Zum Hauptinhalt springen
Jetzt registrieren und 10€ Gutschein erhalten. Gültig bis 09.10.2026, ausgenommen Raritäten, digitale Gutscheine, Bücher und TopDeal Artikel.
Eine Traube grüner Weintrauben, die an einer Rebe mit üppig grünen Blättern hängt und im Sonnenlicht badet.

Furmint: Der edle Ungar mit zwei Gesichtern

Große Geschichte trifft großen Geschmack: Der Furmint ist eine echte Weinlegende – in seiner Heimat Ungarn entsteht daraus schon seit vielen Jahrhunderten einer der berühmtesten Süßweine der Welt. Doch er kann mehr als edelsüß: Sortenrein gekeltert zeigt er eine ganz andere Seite; vielschichtig, extraktreich und mit einer mineralischen Tiefe, die jede:n Weinliebhaber:in aufhorchen lässt. Wo die Rebsorte angebaut wird, wie sie im Glas überzeugt und mit welchen Speisen sie am schönsten harmoniert, erfährst du hier.

Herkunft und Geschichte

Der Furmint wurzelt tief im pannonischen Raum, auch wenn sein genauer Ursprung bis heute nicht restlos geklärt ist. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1623, doch die Sorte dürfte deutlich älter sein. Die Legenden rund um ihre Herkunft sind zahlreich: Eine besagt zum Beispiel, sie sei im 13. Jahrhundert von italienischen Siedler:innen unter König Béla IV. nach Ungarn gebracht worden, einer anderen zufolge brachte die venetische Prinzessin Aurora Formentini die Rebe im 17. Jahrhundert als Geschenk zur Hochzeit mit und verlieh ihr dabei gleich ihren Namen.

Moderne DNA-Analysen zeigen allerdings: Gegen eine italienische Herkunft spricht einiges, denn bislang ließen sich keinerlei Verwandtschaften mit Rebsorten von der Apenninenhalbinsel nachweisen. Wahrscheinlicher ist eine natürliche Kreuzung des Weißen Heunisch (Gouais Blanc) mit einer bislang nicht eindeutig identifizierten ungarischen Sorte. Und das macht den Furmint zu einem Halbbruder einiger der renommiertesten Weißweine der Welt: Der Weiße Heunisch gilt als eine der fruchtbarsten Stammsorten der europäischen Weingeschichte, auf die rund 120 bekannte Rebsorten zurückgehen, darunter Chardonnay, Riesling und Gamay.

Doch nicht nur in Ungarn hinterließ der Furmint seine Spuren. Auch im heutigen Burgenland war er einst eine feste Größe: In der Freistadt Rust galt er bis zur Reblauskatastrophe Ende des 19. Jahrhunderts als unangefochtene Hauptsorte. Seinen wohl berühmtesten Auftritt hatte er 1681, als die Ruster Bürger:innen bei Kaiser Leopold I. das Freistadtrechterkauften. Der Preis: 60.000 Goldgulden und rund 500 Eimer, etwa 30.000 Liter, feinsten Ausbruchs aus Furmint-Trauben.

Wo wird Furmint angebaut?

Im österreichischen Weinbau spielt der Furmint eine kleine, aber feine Rolle. Der Großteil der heimischen Bestände konzentriert sich auf die Freistadt Rust am Neusiedlersee, wo die Sorte seit rund 600 Jahren verwurzelt ist. Dass sie die Reblauskatastrophe überhaupt überlebte, verdankt sie einigen wenigen beharrlichen Winzerfamilien, die ihre ureigenen Furmint-Reben über Generationen hinweg hegten, vermehrten und damit den Grundstein für die heutige Renaissance legten. Denn der Standort könnte kaum besser sein: Das pannonische Klima kommt der spätreifenden Sorte sehr entgegen; heiße Sommer, milde Herbste und die hohe Luftfeuchtigkeit des Neusiedler Sees schaffen ideale Voraussetzungen für vollreife, charakterstarke Trauben. Vereinzelt findet man den Furmint auch in der Steiermark, wo er unter seinem historischen Namen „Mosler" aus alten Gemischten Sätzen neu entdeckt und mittlerweile wieder sortenrein ausgebaut wird.

Übrigens: Im Weingarten zeigt der Furmint, was er braucht – nämlich warme, kalkreiche Lagen und viel Geduld, denn die Lese zieht sich oft bis weit in den Herbst hinein. Seine Anfälligkeit für Botrytis cinerea, jenen Edelpilz, der Trauben befällt und ihnen Wasser entzieht, was Aromen und Zucker konzentriert, bereitet andernorts Kopfzerbrechen. In Rust hingegen ist sie eine glückliche Fügung, denn genau daraus entsteht der legendäre Ruster Ausbruch, einer der größten Süßweinschätze Österreichs.

Internationale Verbreitung

In seiner Hochburg Ungarn bedeckt der Furmint rund 4.000 Hektar Rebfläche, das Gros davon in der Weinbauregion Tokaj-Hegyalja. Seit Jahrhunderten ist er dort die Seele der berühmten Tokajer Aszú-Süßweine, doch immer öfter zeigt er als trockener Weißwein, was in ihm steckt. Auch in Slowenien ist der Furmint längst heimisch: Als Šipon hat er sich in der Region Štajerska Slovenija, gleich jenseits der steirischen Grenze, seit Generationen einen festen Platz erarbeitet und bringt dort sowohl charaktervolle Lagenweine als auch edelsüße Spezialitäten hervor. Kleinere Mengen gibt es zudem in Rumänien, Kroatien und der Republik Moldau, vereinzelte Pflanzungen sogar bis nach Südafrika.

