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Sechs Weingläser mit verschiedenen Weinen, darunter Rot-, Rosé- und Weißwein, stehen auf einer strukturierten Oberfläche, auf der auch zwei Korkenzieher liegen.

Veganer Wein

Was Wein mit Fischblasen & Gelatine zu tun hat

Die vegane Ernährung und der vegane Lebensstil sind inzwischen weit mehr als eine Randerscheinung. Wer sich ein wenig damit befasst, merkt auch ganz schnell: Veganismus geht weit über den Verzicht auf Fleisch, Fisch, Milch und Eier hinaus. Denn auch in Lebensmitteln und anderen Produkten des täglichen Bedarfs, bei denen wir nicht damit rechnen, können Tierprodukte verschiedenster Art enthalten oder bei der Produktion eingesetzt worden sein – so etwa auch im Wein. Wir erklären dir, wieso Wein nicht immer vegan ist und worauf es zu achten gilt, wenn du Wert auf Weingenuss ohne Tierprodukte legst.

Eine Person, die in einem Weinberg dunkle Trauben erntet, in Jeans und Stiefeln, neben ihr steht ein Korb auf dem Rasen.

Was in Wein ist nicht vegan?

Auf den ersten Blick mag es abwegig klingen: Was kann an einem Getränk aus Trauben nicht vegan sein? Tatsächlich ist es auch nicht die Frucht bzw. deren Anbau oder Herkunft, die den Unterschied machen. Erst in der Verarbeitung trennt sich die Spreu vom Weizen – oder, in diesem Fall, der vegane vom nicht-veganen Wein.

Genauer gesagt ist es die Klärung, die hier den Unterschied macht. Denn seit Jahrhunderten ist es unter Winzer:innen gängig, den Wein mit Hilfe tierischer Proteine zu klären. Das kann etwa Eiklar sein, die getrockneten Schwimmblasen von Fischen, Bestandteile von Kuhmilch oder aus Knochen, Sehnen und Knorpeln bestehende Gelatine. Diese auch “Schönungsmittel” genannten Proteine werden in das Weinfass eingebracht, verbinden sich dort mit den Trübstoffen im Wein und sinken anschließend gemeinsam mit diesen auf den Fassboden ab.

Auch unerwünschte Geruchs-, Geschmacks- und Farbstoffe können auf diese Weise herausgefiltert werden. Die Schönung mit Eiklar etwa macht sehr herbe Weine milder und entzieht außerdem, genau wie Proteine aus Kuhmilch, braune Farbpartikel. Letzteres hat den rein kosmetischen Zweck, dem Endprodukt eine schönere Farbe zu verleihen.

Der so geklärte Wein wird abgezogen, von den Proteinen tierischen Ursprungs bleibt so gut wie nichts im fertigen Produkt zurück. Aus diesem Grund besteht auch keine Deklarierungspflicht für die eingesetzten Schönungsmittel. Mit zwei Ausnahmen: Albumin (ein Bestandteil von Eiklar) und Kasein (ein Bestandteil von Kuhmilch) müssen seit 2012 aufgrund ihres allergenen Potenzials in der EU auf dem Etikett des Weins ausgewiesen werden.

Wer also keine Tierprodukte zu sich nehmen möchte, ist auch bei nicht-veganen Weinen in der Regel auf der sicheren Seite. Legst du aber Wert darauf, dass auch in der Herstellung deiner Lebensmittel keine Produkte tierischen Ursprungs zum Einsatz kommen, gilt es, beim Weinkauf genauer hinzuschauen.

Was ist an veganem Wein anders?

Um als “vegan” zu gelten, muss Wein also mit anderen Hilfsmitteln geklärt werden. Was heutzutage auch möglich ist, stehen doch pflanzliche Alternativen aus Erbsen- und Weizenprotein, Kartoffelstärke und mehr zur Verfügung. Auch Mineralerde und pflanzliche, chemische oder mineralische Aktivkohle sind nicht-tierische Schönungsmittel. Sie alle können dem Wein genauso effektiv Trüb-, Geruchs-, Geschmacks- und Farbstoffe entziehen, die im Endprodukt nicht gewünscht sind. Die aus Vulkanasche gewonnene Mineralerde Bentonit bringt dabei noch einen zusätzlichen Vorteil mit sich: Durch ihren Einsatz entstehen histaminarme Weine, da sie die Allergene entfernt.

Weiters kann Wein auch mit der Methode der sogenannten “Flotation” geklärt werden. Der Traubensaft wird dabei mit Stickstoff angereichert und unter Druck gesetzt, was dazu führt, dass die Trübstoffe aufsteigen. Der klare Saft kann dann von unten abgepumpt werden. Es ist aber auch möglich, Wein ganz ohne Hilfsmittel im Zuge der sogenannten “Sedimentation” zu klären. Dazu muss ihm einfach nur Zeit gegeben werden, denn der Prozess des Absinkens der Trübstoffe passiert auf natürliche Weise – es dauert bloß länger.

Es können übrigens alle Rebsorten und Geschmacksrichtungen vegan ausgebaut werden – ob Rot, Weiß, Rosé oder Schaumwein, pflanzenbasierte Genießer:innen müssen heutzutage auf nichts mehr verzichten. Und auch am Börserl soll es nicht scheitern, denn pflanzlich geklärte Weine sind nicht zwangsläufig teurer als ihre konventionellen Gegenstücke.

Warum gibt es nicht mehr vegane Weine?

Obwohl vegane Schönungsmittel nicht zu Qualitätsabstrichen im Endprodukt führen müssen, sind sie derzeit nicht die Norm. Dafür gibt es zwei Gründe:

  1. Das ausgewählte Mittel muss zur verarbeiteten Weinsorte passen, damit der Geschmack nicht negativ beeinflusst wird – beim Wein gibt es keine "Einheitslösung". Es kann daher vorkommen, dass Winzer:innen feststellen, dass keines der veganen Schönungsmittel ideal zu ihren Produkten passt.

  2. Die Umstellung auf Klärung ohne Tierprodukte bedeutet für Hersteller:innen oftmals umfangreiche Zeit- und Geldinvestitionen, was eine große Hürde darstellen kann.

Ein Glas Weißwein auf einem rustikalen Holztisch im Freien, im Hintergrund eine verschwommene Backsteinmauer und Grünpflanzen.

Wie erkennt man vegane Weine?

Ob ein Wein nun vegan ist oder nicht, lässt sich weder optisch noch geschmacklich eindeutig erkennen. Hier gilt es, einen Blick auf das Etikett zu werfen. Noch gibt es zwar kein einheitliches Siegel für diesen Zweck, in Europa wird aber meist das sogenannte “V-Label” der European Vegetarian Union eingesetzt. Aber auch Siegel von veganen Vereinigungen aus dem Ursprungsland des Weines können genutzt oder das Wort “vegan” einfach in Schriftform auf dem Etikett platziert werden.

Erfreulich für alle, die Wert auf veganen Wein legen: Die Auswahl ist groß, denn viele Winzer:innen produzieren seit vielen Jahren ganz ohne Tierprodukte, haben ihre Weine aber bisher nicht als “vegan” zertifizieren lassen. Hier hilft im Zweifelsfall die Nachfrage direkt bei den Produzent:innen. Viele Weine und Schaumweine von Henkell, Lenz Moser, Moët & Chandon und Scheiblhofer gelten beispielsweise als vegan.


Tipp: Nutze im Onlineshop die Filterfunktion “vegan”. So hat die lange Suche ein Ende!


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