Aufgrund seiner Größe lässt sich das Weinviertel in drei “inoffizielle” Subregionen gliedern, die den dort gekelterten Weinen eine unverkennbare Persönlichkeit verleihen. Im warmen, eher trockenen Westen fühlen sich fruchtbetonte, aromatische Rotweine besonders wohl, im kühleren Nordosten sind würzige, frische Weißweine zuhause. Und im südöstlichen Weinviertel werden – beeinflusst vom nahen pannonischen Klima – Sonnenanbeter wie Rot- und Süßweine, aber auch erstklassige Weißweine hergestellt.
Neben den edlen Bouteillen sind es aber besonders die charmanten Weinorte innerhalb dieser drei Regionen, die mit hervorragenden Weingütern, weitläufigen Wanderwegen und urigen Heurigen zum Besuchen, Verkosten und Verweilen einladen. Hier die wichtigsten im Überblick:
Retz
Retz gilt als das historische Zentrum des Weinviertels und begeistert besonders mit malerischen Kellergassen und dem beeindruckenden Kellersystem direkt unter der Altstadt – dieses soll sogar länger als das örtliche Straßennetz sein. Typisch für die Retzer Weingärten sind lehmige Sand- und Lössböden sowie das Zusammenspiel aus warmer Luft und kühlen Winden aus dem angrenzenden Waldviertel. Optimale Bedingungen, damit Weiß- und Rotweintrauben in ihrem ganz individuellen Tempo reifen und ausgeprägte Aromen entwickeln können. Rund 70 % der Rebflächen sind mit Weißweinsorten bepflanzt, die zu Publikumslieblingen wie Grünem Veltliner, Weißburgunder und Riesling verarbeitet werden. Aber auch Blauer Portugieser und Zweigelt sind weit verbreitet.
Haugsdorf
Hoch im Norden, unweit der tschechischen Grenze, liegt mit Haugsdorf einer der Rotwein-Hotspots des Weinviertels. Rund 70 % aller Weingärten sind hier mit roten Trauben bepflanzt. Das Klima ist kontinental mit kühlen Nächten und warmen Tagen – ideal für samtig-milde bis leicht herbe Weine wie Blauburger, St. Laurent oder Zweigelt.
Falkenstein
Rund 40 Kilometer östlich von Haugsdorf liegt mit Falkenstein einer der kleinsten Weinorte des Weinviertels, der allerdings auf eine lange Geschichte zurückblickt: Bereits im 14. Jahrhundert soll hier Wein angebaut worden sein. Die örtlichen Reben profitieren von Granit- und Schieferböden sowie einem – bedingt durch die Höhenlage – etwas kühleren Klima. Eine Kombination, die für besonders elegante, mineralische Weißweine sorgt, etwa aromatischen Riesling und spritzigen Grünen Veltliner.
Poysdorf
Man könnte Poysdorf fast als Genusshauptstadt des Weinviertels bezeichnen, denn hier wird ein Großteil der Weine aus der Region angebaut. Der Grund: Die nahezu idealen Bedingungen, die den Trauben hier geboten werden. DIe Sommer sind heiß, die Winter mild und die durchlässigen Löss-Böden speichern Wärme und Nährstoffe optimal – perfekt für frische Weißweine wie Grünen Veltliner und Riesling, aber auch fruchtige Rotweine wie Zweigelt und Blauburgunder. Mit dem Weingut Weinrieder bietet Poysdorf übrigens auch etwas internationales Flair: Die vielfach prämierten Tropfen aus dem niederösterreichischen Betrieb werden in über 30 Länder exportiert und in Top-Restaurants von London bis Hongkong genossen.
Herrnbaumgarten
Die kleine Gemeinde Herrnbaumgarten liegt an der Grenze zu Tschechien und zeichnet sich, ähnlich wie das nahegelegene Poysdorf, durch kalkreiche Böden sowie ein gemäßigtes Klima aus. Angebaut werden hier sowohl Rot- als auch Weißweine, letztere profitieren besonders von den Bedingungen vor Ort. Das merkt man auch im Geschmack: Grüner Veltliner und Riesling aus Herrnbaumgarten bestechen durch besonders feine Aromen und ausgeprägten Charakter.
Wolkersdorf
Wolkersdorf liegt im südlichen Weinviertel, rund eine knappe halbe Stunde außerhalb von Wien. Hier machen sich die ersten Einflüsse des nahen pannonischen Klimas bemerkbar, die für milde Temperaturen und warme Sommer sorgen. Typisch für die Region sind fruchtbare Löss- und sandige Lehmböden, welche die hier angebauten Weine besonders gut ausbalanciert und charakterreich machen. Zu den örtlichen Hauptrebsorten gehören Grüner Veltliner und Zweigelt, aber auch Chardonnay, Sauvignon Blanc und Merlot gedeihen hier hervorragend.