Schon gewusst? Der Furmint ist unter Ampelographen, also Wissenschaftler:innen, die sich mit der Erforschung und Klassifizierung von Rebsorten beschäftigen, für seine Vielnamigkeit berühmt: Über 130 lokale Synonyme sind dokumentiert, von Malvasia Verde über Tokayer bis hin zu Mosler. Kaum eine andere Rebsorte hat auf ihrem Weg durch Europa so viele Identitäten angenommen.

Charakteristik: Wie schmeckt Furmint?

Der Furmint ist ein echter Doppelkünstler! Je nach Ausbau zeigt er zwei völlig verschiedene Gesichter und beide überzeugen:

Trocken vinifiziert leuchtet er in Hellgelb bis tiefem Goldgelb und verführt mit einem würzigen Spiel aus Quitte, Limette und einem Hauch Kamille. Was ihn von anderen weißen Rebsorten so deutlich abhebt, ist seine Säure: präsent, straff und lebendig, dabei erstaunlich harmonisch und angenehm eingebunden. Am Gaumen zeigt er sich extraktreich und füllig, mit einer salzig-mineralischen Note, die an vulkanischen Stein erinnert. Im Barrique ausgebaut, gewinnt er an Tiefe und Textur – cremige Nuancen und ein dezentes Honigaroma inklusive. Im edelsüßen Ruster Ausbruch oder als Tokajer Aszú zeigt der Furmint eine andere Facette: Farblich leuchtet er in sattem Goldgelb bis Bernstein, der Duft entfaltet ein üppiges Spiel aus Aprikose, Honig, Rosinen und Mandeln mit zarten Orangenblütennoten. Das Besondere: Trotz intensiver Süße bleibt die charakteristische Furmint-Säure präsent, sie balanciert all die geschmackliche Opulenz aus und verleiht diesen Weinen ihre legendäre Langlebigkeit.

Die Charakteristik von Furmint im Überblick

  • Farbe: Hellgelb bis tiefes Goldgelb, je nach Ausbau auch Bernstein

  • Duft: Quitte, Limette, Kamille, mineralisch-würzig; edelsüß auch Aprikose, Honig, Rosinen und Orangenblüten

  • Geschmack: Extraktreich und füllig mit straffer, lebendig eingebundener Säure und salzig-mineralischem Zug

  • Abgang: Lang und würzig; bei edelsüßen Varianten langanhaltend mit Noten von Honig, Trockenfrüchten und kandierter Orange

  • Ausbau: Trocken im Edelstahl (frisch, straff) oder Barrique (cremig, tief); edelsüß meist im Holzfass gereift

Lagerfähigkeit & Trinktemperatur: So schmeckt Furmint am besten

Die hohe natürliche Säure macht den Furmint zu einem echten Langstreckenläufer. Trockene Guts- und Ortsweine zeigen ihr bestes Gesicht in den ersten drei bis fünf Jahren; Lagenweine und Reserve-Qualitäten entwickeln sich über sieben bis zehn Jahre weiter, manchmal noch länger. Die edelsüßen Vertreter, allen voran der Ruster Ausbruch und der große Tokajer Aszús, zählen bei richtiger Lagerung zu den langlebigsten Weinen der Welt: Sie reifen problemlos Jahrzehnte und entfalten dabei immer neue Aromenebenen aus Trockenfrüchten, Karamell und kandierter Orange.

Und wie serviert man ihn am besten? Bei 10 bis 12 °C kommen trockene Vertreter optimal zur Geltung, kühl genug für die knackige Frische, warm genug, damit sich die aromatische Würze voll entfalten kann. Edelsüße Varianten dürfen ähnlich temperiert serviert werden, ein paar Minuten im Glas öffnen sie weiter und geben ihre komplexen Duftnoten Schritt für Schritt preis.



Genuss-Tipps: Furmint als Speisenbegleitung

Als trockener Wein ist der Furmint ein vielseitiger Tischbegleiter: Er harmoniert besonders gut mit Fisch, hellem Fleisch und würzigen Käsesorten, überrascht aber auch neben asiatisch inspirierten Gerichten. Die edelsüßen Varianten sind klassische Partner von Gänseleber und Blauschimmelkäse, machen als Ergänzung zu fruchtigen Desserts aber ebenso eine exzellente Figur. Und solo als Aperitif übrigens auch!

Furmint in der INTERSPAR weinwelt entdecken

Vom trockenen Lagenwein bis zum legendären Ruster Ausbruch gehört der Furmint zu den spannendsten Rebsorten Europas – daher warten in der INTERSPAR weinwelt einige ausgesuchte Vertreter auf dich. Du möchtest noch weitere Facetten des Weingenusses erkunden? Neben dem Furmint findest du bei uns edle Rotweine, frische Weißweine sowie fruchtige Rosés und alkoholfreie Varianten. Auch Spirituosenfans haben Grund zur Freude: Von Whisk(e)y, über Tequila bis hin zu feinen Likören gibt es einiges zu verkosten.

Und wer mehr über die Welt des Weins erfahren möchte, ist in unserer Wein- & Spirituosenkunde genau richtig. Dort erfährst du etwa, wie man Weinfehler erkennt, wie Glasformen das Aroma beeinflussen oder was hinter Begriffen wie „Jahrgang" oder „Botanicals“ steckt. In diesem Sinne: Zum Wohl, auf den wohl edelsten Ungarn!