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Was ist Portwein?

 

Ob für den puren Genuss, im Cocktail oder als Geheimzutat beim Kochen: Portwein ist ein Alleskönner. Wir verraten Ihnen, was den portugiesischen Nationalhelden so besonders macht, wie er sich von Sherry & Co. unterscheidet und warum Portwein nicht gleich Portwein ist. Tipps für die perfekte Speisenbegleitung inklusive!

 

Inhaltsverzeichnis:

Was genau ist Portwein – und wie unterscheidet er sich von Sherry und Madeira?

Portwein ist ein süßer Likörwein aus dem Douro-Tal im Nordosten Portugals. Während der Gärung wird er mit hochprozentigem Branntwein versetzt (“gespritet”), wodurch die Gärung gestoppt wird, ein Teil der natürlichen Traubensüße erhalten bleibt und der Alkoholgehalt steigt – typischerweise liegt dieser zwischen 18 und 22 %-vol.

 

Auch Sherry ist ein Likörwein, allerdings aus Spanien – und auch in der Herstellung gibt es deutliche Unterschiede. Im Gegensatz zum Port wird er nämlich erst nach der Gärung aufgespritet, reift meist trocken und entwickelt durch den Einsatz des Solera-Systems und Florhefen seine ganz eigenen, unverkennbaren Aromen.

 

Madeira, der seinen Ursprung auf der gleichnamigen portugiesischen Insel hat, zählt ebenfalls zur Kategorie der Likörweine. Auch hier ist es das Herstellungsverfahren, das ihn ganz klar von seinen Brüdern unterscheidet: Zum einen kann die Aufspritung sowohl während als auch nach der Gärung erfolgen – je nach dem gewünschten Süßegrad. Zusätzlich kommt beim Reifeprozess das Erwärmungsverfahren ins Spiel, das für die typische Karamell- und Nussnote sowie ausgezeichnete Lagerfähigkeit sorgt. Dafür gibt es zwei Optionen: Beim Estufagem-Verfahren reift der Madeira in Tanks heran, die mit Heizschlangen konstant auf 45 bis 50 °C erwärmt werden – das üblicherweise für drei bis vier Monate. Traditioneller ist das Canteiro- Verfahren: Hierbei darf der Madeira in Holzfässern im Dachboden über Jahre hinweg durch natürliche Wärme zu seiner vollen Pracht heranreifen.

Von der Rebe in die Flasche: Herstellung & Sorten

Ob rot oder weiß – die besondere Art der Vinifikation macht den unverwechselbaren Charakter des Portweins aus. Der Most selbst gärt nur zwei bis vier Tage, gerade so lange, bis er genug Farbe und Tannine aus den Schalen gezogen hat. Dann wird der Saft entzogen und die Gärung mit Weinbrand gestoppt, damit ein Teil der natürlichen Süße erhalten bleibt. Um die Extraktion besonders schonend zu unterstützen, werden für Spitzenweine übrigens auch heute noch die Trauben mit den Füßen gestampft: So werden sie gleichmäßig zerdrückt und die Schalen stetig mit dem Saft vermengt, ohne dass dabei die Kerne beschädigt werden und so unerwünschte Gerbstoffe in den Wein gelangen.

 

Die Aufspritung selbst hat ihren Ursprung übrigens in der Seefahrerzeit: Auch auf langen Reisen sollten die feinen Weine schließlich haltbar bleiben. Der erhöhte Alkoholgehalt von rund 20 Vol.-%, kombiniert mit kräftigen Tanninen und einer feinen Restsüße, machte den Port widerstandsfähig gegen Oxidation und frühzeitigen Verderb. Ein Erfolgsrezept, das seinen ganz eigenen Stil bis heute bewahrt hat.

 

Über 80 Rebsorten sind für die Herstellung von Port zugelassen – die meisten davon sind autochthone Varietäten. Hier die wichtigsten im Überblick:

 

Wichtige rote Rebsorten

  • Touriga Naçional: gilt als die edelste Douro-Rebsorte; sehr aromatisch mit Aromen von Veilchen, dunklen Beeren und Gewürzen. Die hohe Tannin- und Farbdichte sorgt für Struktur und ausgezeichnete Lagerfähigkeit.

  • Touriga Franca: elegant und blumig-fruchtig im Charakter, bringt geschmeidige Tannine und Balance – wird oft zur Abrundung von kraftvolleren Sorten in Cuvées verwendet.

