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Syrah & Shiraz: Dunkle Eleganz im Glas

 

Syrah zählt zu den eindrucksvollsten Rotweinsorten der Welt – eine Rebsorte, die Geschichte, Herkunft und moderne Stilvielfalt auf einzigartige Weise verbindet. Kaum eine Sorte zeigt so klar, wie stark Klima, Böden und regionale Handschrift den Charakter eines Weines prägen. In Österreich ist Syrah zwar eine seltene, aber umso spannendere Spezialität, weltweit gehört sie längst zu den großen Klassikern. Dieser Beitrag nimmt Sie mit auf eine Reise durch Herkunft, Anbaugebiete, Stilistik und Genussmomente einer faszinierenden Rebsorte, die im Glas immer wieder aufs Neue überrascht.

Herkunft und Geschichte

 

Syrah – außerhalb Europas oft als Shiraz bekannt – zählt zu den spannendsten internationalen Rotweinsorten, auch, was ihre Herkunft betrifft. Heute gilt als gesichert, dass die Rebe aus einer natürlichen Kreuzung von Mondeuse Blanche und Dureza hervorgegangen ist und mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Tal der Rhône in Frankreich stammt. Genetische Analysen zeigen außerdem eine Verwandtschaft zu mehreren mitteleuropäischen Sorten und deuten darauf hin, dass Syrah höchstwahrscheinlich ein Urenkel des Pinot Noir ist. Auf der anderen Seite der Alpen bestehen außerdem Verwandtschaften zu Sorten wie Lagrein, Marzemino und Teroldego aus Südtirol und Trentino.

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Wie alt die Sorte tatsächlich ist, lässt sich jedoch nicht exakt datieren. Schon im 1. Jahrhundert n. Chr. wurden zwar hochwertige dunkle Weine aus der Gegend des heutigen Côte-Rôtie schriftlich erwähnt. Ob es sich dabei allerdings bereits um Syrah handelte oder um andere historische Sorten wie Dureza, bleibt Spekulation – zeigt aber, wie lange in dieser Region schon charaktervolle Rotweine kultiviert werden. In Österreich spielt die Sorte noch eine vergleichsweise kleine Rolle: Erst seit 2001 ist Syrah hier offiziell als Qualitätsrebsorte zugelassen.


Übrigens: Die Namen “Syrah” und “Shiraz” bezeichnen genetisch zwar dieselbe Rebsorte, stehen heute jedoch oft für unterschiedliche Stilistiken. In Frankreich, besonders an der Rhône, spricht man von Syrah, während in Australien der Name Shiraz gebräuchlich ist. Unterschiede in Klima, Böden und regionaler Weintradition prägen den jeweiligen Charakter ganz wesentlich. Syrahs verkörpern in der Regel traditioneller Stil in der Vinifikation, Shiraz hingegen kokettieren mit moderner Machart.


 

Wo wird Syrah angebaut?

In Österreich spielt Syrah, wie bereits erwähnt, eine eher kleine, aber dennoch spannende Nebenrolle. Der Schwerpunkt liegt im Burgenland, wo mit rund 108 Hektar über 70 % der gesamten heimischen Syrah-Fläche stehen. In Niederösterreich sind es etwa 36 Hektar, kleinere Bestände finden sich in der Steiermark (3 ha), in Wien (1,3 ha) und im Bergland (1,2 ha). Insgesamt bleibt die Anbaufläche überschaubar – Syrah bevorzugt deutlich wärmere Regionen, als sie hierzulande flächendeckend gegeben sind.

 

Die Sorte ist insgesamt kälteempfindlich, braucht sehr warme, frühe Lagen und reagiert sensibel auf anhaltende Kälte und Nässe – bei diesem Wetter erreichen die Trauben oft nicht die Vollreife, was sich direkt in ihrem Geschmack zeigt. Umgekehrt kann zu viel Sonne schnell zur Überreife führen. Hinzu kommt, dass Syrah eher hohe Erträge liefert, die ohne Regulierung zu wenig konzentrierten Weinen führen. Wenn Winzer:innen jedoch konsequent auf Ertragsreduzierung, sorgfältige Laubarbeit und den passenden Lesezeitpunkt achten – und das Wetter mitspielt –, entstehen Weine mit beeindruckender Tiefe und Ausdruckskraft.

 


Schon gewusst? Die Syrah-Trauben haben die ungewöhnliche Eigenschaft, dass sie in der Reifephase plötzlich an Säure verlieren, während gleichzeitig ihr Zuckergehalt stark ansteigt. Das führt zu kräftigen, alkoholreichen Weinen, die sowohl fruchtbetont als auch würzig sind.


