dem intakten Hofkreislauf und dem Einsatz von Präparaten ist den Biodynamikern zudem das Leben und Arbeiten im kosmischen Rhythmus ein großes Anliegen. Sie richten sich hierbei nach dem Aussaatkalender von Maria Thun. In ihren Forschungen sah sie, dass der Mond das Wachstum und Gedeihen der Pflanzen begünstigen, aber auch bremsen kann. So gelangte sie zu einem Ordnungsprinzip hinsichtlich der Pflanzen und ihrer Teile, ausgehend von den vier Elementen des astronomischen Tierkreises: Erde (Stier, Jungfrau, Steinbock), Wasser (Fische, Krebs, Skorpion), Licht/ Luft (Zwillinge, Waage, Wassermann) und Wärme/Feuer (Widder, Löwe, Schütze). Daneben ist wichtig, ob der Mond zuoder abnimmt, auf- oder absteigt. 

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Vor zehn Jahren tat sich eine Gruppe Winzer zusammen, die sich, im Respekt für das Terroir, dem Ziel verschrieben hat, höchste Qualität zu erzeugen. Ihr Name: Respekt-BIODYN. Heute umfasst der Zusammenschluss 22 Top-Betriebe in Österreich, Südtirol und Deutschland. Unter ihnen sind auch einige Mitglieder der burgenländischen Pannobile-Vereinigung, wie Paul Achs oder Gernot und Heike Heinrich. Die Winzer waren ursprünglich auf der Suche danach, wie sie ihren Weinen mehr Individualität geben könnten. Fündig wurden sie bei der biodynamischen Wirtschaftsweise. Unterstützt hat sie über die Jahre der im Sommer 2017 verstorbene Bioberater Andrew Lorand. Paul Achs aus Gols beschreibt seinen Weg so: „Ich habe gespürt, dass der konventionelle Weinbau für uns eigentlich nicht passt. 2006 haben wir unseren Betrieb umgestellt. Heute sind die Weingärten viel vitaler, und die Trauben, die wir ernten dürfen, haben mehr Charakter als früher. Die Weine sind in der Folge lebhafter und reicher an Spannung.“ So ausgeglichen, wie seine Reben heute sind, wirkt auch der Winzer.

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Natural vs. Bio

 

Neben dem Begriff Bio taucht auch immer wieder jener des Natural Wine auf. Die beiden Begriffe haben aber im eigentlichen Sinne nichts miteinander zu tun. Natural Wine steht für Weine, die im Keller mit minimalster Intervention entstehen. Natürlich ist diese Herangehensweise besonders für Winzer eine logische Folge, die ihre Weingärten biologisch bewirtschaften. Dennoch müssen diese Winzer nicht zwangsläufig Biowinzer sein. Ziel beim Natural Wine ist es, das Endprodukt so wenig wie möglich durch Technik zu beeinflussen und somit den Eigencharakter so unverfälscht wie möglich in die Flasche zu bringen. Natural Wine wird landläufig sehr unterschiedlich interpretiert. Mal sind es Weine, die kaum oder keinen Schwefel zugesetzt bekommen, andere reifen in der Amphore, oder Weißweintrauben werden wie Rotweine auf der Maische vergoren. Oftmals sind Weine aus dem Natural-Fach hochinteressant, aber leider trifft man hier und da auch auf Negativbeispiele, bei denen schlicht Etikettenschwindel betrieben wird. Unter dem Deckmantel eines Naturweines werden diese zu hohen Preisen verkauft. Hier hilft dem Kunden nur, sich sehr genau zu informieren oder sich an den Weinhändler seines Vertrauens zu wenden, der eine entsprechende Vorauswahl trifft. Denn auch in der Kategorie der Naturweine gibt es strahlende Perlen.

Bio Spirit

 

Nicht nur beim Wein, sondern auch im hochprozentigen Genussbereich gibt es immer mehr Produzenten, die auf biologische Herstellung setzen. So auch Hans Reisetbauer mit seinem Organic Gin. Ausgangsbasis hierfür ist Bio-Weizen der regionalen Sorte Mulan. Im Pot-Still-Verfahren werden daraus der Rohbrand und anschließend der Feinbrand gewonnen. Ausgewählte Gewürze und Botanicals werden danach für die Mazeration beigefügt. Im Anschluss wird zum dritten Mal destilliert. Das Endprodukt ist ein attraktiver, frisch und würzig duftender Gin aus 100 Prozent Biozutaten

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Meine Empfehlung

 

Ich möchte Ihnen einen meiner absoluten Lieblingsweine vorstellen – ein noch recht unbekannter Wein mit großer Persönlichkeit! „Graupert“ bedeutet so viel wie „ungekämmt“ oder „wild“. Bezogen ist das auf die ungewöhnliche Art des Wachstums der Reben: weder im Winter noch im Sommer werden die Triebe beschnitten – neben den biodynamischen Präparaten ist das ein weiterer spannender Aspekt der Biodynamie. Die Weinstöcke finden so ihr eigenes Gleichgewicht und geben dann mit den Jahren immer kleinere Beeren, was zu mehr Extrakt, Farbe und Struktur im Wein führt. Der Zweigelt Graupert von Michlits ist dafür ein Paradebeispiel. Er begeistert mit einer faszinierenden, sehr komplexen Nase nach dunklen Beeren, floralen Noten und einer wunderschönen Würze. Am Gaumen ziehen sich diese Aromen fort und werden von feinen, samtigen Tanninen, einer harmonischen Säurestruktur und einem langen, intensiven Abgang perfekt abgerundet. Ein fantastischer Wein, der es schafft, Eleganz, Komplexität, Tiefe und Länge miteinander zu verbinden – das schaffen nicht viele. Tipp: Lassen Sie sich diesen Zweigelt nicht entgehen, jeder, der sich für Wein interessiert, sollte solch einen Wein einmal probieren!

 Von Petra Bader (geprüfte Weinakademikerin und freie Journalistin für Wein- und Genussthemen.)