Herkunft und Geschichte
1987 entstand der Muscaris am Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg. Züchter Norbert Becker verfolgte ein ambitioniertes Ziel: das betörende Aroma des Gelben Muskateller mit der Widerstandskraft einer pilztoleranten Rebe zu vereinen. Als Kreuzungspartner wählte er die PIWI-Sorte Solaris – und das Ergebnis gibt ihm recht. Immerhin verbindet der Muscaris verführerische Duftnoten mit hoher Resistenz gegenüber Pilzkrankheiten.
Die Muttersorte Solaris verdankt ihre bemerkenswerte Robustheit einem Stammbaum, in dem sich auch Wildreben wie Vitis amurensis finden – eine ostasiatische Art, die für ihre natürliche Toleranz gegenüber Mykosen bekannt ist. Der Gelbe Muskateller als Vatersorte steuert hingegen das unverwechselbare Bukett bei: jene Aromen, die Weinliebhaber:innen seit Jahrhunderten in ihren Bann ziehen. Trotz seiner teils „wilden" Vorfahren zählt der Muscaris zur europäischen Kulturrebe Vitis vinifera – eine wesentliche Voraussetzung für die Zulassung als Qualitätsweinsorte.
Im Weingarten zeigt sich der Muscaris erstaunlich unkompliziert: Er reift etwa zeitgleich mit Weißburgunder oder Müller-Thurgau und kann bei Bedarf lange am Stock hängen, ohne an Qualität einzubüßen. Das macht ihn zu einem verlässlichen Partner für Winzer:innen, die aromatische Weine mit ökologischem Mehrwert erzeugen möchten.
Gut zu wissen: Seit 2018 ist Muscaris in Österreich als Qualitätswein-Rebsorte zugelassen. Insgesamt sieben PIWI-Sorten dürfen sich hierzulande mit Sorten- und Jahrgangsbezeichnung schmücken.