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Mit dem Pinot Noir rund um den Globus

Pinot Noir gilt als eine der ältesten Rebsorten. Im Laufe seiner Geschichte eroberte er vom Burgund aus zuerst die Cool-Climate-Regionen Europas und dann auch die Neue Welt. Von Petra Bader*


Es ist dieser unvergleichlich attraktive Duft nach roten Beeren, Kirschen, Zwetschken und Noten von Veilchen oder Mandeln, die eindringliche Struktur, große Eleganz und Sinnlichkeit, die einen großen Pinot Noir ausmachen. Dabei ist es durchaus nicht einfach, mit der sprichwörtlichen Diva unter den Rotweinrebsorten zurechtzukommen. Für den Winzer ist die Arbeit mit ihr im Weingarten und auch im Keller eine Herausforderung, weil sie enorme Ansprüche an die Lage und sein Vinifikationstalent stellt. Auch der Genießer wird ihr nicht gleich mit Haut und Haar verfallen. Manch einer meint sogar, Pinot Noir suche sich den Weintrinker aus, und nicht umgekehrt.

Kultwein aus Burgund


Die Rebsorte stammt aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem Gebiet zwischen dem Genfer See und dem Rhônetal und blickt auf eine mehr als 2000 Jahre lang dauernde Geschichte zurück. Der Begriff Pinot Noir bezieht sich übrigens auf die, für die Sorte charakteristischen, kiefernzapfenförmigen Trauben. Diese Zapfen (franz. Pin) ergeben in Verbindung mit der Farbe Schwarz (franz. noir) den Namen. Frankreich hat mit einer Fläche von etwa 30.000 Hektar das weltweit größte Pinot- Noir-Anbaugebiet. In der Côte d’Or, im Herzen des Burgunds, ist Pinot Noir die einzig kultivierte rote Varietät. Von hier aus begann auch der Siegeszug des Kultweines. Rote Burgunder à la Musigny oder Chambertin erzielen mit die höchsten Preise, die weltweit für Rotweine gezahlt werden. In Gevrey Chambertin, ganz im Norden der Côte d’Or, in der sogenannten Côte de Nuits, lebt und arbeitet Claude Dugat mit seiner Familie. Sie bewirtschaften sechs Hektar Weingärten in den besten Lagen des Ortes und keltern international anerkannte Weine, vom klassischen Bourgogne Rouge über den Dorfwein Gevrey-Chambertin bis hin zum Premier und Grand Cru. Dugat versteht es wie kaum ein Zweiter, den Charakter seiner Region in die Flaschen zu bringen. Die Weine von Dugat sind, typisch für den Ort, sehr dicht, markant, komplex, haben eine dunkle Beerenfrucht und bleiben dabei aber trotzdem immer sehr elegant. Im südlichen Teil des Burgunds, wo die Weinorte Santenay, Pommard oder Savigny-lès-Beaune liegen, sind die Roten genauso tiefgründig wie im Norden, zeigen aber eine hellere Beerenfrucht und sind um die Spur charmanter.

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Rebsorten-Informationen

Die Sorte gilt quasi als gebürtiger Franzose, der sich aber im Laufe der Zeit, in alle Herren Länder mit kühlem Klima aufgemacht hat. Pinot Noir reift relativ früh, ist anfällig für Botrytis, Oidium und Peronospora. Für den Winzer ist er eine Challenge und gleichzeitig die Königsklasse. Er gilt als die Ursorte der Burgunderfamilie – aus ihm entstanden durch Mutation unter anderem der Grau- und Weißburgunder, sowie der Auxerrois und der Schwarzriesling (Pinot Meunier). Die Hauptanbaugebiete sind in Frankreich das Burgund und die Champagne. Daneben ist er mit knapp 12.000 Hektar in Deutschland und mit rund 6.000 Hektar in Neuseeland vertreten. In Südtirol wachsen 5.000 Hektar und in Österreich sind es 650 Hektar. Spannend ist die Tatsache, dass sich die weltweite Anbaufläche von 1990 bis 2010 mehr als verdoppelt hat.

