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Scheurebe: Die Aromakünstlerin unter den Weißweinen

 

Kein Weißwein duftet so unverwechselbar nach Cassis wie die Scheurebe, und genau das hat die weiße Bukettsorte vom Geheimtipp zur gefeierten Aromasorte gemacht. Weinliebhaber:innen schätzen sie für ihr intensives Fruchtspiel, ihre lebendige Säure und erstaunliche Bandbreite: vom knackigen Sommerwein bis zur preisgekrönten Trockenbeerenauslese macht sie in vielen Formen eine gute Figur. Hierzulande kennt man sie auch als Sämling 88, andernorts als S 88 oder Scheu 88. Woher diese besondere Rebsorte stammt, wie sie sich im Glas entfaltet und warum Sommeliers auf sie als Geheimwaffe zur asiatischen Küche schwören, erfahren Sie hier.

 

Herkunft und Geschichte

Die Scheurebe entstand 1916 an der Landesanstalt für Rebenzüchtung im rheinhessischen Alzey, mitten im Ersten Weltkrieg. Ihr Schöpfer: Georg Scheu, ein vielseitiger Kopf, der neben der Rebenzucht auch malte und Tanzchoreografien entwarf. Seine Kreuzungsversuche nummerierte er akribisch durch – Sämling Nummer 88 sollte sein größter Erfolg werden. Lange galt die Sorte als Kind von Riesling und Silvaner. Erst eine DNA-Analyse im Jahr 2012 brachte Klarheit: Der zweite Elternteil ist tatsächlich die Bukettraube, selbst ein Nachkomme von Trollinger und Silvaner. Vom Riesling hat die Scheurebe ihre elegante Säure geerbt, von der Bukettraube das intensive Aromenprofil, welches sie so unverwechselbar macht.

 

Auch die Namensgeschichte verlief bewegt: Zunächst schlicht als „Sämling 88" geführt, wurde die Rebsorte in der NS-Zeit nach einem Politiker umbenannt. Als der Krieg beendet war, kehrte man wieder zu „S 88" zurück. Ihre heutige Bezeichnung erhielt sie erst nach Georg Scheus Tod 1949, als späte Würdigung für den Züchter. Doch mit dem neuen Namen kam auch neues Interesse: Der Durchbruch gelang in den 1950er-Jahren, als erstmals spektakuläre Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen aus der Scheurebe gekeltert wurden. Seither zählt sie zu den erfolgreichsten deutschen Neuzüchtungen – und hat längst auch in Österreich eine treue Fangemeinde.

 


Schon gewusst? Die Scheurebe wird gerne als „deutsche Sauvignon Blanc" bezeichnet – wegen ihres ähnlich expressiven Buketts. Manche Winzer:innen setzen beide sogar als Cuvée-Partner ein, um das Beste aus zwei Duftwelten zu vereinen.


 

Wo wird Scheurebe angebaut?

In Österreich ist die Rebfläche mit etwa 350 Hektar überschaubar und seit Jahren rückläufig. Die Schwerpunkte liegen im Burgenland rund um den Neusiedlersee sowie in der Steiermark. Während die Scheurebe im grünen Herzen Österreichs als unkomplizierter Wein für jeden Tag und als Aperitif geschätzt wird, spielt sie am Neusiedlersee in einer ganz anderen Liga: Das feuchtwarme Mikroklima begünstigt die Edelfäule, die für große Trockenbeerenauslesen unverzichtbar ist. Einige hochdekorierte Weingüter haben mit ihren Scheurebe-TBAs internationale Höchstwertungen eingefahren und die Sorte weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht.

 

Internationale Verbreitung

In ihrer Heimat Deutschland wächst die Scheurebe auf rund 1.500 Hektar, vor allem in Rheinhessen, der Pfalz und Franken. Dort entstehen frische Kabinettweine ebenso wie gehaltvolle Spätlesen, die das volle Potenzial dieser Bukettsorte zeigen. Auch in der Schweiz und England hat sie mittlerweile experimentierfreudige Winzer:innen für sich gewonnen.

 

Charakteristik: Wie schmeckt Scheurebe? 

