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Zweigelt: Vom Klosterneuburger Experiment zum Rotweinklassiker

 

Als echte österreichische Eigenkreation hat der Zweigelt die Herzen von Rotweinliebhaber:innen im Sturm erobert. Die relativ junge Sorte überzeugt mit saftiger Kirschfrucht, feiner Würze und einem harmonischen Spiel aus Frische und Struktur. Mal elegant und fruchtbetont, mal vollmundig und kräftig im Holz gereift – der Zweigelt zeigt, wie vielseitig österreichischer Rotwein sein kann.

Herkunft und Geschichte

1922 gelang an der Weinbauschule Klosterneuburg die Kreuzung aus St. Laurent und Blaufränkisch – gezüchtet von Fritz Zweigelt. Die neue Rebsorte trug zunächst den Namen Rotburger, gebräuchlich auch „Klosterneuburger“, und wurde erst später nach ihrem Züchter benannt. Ihren breiten Durchbruch schaffte sie nach dem Zweiten Weltkrieg, als Weinbaupionier Lenz Moser die Rebe in größerem Stil in der Hochkultur auspflanzte und weiterempfahl. Offiziell als Qualitätswein-Rebsorte registriert wurde Zweigelt 1975 – seither gilt die österreichische Neuzüchtung als fester Bestandteil der heimischen Rotweinkultur.

 

Übrigens: Um Verwechslungen mit ähnlich klingenden Sorten wie dem Rotberger zu vermeiden, wurde der ursprüngliche Name „Rotburger“ 1975 offiziell in Zweigelt geändert.

Wo wird Zweigelt angebaut?

Zweigelt ist heute mit rund 5.940 Hektar Rebfläche die wichtigste Rotweinsorte in allen österreichischen Weinbauregionen. Fast 95% werden in Niederösterreich und im Burgenland angebaut, kleinere Bestände finden sich auch in der Steiermark, in Wien und im Bergland (Kärnten, Oberösterreich, Tirol und Vorarlberg). Ursprünglich für das kühlere Klima Niederösterreichs gezüchtet, ist Zweigelt dort mittlerweile auch die ertragreichste Rebsorte. Besonders hochwertige, kraftvolle Weine entstehen besonders im Carnuntum und rund um den Neusiedlersee.

 

Die Rebe stellt geringe Bodenansprüche und gilt zudem als ausgesprochen winterhart. Gleichzeitig verlangt ihre hohe Fruchtbarkeit konsequente Laubarbeit und Ertragsregulierung, um Konzentration und Struktur zu sichern. Herausforderungen bleiben Botrytisrisiko (Pilzbefall), teils ungleichmäßige Beerenreife sowie Krankheitsanfälligkeit.

Internationale Verbreitung

Außerhalb Österreichs – dem klaren Hauptanbaugebiet – ist Zweigelt in überschaubaren, aber wachsenden Flächen vertreten. In Deutschland gewinnt die Sorte an Bedeutung, vor allem in Württemberg, Franken, Baden, Pfalz, Rheinhessen und an der Ahr. Auch in der Schweiz gibt es einige kleinere Bestände. Dazu kommen Anpflanzungen in Tschechien, der Slowakei und Ungarn, häufig in den an Österreich angrenzenden Regionen und kühleren Lagen; kleinere Vorkommen gibt es zudem in Polen und Kanada. Insgesamt werden weltweit nur etwas mehr als 9.000 Hektar kultiviert – in südlichen Ländern und außerhalb Europas spielt die Sorte bislang keine prägende Rolle.

Charakteristik: Wie schmeckt Zweigelt?

Zweigelt zeigt sich im Glas purpurrot-violett mit saftigem Fruchtkern. Typisch sind Aromen von Weichsel, Kirsche und dunklen Beeren, dazu je nach Reife Zwetschge und etwas Cassis. Am Gaumen wirkt er substanzreich und griffig, mit saftiger Säure und feinkörnigem Tannin. Wichtig für die Stilistik der Weine ist die Ertragsregulierung: Bei einer Begrenzung der Mengen entstehen vollmundige, langlebige Weine mit klarer Kirschfrucht; bei zu hoher Traubenzahl wirken sie dünn, hell und unharmonisch. Zweigelt wird sowohl sortenrein ausgebaut als auch als Cuvée-Partner geschätzt – dort betont er oft die dunkle Kirschfrucht und sorgt für die nötige Struktur.

 

Die Charakteristik von Zweigelt im Überblick

  • Farbe: Dunkles, klar glänzendes Kirsch- bis Purpurrot bei Rotwein; helles Rosé bis lachsfarben bei der Rosé-Variante

  • Duftaromen: Typisches Bouquet von reifen Kirschen, oft Weichsel, Himbeere, Brombeere und Holunder sowie Noten von Pfeffer, Nelke und Vanille

  • Geschmack: Fruchtig und harmonisch, geprägt von roten und schwarzen Beeren; mittlere Körperfülle, moderater Tanningehalt, ausbalancierte Säure

  • Abgang: Weich, fruchtbetont und oft leicht herb; Reserve-Weine mit längerer Fasslagerung zeigen einen eleganteren, komplexeren Abgang

  • Ausbau: Klassisch im Stahltank für fruchtig-leichten Stil, im Holzfass (Barrique, Eiche) für komplexere, würzige und strukturierte Variante
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Lagerfähigkeit & Trinktemperatur: So schmeckt Zweigelt am besten

Zweigelt reicht stilistisch vom frisch-fruchtigen Alltagswein ohne Holz bis zum kraftvollen Barrique-Gewächs. Im kleinen Eichenfass gewinnt er Würze und Komplexität – Noten von Vanille, Kräutern und Kakao – und genauso spürbar an Lagerfähigkeit. Hochwertige Reserven reifen teils über 24 Monate im Fass; ihren aromatischen Höhepunkt erreichen sie meist nach 3-5 Jahren, bei besonderer Qualität auch deutlich später. In Ausnahmefällen ist sogar eine Lagerung über Jahrzehnte möglich.

 

Für den Genuss empfiehlt es sich, junge, fruchtbetonte Zweigelt bei 14-16 °C, barriquegereifte und Reserve-Weine bei 16-18 °C zu trinken. Ein kurzes Dekantieren öffnet die Aromatik und macht die Tannine geschmeidiger – besonders bei gehaltvollen, im Holz ausgebauten Weinen.

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