  • Tinta Roriz: sorgt für Fülle und hohe Lagerfähigkeit; kräftige Struktur, mit Noten von roten Früchten und feiner Würze.

 

Wichtige weiße Rebsorten

  • Malvasia Fina: die wichtigste weiße Rebsorte – aromatisch und blumig, mit feiner Säure. Beliebt für elegante, frischere White Ports.

  • Gouveio: ausgezeichnete Balance aus Frucht, Körper und Säure – gibt dem Port Struktur und Frische.

  • Rabigato: sehr säurebetont, mit neutralen Fruchtaromen; sorgt für Frische, Langlebigkeit und Struktur.

 

Wie genau Portwein am Ende schmeckt, hängt vor allem vom Ausbau ab: Je nachdem, wie lange dieser dauert und ob der Wein im Fass oder in der Flasche reifen darf, entscheidet sich, welchem Stil er schlussendlich zugeordnet wird.

Ruby, Tawny & Vintage: Die Portwein-Stile & Qualitätsstufen im Überblick

Tawny, Ruby, LBV, Vintage: Auf den ersten Blick wirkt die scheinbar endlose Fülle an unterschiedlichen Stilen und Qualitätsstufen bei Portweinen etwas verwirrend – und stellt zum Teil auch Weinkenner:innen vor echte Herausforderungen, wenn es darum geht, die perfekte Auswahl zu treffen. Grundsätzlich ist das System tatsächlich weniger kompliziert als gedacht, denn allgemein wird nur zwischen fünf Grundstilen unterschieden:

  • Ruby
  • Tawny
  • Vintage
  • White Port
  • Rosé

 

Innerhalb dieser fünf Kategorien wird der Portwein dann in weitere Unterkategorien bzw. Qualitätsstufen unterteilt, die je nach Stil verschiedene Bezeichnungen haben. Hier ein Überblick:

 

Ruby

Portweine im Ruby-Stil präsentieren sich jung und fruchtig, mit tiefroter Farbe und intensiven Noten von Beeren und Kirschen – perfekt für Einsteiger:innen. Typischerweise handelt es sich um einen Verschnitt aus mehreren jungen Weinen. Diese werden zunächst in Tanks gelagert, dann nach 2–3 Jahren direkt trinkfertig in die Flasche gefüllt, damit die fruchtigen Aromen erhalten bleiben. Neben den “Basic”-Rubys wird – je nach Reifezeit, Jahrgang und Trauben – zwischen folgenden Qualitätsstufen unterschieden

  • Reserve Ruby: Reserve Rubys sind ebenfalls ein Verschnitt aus unterschiedlichen Jahrgängen, die feinere Selektion der Trauben und längere Reifezeit machen sie jedoch schon zur gehobeneren Wahl. Sie sind deutlich kräftiger im Geschmack und weisen eine wunderbar aromatische Dichte auf.

  • Crusted Port: Ein Verschnitt aus guten Jahrgängen, die qualitativ aber nicht den Vintage-Anspruch erfüllen. Crusted Port kommt unfiltriert vom Tank in die Flasche, wo er anschließend einige Jahre weiter reift. Im Zuge dessen bildet sich auch ein Depot, also eine Ablagerung, am Flaschenboden – die namensgebende “Crust”. Im Glas zeigt sich der Wein dunkel, kraftvoll und komplex mit ausgeprägten Fruchtaromen. Rubys dieser Art sind zwar eher selten, aber preislich ein guter Kompromiss zwischen der günstigen Standard-Version und einem echten Vintage, der Königsklasse.

  • Late Bottled Vintage (LBV): LBVs sind ein Verschnitt aus Weinen aus einem einzigen Jahrgang. Sie lagern 4–6 Jahre im Fass, bevor sie in Flaschen abgefüllt werden. Es gibt sie in zwei Ausführungen: Filtrierte LBVs sind sofort genussfertig, während der seltenere, unfiltrierte LBV noch ein paar Jahre länger in der Flasche reifen darf.