 

Internationale Verbreitung

 

Syrah/Shiraz hat eine echte Weltkarriere hingelegt: Heute ist die Rebsorte in fast allen warmen Rotweingebieten der Weinwelt zu Hause. Überall dort, wo sonnige, eher trockene Lagen eine sichere Reife ermöglichen, fühlt sich Syrah besonders wohl. Das historische und bis heute wichtigste Anbauzentrum liegt im Rhônetal in Frankreich, wo Syrah in den nördlichen Appellationen (etwa Hermitage oder Côte-Rôtie) sortenrein vinifiziert wird und im Süden eine zentrale Rolle in Cuvées spielt. Zur zweiten großen Heimat wurde Australien, wo die Sorte als Shiraz auftritt und vom Barossa Valley bis nach Margaret River ausgebaut wird.

 

Seit den 1990er- und frühen 2000er-Jahren haben die Pflanzungen weltweit deutlich zugenommen. Wichtige Anbaugebiete finden sich heute auch in den USA (vor allem Kalifornien und Washington), in Südafrika, Argentinien, Chile und Spanien. In Italien und Spanien wird Syrah häufig als Cuvée-Partner eingesetzt, während Regionen wie Portugal zunehmend auch sortenreine Syrah-Weine hervorbringen. So zeigt die Rebsorte weltweit ein breites stilistisches Spektrum – immer geprägt vom jeweiligen Klima, den Böden und der regionalen Weintradition.

Charakteristik: Wie schmeckt Syrah?

Syrah beziehungsweise Shiraz steht für kraftvolle, tiefdunkle Rotweine mit großem Charakter. Typisch sind die Tiefe und Dichte der Fabe und intensive Aromen von schwarzer Johannisbeere und dunklen Waldbeeren, oft begleitet von Noten, die an Unterholz, Leder oder Tabak erinnern.

 

Grundsätzlich gilt: Syrah (vor allem aus Frankreich) ist für elegante, würzige Weine mit feiner Struktur und weichen Tanninen bekannt. Shiraz (etwa aus Australien) wird häufig voller, runder und fruchtbetonter ausgebaut. Schon die Bezeichnung auf dem Etikett gibt also oft einen Hinweis darauf, welcher Stil im Glas zu erwarten ist – in beiden Fällen mit Potenzial für ausgesprochen edle Tropfen.

 

Die Charakteristik von Syrah im Überblick

  • Farbe: Tiefdunkel bis fast schwarz, oft mit violetten Reflexen; je nach Ausbau auch rubin- bis purpurrot

  • Duftaromen: Intensive Aromen von schwarzer Johannisbeere, Brombeere und Cassis, Noten von schwarzem Pfeffer, Zimt oder Nelken; Australischer Shiraz zeigt durch den Holzeinsatz oft Vanille- und Schokoladearomen

  • Geschmack: Vollmundig und kraftvoll oder – je nach Herkunft – eleganter und würziger, mit weichen bis präsenten Tanninen; stets getragen von harmonischer Säure und ausgewogener Struktur

  • Abgang: Langanhaltend und voll, häufig mit würzigen oder schokoladigen Noten; bei Spitzenweinen vielschichtig, warm und samtig

  • Ausbau: Im Stahltank oder – je nach Stilistik – im Eichenfass, das die Weine würziger und komplexer macht. Die Bandbreite reicht von frisch und zugänglich bis hin zu opulent und kraftvoll

Lagerfähigkeit & Trinktemperatur: So schmeckt Syrah am besten

Syrah gehört zu den Rotweinen, die Zeit brauchen, um sich voll zu entfalten. Besonders Weine aus Spitzenlagen und von versierten Winzer:innen bringen genügend Struktur, Säure und Tannin mit, um zehn Jahre oder länger gelagert zu werden. Mit zunehmender Flaschenreife werden die Gerbstoffe weicher, die Frucht tritt etwas in den Hintergrund und es entwickeln sich komplexe sekundäre und tertiäre Aromen.

 

Es gilt: Syrah sollte etwas unter Zimmertemperatur, idealerweise bei 16-18 °C, serviert werden. In diesem Bereich zeigen sich dunkle Frucht, Würze und Tiefe am ausgewogensten – ohne, dass Alkohol oder Tannine dominieren. Zu kalt serviert wirkt der Wein verschlossen und kantig, zu warm erscheint er schnell alkoholbetont und verliert an Finesse. Junge Syrah-Weine profitieren übrigens von kräftiger Belüftung in einer bauchigen Karaffe, wodurch sich Tannine harmonischer präsentieren und die Aromatik öffnet. Gereifte Syrah mit Depot sollten dagegen behutsam dekantiert werden.

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