Im Glas zeigt sich die Scheurebe in Tönen von Blassgelb bis hin zu sattem Gold, je nach Reife und Ausbauart. Zum charakteristischen Cassis-Duft mischen sich Grapefruit, Limette und exotische Noten wie Mango oder Passionsfrucht, bei hoher Traubenreife auch saftiger Pfirsich, reife Birne und kandierte Früchte. Am Gaumen präsentiert sie sich körperreich und saftig, mit einer frischen, gut eingebundenen Säure. Genau diese Balance zwischen Fruchtfülle und Frische macht sie so vielseitig. Gereifte edelsüße Weine entwickeln mit den Jahren zusätzliche Facetten: Honig, Rosenblüten und Engelwurz verleihen ihnen eine ansprechende Komplexität. Damit sich dieses Potenzial entfalten kann, müssen die Trauben allerdings vollständig ausreifen. Werden sie zu früh gelesen, droht der unerwünschte „Sämlingsgeschmack" – dünn, grasig und weit unter dem, was die Sorte eigentlich kann.

 

Die Charakteristik von Scheurebe im Überblick

  • Farbe: Blassgelb bis sattes Gold, je nach Reife und Ausbau
  • Duft: Cassis, Grapefruit, Limette, Mango, Passionsfrucht; bei hoher Reife auch Pfirsich, Birne und Rosenblüten
  • Geschmack: Körperreich und saftig mit lebendiger, gut eingebundener Säure
  • Abgang: Fruchtig und frisch; bei edelsüßen Varianten langanhaltend mit Honig- und Rosennoten
  • Ausbau: Von trocken über feinherb bis edelsüß; meist im Edelstahltank für maximale Fruchtbetonung

 

Lagerfähigkeit & Trinktemperatur: So schmeckt Scheurebe am besten

Wie lange die Scheurebe lagern darf, hängt von ihrem Ausbau ab. Trockene Gutsweine und Kabinettweine trinken sich in den ersten zwei bis vier Jahren am besten. Spätlesen halten drei bis fünf Jahre, Auslesen etwas länger. Die wahren Langstreckenläufer sind Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen: Sie reifen problemlos zehn, zwanzig oder sogar dreißig Jahre – und entwickeln dabei ein vielschichtiges Spektrum aus Trockenfrüchten, Honig und Rosenduft. Und die richtige Temperatur? Trockene und feinherbe Scheureben schmecken bei 8 bis 10 °C am besten; kühl genug für Frische, warm genug für die Frucht. Edelsüße Spezialitäten vertragen 10 bis 12 °C, damit ihre Vielschichtigkeit voll zur Geltung kommt.

 

Genuss-Tipps: Scheurebe als Speisenbegleitung

Dank ihres intensiven Buketts und der knackigen Frische kann sich die Scheurebe an Speisen wagen, bei denen andere Weißweine passen müssen. Besonders die asiatische Küche liegt ihr: Thai-Currys, vietnamesische Pho, Sushi oder Gerichte mit Ingwer und Kokosmilch finden in ihr einen würdigen Partner. Auch zu Geflügel mit würzigen Saucen oder gegrilltem Fisch macht sie eine ausgezeichnete Figur. Liebliche Spätlesen eignen sich perfekt für Gerichte mit leichter Schärfe oder süß-sauren Komponenten, etwa Ente mit Orangensauce oder Garnelen in Kokos-Limetten-Sud. Und edelsüße Auslesen glänzen als Begleiter zu fruchtigen und cremigen Nachspeisen oder kräftigem Blauschimmelkäse. Solo als Aperitif übrigens auch.

Scheurebe in der INTERSPAR weinwelt entdecken

Mit ihrem kräftigen Cassis-Bukett und ihrer Vielseitigkeit hat sich die Scheurebe einen festen Platz unter den großen Bukettsorten ergattert. In der INTERSPAR weinwelt warten einige hochwertige Vertreter dieser besonderen Rebsorte. Sie möchten noch weitere Facetten des Weingenusses erkunden? Neben der Scheurebe finden Sie bei uns edle Rotweine, frische Weißweine sowie fruchtige Rosés und alkoholfreie Varianten. Auch Spirituosenfans haben Grund zur Freude: Von Whisk(e)y, über Tequila bis hin zu feinen Likören gibt es einiges zu verkosten. Und wenn Sie Ihren Lieblingstropfen nicht nur genießen, sondern auch verstehen möchten, ist unsere Wein- & Spirituosenkunde die richtige Adresse. Dort erfahren sie etwa, wie man Weinfehler erkennt, wie Glasformen das Aroma beeinflussen oder was hinter Begriffen wie „Jahrgang" oder „Botanicals“ steckt.In diesem Sinne: Zum Wohl, auf den Aromakünstler unter den Weißweinen!

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