  • Vintage Port: Sie sind die Spitzenweine unter den Ports und zählen zu den echten Raritäten. Nur in herausragenden Jahrgängen erzeugt, reifen sie kürzere Zeit im Fass (meist 2-3 Jahre), bevor sie in die Flasche kommen und dort über Jahrzehnte ihr enormes Potenzial entfalten. Kraftvoll, komplex und von großer Lagerfähigkeit sind sie begehrte Sammlerstücke – ob als klassischer Vintage oder als Single Quinta Vintage aus einem einzigen Weingut. Übrigens: Die Erklärung, ob ein Portwein zum Vintage wird, entscheiden die Top-Häuser eigenständig. Nichtsdestotrotz gelten bestimmte Jahrgänge allgemein als herausragend – zum Beispiel die Jahrgänge 1963, bis heute der Goldstandard für Vintage-Port, oder 2011, der als einer der besten des 21. Jahrhunderts gilt.

Tawny

Ob als klassischer Tawny ohne Altersangabe, gereifte Varianten oder Jahrgangs-Tawnys: Portweine dieses Stils stehen für Wärme, Tiefe und geschmeidige Struktur. Wie Ruby-Ports werden auch Tawnys zwei bis drei Jahre im Tank gelagert, dann aber für die weitere Reifung in kleine Holzfässer, die sogenannten Pipes, umgefüllt. Dort reifen sie für mindestens zwei Jahre, um ihre charakteristische Bernstein- bis Brauntönung (“tawny”) und komplexen Aromen von Nüssen, Karamell- und Trockenfrüchten zu entwickeln. Der Wein wird außerdem milder, opulenter und würziger, die Fruchtsüße ist nur dezent vorhanden. Je nach Reifung unterscheidet man neben den Standard-Tawnys zwischen folgenden Qualitätsstufen:

  • Old Tawny (Aged Tawny): Tawnys mit Altersangabe – 10, 20, 30 oder 40 Jahre (äußerst rar) – sind Verschnitte von verschiedenen Jahrgängen, deren Charakter dem angegebenen Durchschnittsalter entspricht. Mit zunehmender Reife verlieren die Weine an Fruchtigkeit, werden komplexer, weicher und entwickeln eine eindrucksvolle Vielfalt an Nuss-, Karamell- und Trockenfruchtnoten. Gelegentlich gibt es auch Spezialabfüllungen wie „50 Years“ oder „Very Old Tawny”, die noch vielschichtiger und samtiger sind.

  • Colheita: Weine dieser Kategorie sind ein Verschnitt aus Trauben aus demselben Jahrgang und reifen mindestens 7 Jahre im Holzfass heran. Entsprechend werden sie auch als Jahrgangs-Tawnys bezeichnet. Der Colheita-Stil verbindet die warme, nussige Aromatik des Tawny-Stils mit der Eigenständigkeit eines einzelnen Jahrgangs, was für eine besonders ausgeprägte Komplexität und Individualität im Glas sorgt.

White Port

White Ports sind jung, frisch-fruchtig und leicht, üblicherweise mit einer feinen, nussigen Note. Je nach Ausbau entwickeln sie im Laufe der Jahre aber auch eine einzigartige geschmackliche Tiefe und Komplexität, die sie auch für fortgeschrittene Genießer:innen zu einer spannenden Entdeckung macht. Während der Grundstil durch seine Leichtigkeit überzeugt, glänzen die gehobeneren Reserve Whites schon mit mehr Tiefe und Komplexität. Wie Tawnys gibt es auch Whites in der Aged-Variante mit 10, 20, 30 oder 40 Jahren sowie als Colheita White – auch hier gilt eine Reifezeit von mindestens sieben Jahren. Ein klares Alleinstellungsmerkmal gibt es bei der Klassifizierung dann allerdings doch: Nur bei White Port wird nämlich auch nach Süßegrad differenziert:

  • Muito Doce (Sehr Süß/Very Sweet)
  • Doce (Süß/Sweet)
  • Meio Seco (Halbtrocken/Semi dry)
  • Seco (Trocken/Dry)
  • Extra seco (Sehr Trocken/Extra Dry)

 

Und genau diese Vielfalt ist es, die White Port so besonders macht: Denn im Gegensatz zu seinen roten Verwandten weist er eine unglaubliche Bandbreite an Geschmacksrichtungen auf, die sowohl pur, als Aperitif (z.B. in Form eines erfrischenden Portonic in Kombination mit Tonic Water) oder auch als Basis für Cocktails perfekt funktioniert.

Rosé

Seit 2008 zählt auch Rosé zu den offiziellen Portwein-Stilen. Geschmacklich liegt er zwischen Ruby und White Port, die Herstellung erfolgt nach demselben Prinzip wie bei regulärem Portwein, allerdings mit einer deutlich kürzeren Ruhezeit auf der Maische. Am besten wird er jung getrunken. Charakteristisch sind die frisch-fruchtigen Aromen von Erdbeere und Himbeere, was ihn ebenfalls zum idealen Aperitif und einer vielseitig einsetzbaren Zutat für Cocktails macht.