Mannersdorf an der March
Nur einen Katzensprung von der slowakischen Grenze entfernt wartet mit Mannersdorf an der March ein kleiner Geheimtipp auf Weinfreund:innen: Auf nur rund 500 Einwohner:innen kommen hier 129 Weinkeller in insgesamt 7 übereinander angeordneten Kellergassen, die Auswahl an zu verkostenden Tropfen ist also hoch. Die Böden sind löss- und nährstoffreich, das Klima pannonisch geprägt mit warmen Sommern und milden Wintern – ideal für Grünen Veltliner und Welschriesling, aber auch samtige Rotweine wie Zweigelt und Blauen Portugieser.
Stetten
Im südlichen Weinviertel, nur rund eine halbe Autostunde vom Wiener Stephansplatz, liegt Stetten. Hier spürt man den Einfluss des pannonischen Klimas besonders deutlich, die Gemeinde zählt rund 1.400 Sonnenstunden pro Jahr. In Kombination mit den typischen Löss- und Braunstein-, aber auch vereinzelten Sandsteinböden, ergibt das optimale Bedingungen für Weißweine wie Welschriesling, Müller Thurgau oder Weißburgunder. Aber auch Zweigelt, Blauburger und Blauer Portugieser fühlen sich in den Stettner Rieden wohl. Eine exzellente Auswahl davon gibt es am Weingut Pfaffl zu verkosten, das besonders für Freund:innen des Grünen Veltliners ein heißer Tipp ist.
Großengersdorf
Auch Großengersdorf zählt zu den Insidertipps des Weinviertels: Die Gemeinde ist nicht weit von Wien entfernt, aber weniger bekannt als andere Wein-Hotspots der Region und überzeugt dadurch mit beschaulichem, entschleunigtem Flair. Charakteristisch sind das pannonisch-kontinental geprägte Klima mit seinen warmen Sommern und kalten, meist schneearmen Wintern sowie die durchlässigen, fruchtbaren Lössböden. Vereinzelt findet man hier auch Lehmböden, zum Beispiel in den Rieden von Niki Windisch, einem der bekanntesten Winzer der Region. Er war lange Zeit Kellermeister am renommierten Weingut Markowitsch in Göttlesbrunn, baute parallel aber seinen eigenen Betrieb auf. Mit Erfolg: Der Grüne Veltliner aus dem Hause Windisch wird von Kenner:innen in ganz Österreich geschätzt und der Blaufränkisch sogar von Expert:innenjurys ausgezeichnet – unter anderem mit 96 Punkten im Falstaff-Rating.
Mailberg
Saftig grüne Hügel, malerische Kellergassen und ein herrlicher Blick auf unzählige Weingärten – die 560-Seelen-Gemeinde Mailberg hat ihren Gästen so einiges zu bieten. Am wichtigsten: Exzellente Weine, die durch das frische Klima im nördlichen Weinviertel sowie die kalk-, lehm- und lösshaltigen Böden besonders frisch und würzig ausfallen. Auch hier liegt der Fokus auf Grünem Veltliner, darüber hinaus werden auch Chardonnay und Weißburgunder gekeltert. Aber auch Rotweine wie Blauer Zweigelt und Blauer Portugieser fühlen sich hier wohl. Apropos Wohlfühlen: Wer einen besonders gemütlichen Ort zum Verkosten sucht, sollte einen Ausflug zum Weingut Hagn machen – der Familienbetrieb mit Restaurant und Hotel blickt auf über 300 Jahre Tradition zurück und gehört zu den Top-Betrieben des Weinviertels.
Pernersdorf
Knapp 22 Minuten sind es von Mailberg nach Pernersdorf, einer kleinen Gemeinde in den nordwestlichen Hügeln Niederösterreichs. Auch hier sind die Böden von Löss, Lehm und Sand geprägt, welche in Kombination mit dem warmen, gemäßigten Klima die Basis für charismatische Weißweine wie Grüner Veltliner, Chardonnay oder Riesling legen. Verkosten lassen sich diese besonders genussvoll am Weingut von Julius Klein, das schon seit dem 18. Jahrhundert besteht und mit einer Kombination aus bewährten Klassikern und innovativen Ideen für reichlich Abwechslung im Glas sorgt.