pinot-noir2.jpg ⒸWeingut Juris

Österreich: eine Herzensangelegenheit


Auch in Österreich ist der Pinot Noir, oder Blauburgunder, wie er hier auch genannt wird, eine qualitativ wichtige Sorte. Speziell in einigen Regionen Niederösterreichs, wie dem Kamptal, dem Carnuntum oder der Thermenregion (sie trägt den Namen Burgund Österreichs) ist die Sorte heimisch. Auch am Neusiedlersee, und dort vor allem in kühleren Lagen, entstehen daraus hochwertigste Weine. Für Axel Stiegelmar vom Weingut Juris in Gols ist sie sogar die wichtigste Sorte im Betrieb. „Der Pinot Noir ist bei uns von der Fläche her tonangebend. Er lässt sich in unserer Familie schon vier Generationen zurückverfolgen. Für mich ist der Burgunder zur totalen Herzensangelegenheit geworden“, sagt der Winzer. Er produziert in seinem Betrieb sechs verschiedenes Pinot Noirs: die Selection, er nennt ihn seinen Brot und Butter Wein, der mengenmäßig die wichtigste Rolle spielt, die Reserve von älteren Rebstöcken und vier weitere Weine, die er getrennt nach ihren Lagen vinifiziert und abfüllt. Apropos Vinifikation: Stiegelmar hat im Keller seine ganz eigenen Philosophie. Er nimmt sich so gut es geht zurück, denn nur mit möglichst wenigen Eingriffen in den Werdungsprozess des Weines, kann das Terroir ideal zum Ausdruck kommen. Im Weingarten ist dafür umso mehr zu tun. Die richtige Dosis an Laubarbeit hat starke Auswirkung auf die Qualität des Traubenmaterials. In Österreich ist der Pinot Noir im Laufe der Jahre zur Trendsorte geworden. Es ist allerdings unabdingbar, den richtigen Standort auszuwählen. Er verträgt keinen zu warmen Platz. Sonst wirken die Weine schnell marmeladig und üppig. Die Familie Stiegelmar hat ihre Blauburgunder daher schon immer auf der Parndorfer Platte, oberhalb des Ortes Gols, stehen. Hier sind die Tage nicht zu heiß und die Nächte kühl, so dass die Sorte ausreichend Säure behält und sich die Aromatik ideal ausprägen kann. Das Bild des heimischen Pinot Noirs ist geprägt von einem beerigen Duft und je nach Region von eleganter bis saftiger Säurestruktur. Die Weine sind früh trinkbar, die Reserven haben eindeutig Lagerpotential.

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DAC_essen.jpg © ID: 378209113 / VVDVVD / shutterstock.com

Pinot Noir und Essen

Der Pinot Noir ist ein hervorragender Speisenbegleiter. Vor allem jetzt im Herbst gibt es eine Vielzahl von Gerichten, zu denen er hervorragend passt. Leichtere Varianten machen sich sehr gut zu Wildpasteten mit Sauce Cumberland, zur Pilzterrine oder Maronisuppe. Mittelkräftige eignen sich als Begleiter zu gebratenen Steinpilzen, geschmorter Roter Beete, zum Fasan aus dem Rohr oder zur Forelle vom Grill mit Rotwein-Zwiebelchutney. Hat der Burgunder kraftvolle Struktur, ist eine der klassischen Kombis jene mit geschmortem Rehbraten, Rotkohl und Knödeln. Er geht aber auch sehr gut zur Barberieente mit Trompetenpilzen oder dem Käseklassiker aus Burgund – dem Epoisses.

Shootingstar in Neuseeland


Auf der südlichen Halbkugel begann der große Siegeszug des Pinot Noirs in Neuseeland erst Mitte der 1980er-Jahre. Heute sind die Weine aus Kiwi-Land zum Bestseller geworden. Ihre unverkennbare Stilistik: sie schlagen gewissermaßen die Brücke zwischen Alter und Neuer Weinwelt, sind ausdruckstark und fruchtbetont, haben durchaus die Struktur eines guten Burgunders. Die drei wichtigen Anbauregionen sind Central Otago (im unteren Teil der Südinsel), Marlborough (im Nordteil der Südinsel) und Martinborough (ganz im Süden der Nordinsel). Im Herzen des südlichsten Anbaugebietes der Welt, dem Central Otago, liegt Quartz Reef. Es ist benannt nach dem größten Quarzvorkommen Neuseelands, direkt unter dem Weinberg. Der Gründer und Winzer von Quartz Reef ist der gebürtige Österreicher Rudi Bauer. Er kam 1993 ins Land gilt als Pionier der Region. 1996 gründete er das Weingut. Heute bewirtschaftet er den Betrieb biodynamisch nach Demeter-Richtlinien. Auf die Frage, was für ihn das Besondere an der Arbeit mit dem Pinot Noir in Neuseeland ist, antwortet er: „Die Liebe zum Pinot Noir mit seinem reinen, typischen Ausdruck und lebendiger Säure, in dieser unberührten Landschaft von Central Otago, das ist für mich einmalig, ja atemberaubend“.


* Petra Bader ist geprüfte Weinakademikerin und freie journalistin für Wein- und Genussthemen.

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