Von Dekantieren bis Trinktemperatur: Wie trinkt und serviert man Portwein richtig?

Wenn Sie Portwein pur genießen, ist die richtige Trinktemperatur ebenso entscheidend wie die Wahl des passenden Glases. Ein bauchiges, tulpenförmiges Glas ist perfekt, um die Nuancen des Bouquets perfekt in Szene zu setzen, ohne dass der Alkohol in der Nase dominiert.

 

Bei der Trinktemperatur gilt: Weißer Port schmeckt bei 8 °C am besten und wird üblicherweise direkt aus dem Kühlschrank serviert, meist als Aperitif. Roter Port sollte hingegen nur leicht gekühlt sein – am besten schmeckt er bei einer Trinktemperatur von 14 °C bis 16 °C. Rubys eignen sich vor allem als klassischer Dessertwein, während Tawny-Ports fast ausschließlich als Digestif nach dem Essen gereicht werden.

 

Portwein dekantieren: So gehts

Vintage Ports bzw. auch Crusty Ports entwickeln bei der Flaschenreife ein Depot. Um zu verhindern, dass die schwarze Ablagerungen aus der Flasche im Glas landen, muss der Port vor dem Servieren auf alle Fälle dekantiert werden. Das geht jedoch ganz einfach und unkompliziert: Den Inhalt behutsam in eine Karaffe oder eine saubere Flasche fließen lassen. Dabei am besten eine Kerze oder Taschenlampe unter den Flaschenhals stellen, um rechtzeitig zu erkennen, wann das Depot sich der Öffnung nähert. Dann den Vorgang abbrechen und den Rest in der Flasche durch ein feines Sieb laufen lassen.

 

Tipp: Noch mehr Wissenswertes rund ums Dekantieren und Servieren von Wein finden Sie in unserem Beitrag zum Thema.

Portwein richtig lagern

Bei Portweinen, insbesondere Vintage Port, gelten grundsätzlich dieselben Regeln wie bei der Lagerung von Wein: Im Idealfall sollten die edlen Tropfen stets liegend, dunkel und kühl aufbewahrt werden – Erschütterungen dabei unbedingt vermeiden.

 

Ist der Portwein geöffnet, hängt es ganz vom Verschluss bzw. auch des Stils ab, wie lange er aufbewahrt werden kann. Wurde ein wiederverschließbarer Zapfen mit Kunststoffgriff verwendet, wie beim Tawny üblich, hält sich der Wein problemlos über mehrere Tage. Vintage Ports oder Flaschen mit Naturkorken sollten jedoch schnellstmöglich nach dem Öffnen geleert werden – idealerweise innerhalb von zwei Tagen.

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Genuss-Tipp: Port als Speisenbegleiter

Nicht nur pur, sondern auch in Kombinationen mit diversen Speisen entfaltet der Port sein volles Potenzial.

 

Vintage Ports etwa harmonieren vorzüglich mit Käsesorten wie Stilton oder Roquefort – zum Beispiel der Vintage Port von Taylor’s Quinta de Vargellas, der schon in seiner Jugend erstaunlich zugänglich schmeckt, oder der wuchtige Vintage Port von Fonseca. Mit ihrer pflaumigen Frische, feinen Reifenoten und kraftvoller Struktur balancieren sie die Schärfe des Käses, während dieser die Süße des Weines neutralisiert – ein geniales Wechselspiel zwischen Frucht und Herzhaftigkeit.

 

Mit intensiven Beerenaromen sowie feinen Kräuter- wie Kakaonoten und mundfüllender Textur passen Late Bottled Vintages (LBVs) besonders gut zu einem edlen Stück Zartbitterschokolade oder zu Desserts, in denen Kirschen und Heidelbeeren den Ton angeben.

 

Tawny-Ports wiederum harmonieren aufgrund ihrer seidigen Textur perfekt mit deftigen Wildgerichten oder pikanten Leberpasteten.

Übrigens: Nicht nur als Speisenbegleiter, sondern auch im Essen selbst ist Portwein ein echter Tipp – perfekt eignet er sich zum Beispiel für Wild- oder Trüffelsaucen oder zum Schmoren von Feigen und Birnen.

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